SpreeSee-Ausflug nach Frankfurt am Main

Dickes B oben an der Spree im Sommer tust du gut und im Winter tut`s weeeee-eeeh…!

deshalb macht SpreeSee sich morgen früh mit Hilfe dieses kleinen aber sehr feinen Gutscheinpakets vom Acker:

Fahrkarten, Friseur, Futter, Feierei - ein Wochenende in Gutscheinen.

Chloe vom See ist ja erst kürzlich hier in der großen Stadt im tiefen Osten angekommen, sie verträgt das raue Klima und die schlechten Straßenverhältnisse noch nicht so gut. Damit es nicht zu einem allergischen Schock kommt, hat sich SpreeSee entschieden gemeinschaftlich einen Ausflug in eine kleine westliche Stadt zu machen. Chloe kann hier auf überschaubarerem Terrain noch einmal Urbanität üben, während sich Maya vom Großstadtspleen erholt und endlich eine seit Monaten dringend benötigte Frisur erhält. (Chloe drohte neulich schon an, mich wegen mayner zerzausten Haare als Wischmopp für ihre neue Bude zu benutzen, wie bei den Flintstones.) Deshalb fungiert dieser Beitrag sowohl unter Landflucht als auch unter Stadtflucht – alles ist schließlich eine Frage der Perspektive.

Bei Friseur, Futter und Feierei werden die Batterien in der Mainmetropole aufgeladen!

Freundlicher Sponsor dieser Aktion ist die Kosmetik-Industrie, die ich per anhaltender Gewinnspielsucht angezapft habe. Das ist nur gerecht: betrachtet man mal allein den Wert der Lidschatten, die sich in unserem Besitz befinden, erscheint das Gutschscheinpaket wie ein kleiner Treuebonus.

Viel weniger selbstverständlich und äußerst entzückend ist, dass die orstansässige Lena uns eine Nacht aufnehmen wird und versprochen hat, alle mayne Vorurteile gegenüber der Mainmetropole abzubauen. Ich bin so gespannt!

Einziger Wermutstropfen: die Weather-Pixies streiken, gerade jetzt, da wir Beratung in Sachen Reise-Garderobenplanung bräuchten. Doch davon lassen wir uns nicht aufhalten.

Frankfurt, pass auf! Morgen kommen wir- um durch die Straßen zu latschen und dich vollzuquatschen…

Advertisements

Live Blog aus Beverly Hills: Teil I

Chloe nimmt sich ja jedes Mal vor, live zu bloggen. Aber dann ist sie beim Anblick der klebrigen Tastaturen der Internet-Cafés dieser Welt derart angewidert, dass ihre Gedanken für immer im Unterbewusstsein verschlossen bleiben. Nun habe ich jedoch keinerlei Entschuldigung: MacGadgets reisen mit und die Unterkunft ist steril. Maya, anbei die Einblicke in Hooooolllyyywood.

Gestern kamen wir nach 4,5 h Flug eine Stunde früher als geplant in Los Angeles an. Lag wohl am Rückenwind. Neben uns saß ein amerikanischer Alberich, der jede kleine Szene laut kommentieren musste („Oh, this flight is not booked out!“). Als sie über ihren deutschen Großvater zu erzählen ansetzte, signalisierte ich mal wieder „Müdigkeit“. Mein Bruder und ich wunderten uns schon, warum man mit Ende Dreißig alleine nach Maui verreist. Wahrscheinlich, um mit einer Delfin-Therapie die letzte Scheidung zu verarbeiten. Njet! Auf die verbale Entfaltung einer Lebensgeschichte hatte ich echt keinen Bock. Vor allem nicht auf Trennungssinnkrisen. Also verkroch ich mich in meinen Kindle…

Bei Ankunft am Flughafen wurde meine Sitznachbarin persönlich von ihrem riesigen dunkelhäutigen Chauffeur abgeholt. Mist, dachte ich mir, vielleicht wäre eine Konversion doch interessant gewesen. So ein paar Drehbücher hätte ich doch in der Hinterhand gehabt! Das ist Hollywoooooood.

Und wo schläft man in Hollywood? Im Beverly Hilton! Ein schönes Plätzchen, hier könnte man sich ruhig länger einmieten. Beim Öffnen der Balkontür wurde ich mit der folgenden Aussicht überrascht:

Und zu der Videoinstallation über dem Pool lief als Soundtrack „Paper Planes“ von M.I.A. Ach, ein schöner Empfang! Tagsüber sieht das ganze wie folgt aus:

Im Zimmer erschlugen mich zwei Installationen:

Das ist doch keine Minibar! Das ist ein Späti bzw. süddeutsch: Tankstelle!! Im Bad wurde ich vom Fernseher überrascht:

Mein Bruder meinte hierzu nur: „Chloe! Das ist Hollywood. Hier geht es nur um Film und Fernsehen. Übrigens haben wir einen fetten HDTV im Schlafzimmer. Wir können Filme kaufen, die jetzt gerade im Kino laufen…“ Gute Nacht !!

Am nächsten Morgen ging es vor allem darum, die Anlage kennen zu lernen und meine ID-Card zu besorgen. Was für eine chaotische Truppe. Die Jungs, die die Fotos schossen sahen alle wie geschleckt aus und trugen trotz des ein oder anderen Fettpölsterchens ihre Röhrenjeans und Slim-Fit-Karohemden. Ach ja, und alle wieder sooo winzig! Hauptsache die Frisur sitzt. Und der Kopf steht immer auf Poserpose. Man könnte ja entdeckt werden. Hoooollyyywoood!

Später checkten wir die Räumlichkeiten ab für den Job, den wir am Sonntag Abend zu erledigen haben. Als wir durch den Hotelflur sausten, liefen wir an einem ausgeräumten Hotelzimmer nach dem anderen vorbei. Statt Betten und Minibar waren die Zimmer mit nervösen Menschen und leuchtenden Laptops besetzt. Nur in unserem Raum fehlten noch die Tische… der mexikanische Angestellte musste sofort antanzen und diesen Fauxpas beheben.

Die kleinen medialen Terrorzellen im Hotel glichen einem Sondereinsatzkommando. Auf dem Boden saßen bulimische Mädels, die stolz die Moderationskarten mit Text und Fotos zusammenklebten. Generell ist der Altersdurchschnitt der administrativen Crew jedoch extrem hoch. Muss wohl daran liegen, dass es die Veranstaltung schon seit knapp 70 Jahren gibt.

Und der rote Teppich? Der wurde heute angeliefert.

Die Jungs sind noch am Ausrollen.

Musste mich also zum Mittagessen mit rotenm Upper-Ketchup begnügen. Hat man schon mal so ne kleine Ketchupflasche gesehen? Süß.

Zum Abendessen ging es ins SUR. Selbst die Männer hatten wallende Schals um ihre Schlüsselbeine geschwungen. Mit von der Partie an unserem Tisch war Dominika Wolski. Auch diese Person ist sooo Hoooolyywoood. Immer auf der Suche nach der nächsten Rolle. Aber ganz erfrischend und auch ein Schreiberling. Morgen treffen wir uns wahrscheinlich zum Shoppen. Im SUR gab es lustigerweise den Trapiche Malbec. Aus Nostalgie an die Argentinienreise und den Besuch im Trapiche Weingut bei Mendoza orderte ich natürlich ein Gläschen. Dominika überraschte mich mit dem passenden Nachtisch: Eine Crepe mit Dulce de Leche Füllung. Welch Koinzidenz.

So viel vom heutigen Schein. Mehr demnächst. Aaaaah… wir haben gerade (der Film ist zu Ende) unsere Rechnung auf dem Bildschirm eingeblendet bekommen. Die gestrige 0,5 L Flasche Wasser aus der Minibar (trinkt niemals die Marke „Jana“ – schmeckt ekelhaft) kostet 11.52 Dollar! Fuck ! Da trink ich doch lieber aus dem Pool. Auf den Schock ziehen wir uns gleich noch einen Film rein: „The Invention of Lying“.

Der eingebildete Albaner

Mayas „Ätsch!“ war nicht unbegründet. Chloe fror über Ostern tatsächlich in Barcelona, während am Schwabenmeer Hochsommertemperaturen aufwarteten (den Bikini brauchte ich in Spanien erst gar nicht auszupacken!). Der Wind, der Regen und die Kälte hielten die zwei deutschen Touristinnen aber nicht vom Sightseeing & Feiern ab. Die Rache kam nach der Ankunft in Deutschland – vor dem Flug gab es noch Tomatensaft am Flughafen gegen den Kater. Höllische Kopfschmerzen, kratzender Hals und verdichtete Nase. Direkt nach dem traditionellen Spargelessen mit meinen Stuttgarter Freundinnen schlief ich vor Ort auf der Couch ein. Der Martini wurde auf dem Balkon ohne mich getrunken. Chloes sonore Nase untermalte den lauen Sommerabend mit einem leichten Soundtrack für die Freunde…

Am Ostermontag begab ich mich mit dröhnendem Schädel auf die Heimreise. Ich hatte mir extra eine Zugverbindung „ohne Umsteigen“ herausgesucht. Dann diese Konversation mit dem Schaffner:

Schwäbischer Schaffner: „Ihre Fahrkarte bitte!“
Chloe reicht die Fahrkarte.
Schwäbischer Schaffner: „Wie lautet denn Ihre Endstation?“
Chloe in ein Taschentuch trotzend rotzend: „Meckenbeuren.“
Schwäbischer Schaffner eiskalt: „Dann müssen Sie nun in Göppingen aussteigen. Mit dem Baden-Württemberg-Ticket dürfen Sie nicht im InterCity fahren.“

Der Schädel pochte und ich kochte innerlich! Die Chose hatte ich schon auf der letzten Berlin-Rückreise. Aber da handelte es sich um einen ICE. Das versteh ich ja noch. Aber warum darf ich nicht mit dem popeligen IC an den See??? Eine Stunde stand ich ohne Aspirin am Bahngleis und sehnte mir die Bummelbahn herbei. In „Mekka“ wartete mein Chauffeur in FlipFlops auf mich. Am See hatte während meiner Abwesenheit alles zu blühen begonnen! Der Frühling ist rosa-weiß-rot eingebrochen!

Durch den Mund atmend schrie ich entsetzt bei all der wohligen Wärme um mich herum: „Fuck, Barcelona!“ Und in dem Moment lief auf FM4 ironischerweise „Blue Period Picasso“ von Peter Bjorn and John. Nein, Barcelona war natürlich toll, nur habe ich mir die Erkältung meines Lebens zugezogen. Vor Kopfschmerzen liefen mir sogar die Tränen… Zum Glück konnte mein Chauffeur eine Bouillon für die nicht eingebildete Kranke kochen. Das öffnete mir etwas die Augen und ich vermochte doch, den Tatort anzuschauen. Zwischenzeitlich musste ich mich ob fiebriger Hornhaut vom Bildschirm wegdrehen und mir die Szenen vom Chauffeur nacherzählen lassen.

Trotz massiven Immunsystemeinbruchs habe ich jedoch mitbekommen, was gleich zwei Tatort-Rezensenten entgangen ist! Nicht ein einziger waschechter Albaner war im Tatort als Rolle niedergeschrieben. Maya! Deine Rezension war zwar wie immer genial und traf auch meine Rezeption, aber wie konnte Dir dieser Fehler unterlaufen??? All die Politikseminare während unseres Studiums? Maya, alles ignoriert? Die schöne Systemtheorie, unsere Referate mit Dokumenten von Zeitzeugen, meine niemals vollendete Hausarbeit… Stepan Istjevic ist doch der Feind der Kosovaren! Wie kann der ein Skipetar sein? Istjevic will als Anhänger des Großreichs Serbiens lediglich das Amselfeld zurück.

Aber Dir, liebe Maya, verzeihe ich ja alles. Beim zweiten Rezensenten kommen mir jedoch fast die Lachtränen. Wie kann ein Slave den Serben „Istjevic“ mit einem Skipetaren verwechseln?

Ebenso wie der böse Vermittler Stepan Istjevic (ein grotesk geschminkter und alles andere als albanisch wirkender Victor Choulman) irgendwo doch noch einen Funken Anstand besitzt. Istjevic geht es eigentlich nicht um Geld, sondern ums „Vaterland“.

Oh, hier scheint ein Kenner unterwegs zu sein. Ein moderner Anhänger der Physiognomie! Wie sieht denn ein echter Albaner aus? Und welches Vaterland rechnen wir diesem Phänotyp zu? Ist das Vaterland eines Kosovaren Albanien? Tja, das passiert, wenn man seine Bildung aus dem Fernsehen hat. Allein über die Famija Moderne oder den Tatort erklärt sich die Welt nicht… etwas Menschenkenntnis und Empathie kommt immer gut.

Und seit wann hat das „Vaterland“ nicht auch was mit Geld zu tun? Jedes Hektar Land bedeutete von jeher Macht und Geld. Manche opfern gar ihre eigenen Kinder dafür… und ob das Amselfeld das „Vaterland“ eines Serben ist, ist so oder so ein spannender Diskurs. Diese Metaebene scheint allen entgangen zu sein. Chloe ist zumindest die zivilisierte Generation der iPod-Jünger lieber als die mit Hass gegen Ethnien erfüllten Teenager auf dem Balkan. Jede Münze hat zwei Seiten!

Friedrichshafen – Wien

Gestern verabschiedete ich mich von meinem Dad am Telefon. Ich maynte, dass ich ja gespannt sei, wie Wien mir so gefallen wird. Ist ja immerhin mein erstes Mal. Mein Vater korrigierte mich:  „Stimmt nicht! Du warst als Kind schon mal in Wien!“ Chloe unchläubisch: „Wann?“ – „Zwischenlandung nach Tirana als Du vier Jahre alt warst.“ Das war mir nicht bewusst. Anfang der 80er Jahre nach Tirana zu Zeiten Enver Hoxhas zu fliegen ist eh so ne Sache für sich. Mein Vater erwähnte ferner, dass er schon drei Mal in Wien auf Demos war. Der alte Marxist-Leninist… seine Tochter fliegt heute aus rein kapitalistischen Gründen nach Wien. Dank eines Prozessoptimierungsseminars darf ich nun in der Tat diese mir aus Literatur, Kunst und Musik bekannte Stadt endlich zu Gesicht bekommen.

Die Anreise war schon ein Erlebnis für sich! Morgens um 5.45 Uhr stand mein lieber Chauffeur bereits bereit, mich die vier Kilometer zum Flughafen zu fahren. Ich wohne seit vier Jahren am Bodensee und bin noch nie von Friedrichshafen aus geflogen. Was habe ich da verpasst! Dies war mit Abstand einer meiner schönsten Flüge. Zum ersten Mal sah ich mein Schwabenmeer von oben! Welch lieblicher Anblick. Im knuffeligen Propeller-Flieger mit höchsten fünfzehn Passasiergen ging es bildschön gen Osten.  Die in Zucker getünchten Bergspitzen entzückten mich zutiefst! Natürlich schoss ich hunderte von Fotos, die ich auch beizeiten hier einstellen werde. Der InterSky Pilot namens Hans kommentierte den ganzen Flug über – wie in einem Stadtrundfahrtbus – die Landschaft: „Rechts sehen sie den Bregenzer Wald. Die Stadt links ist Kempten etc.“ Und dann kam die unglaubliche Aufforderung: „Wenn sie wollen, können sie zu mir vor ins Cockpit und ein Foto schießen.“ Nein, ich war mir nicht einmal dafür zu Schade. Ich fand’s toll! Hans war auch ob des Föns, der uns eine fantastische Aussicht bescherte, extrem gut gelaunt. Und dank des Rückenwinds landeten wir eine ganze halbe Stunde früher in Wien. Pilot Hans stieg aus und verabschiedete seine Gäste am Fuße der Treppe. Was für ein putziger Pilot.

Ich musste nun jedoch eine halbe Stunde auf meinen edlen Gastgeber warten. Ich nutze die Zeit für Feldforschung. Maya maynte mich nämlich schon im Voraus vor eventuellen Culture Clashs warnen zu müssen und sandte mir folgende Fashion Studie zu:

Die Typen hier glauben an traditionelle modische Werte, die zuallererst mal darauf aufbauen, dünn wie eine Zigarette und schüchtern wie ein zehnjähriges Mädchen am ersten Tag im Ferienlager zu sein.

Maya,  besser hätte ich es nicht beschreiben können! Seit Tokyo habe ich nicht mehr so viele Männer in Röhrenjeans gesehen. Generell ist der Wiener Mensch eine komische Mischung aus osteuropäischer Grobschlächtigkeit mit italienischer Extravaganz. Völlig abgefahren!

In der Stadt mussten wir für das Auto so komische Parkzettel ankreuzen. Drei Stück für 1,5 Stunden. Welch absonderliche antiquierte Art, sich einen Parkplatz zu sichern. Es gibt in ganz Wien keine Automaten! Man kauft diese rosa Zettel in der Traffic, die natürlich nicht immer offen hat. Als Ausländer ist man generell völlig aufgeschmissen, da keinerlei Hinweisschilder darauf hinweisen…

Zeit für weitere Studien hatte ich auf dem Naschmarkt. Dort frühstückten wir bereits um 9 Uhr und beobachteten das wilde Treiben. Mein Gastgeber hatte einen lustigen Abend und wünschte sich einen angemessenes „Reparatur-Seidl“. Juhu, ein neues Wort für mich! Den Kater gaben wir einen Prosecco zum Fraß.

Kurzer Stopp in der großzügigen Mezzanine-Altbauwohnung im 6. Bezirk. Ein entgangener Anruf von Maya? Was ist passiert?? Chloe wird nervös! Hat eventuell Peter Licht auf unserem Blog kommentiert? Ist die Statistik in den sechsstelligen Bereich? What happened??? Ich muss sofort anrufen und erwische Charly. Maya ist under der Dusche. Charly: „Wir haben gerade Dein Wiener Reise-Weather Pixie eingerichtet. Ein nettes 20er Jahre Madel. Maya war nur schockiert, dass es bei Dir schon 17 Grad hat und wollte wissen, ob das stimmt.“

STIMMT ! Hier ist der Frühling spontan ausgebrochen. Naja, so spontan auch wieder nicht. Es liegt an Chloe. Immer wenn sie verreist, bringt sie die Sonne mit. Ob Schneeschuhtour oder Tessin: Der Wolken verschwinden und königsblauer Himmel ragt empor. So artete die erste Stadtbesichtigung in ein ein „nur von außen“ aus. Albertina, Leopold & Co.  also nur als Fassade. Die Innereien nehme ich am Montag alleine ins Visier. Nun gut, im Museumsshop der Albertina waren wir doch kurz drinnen. Ein freudscher Neurosen-Spülschwamm (auch hier folgt noch das Foto) begeisterte mich. Der Spaß war aber keine 6,95 Euro wert.

Mittags gabs Gulasch und danach einfach herumflätzen im Burggarten. Bier holten wir in der Kantine nebenan. Und auf dem Rasen genoss ich eine skurille Gestalt, die ich im Museum sicherlich nicht live erlebt hätte. Ein Wiener im Mercedes Benz Service-Blaumann übte Protest! Er lief durch die Menge und schrie: „Dies ist keine Demo. Das ist gewaltfreier Protest. Gewaltfreier Protest!“ In der Tat fand auf dem Burgring eine große Demo statt. Der Kerl war jedoch ganz alleine unterwegs. Sang auch zwischendrin „Allein, Allein!“ Und – es mutete fast an Aktionskunst – zum Schluss verbrannte er den Typenschein seines Autos. Sein Führerschein wurde ihm nämlich vor zwei Tagen abgenommen. Dabei waren es doch nur zwei Schlucken Bier… Aus Protest verbrannte er den Typenschein lichterloh. Ab und zu lief er wieder tanzend durch die Menge und sang bei strahlendem Sonnenschein „I wear my sunglasses at night“. Zwischendrin der Satz: „I bin net deppert!“ – Ach, Wien! Wie wunderschön Du doch bist. Kein Wunder, dass mein Revoluzzer-Dad sich heute noch so gern an Dich und die Demos erinnert. Anti, Anti !

Gleich geht’s ins Burgtheater… Adieu und bis später!

Bewildered in Berlin

Maya maynte schon am Telefon, dass sie keine Ahnung hat, was sie nach meiner Ankunft zur frühsten Morgenstund mit mir anfangen soll. Keine Angst, ich werde mich einfach sofort ins Bett legen und schlafen. Was Du hingegen am liebsten morgens machst, das weiß ich doch schon lange… Du bekommst den Blues. Ich erinnere Dich gern an den Bodensee Blues bei mir um Vier: „Ich kenn seine Stimme, aber ihn kenn ich nicht!“

1. Good Morning Blues – Leadbelly

Zum Frühstück singen wir ein Loblied auf unsere kleinen Alter Egos! Als Experten-Blog für kleine Frauen ist das ja wohl Pflichtprogramm.

2. Maya – Susheela Raman
3. Sie ist klein – Johnny Liebling
4. Chloe – Ragazza
5. Tiny Girls – Rumpus

Bei einer Chai-Latte in Mitte philosophieren die beiden Mädels darüber, warum sie immer nur Freaks anziehen.

6. Psycho Girls & Psycow Boys – Solal

Um nicht vom Standard abzuweichen, wird zudem auch kurz der Über-Ex angerissen bzw. verrissen.

7. Edit – Regina Spektor

Ein passendes Lied zu Charly muss hingegen auch sein! Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich dafür 99 Cent bei iTunes habe liegen lassen…

8. Sie liebt den DJ (Single Mix) – Michael Wendler

Und wenn Jos Lars auf ein Glas Wein vor Moliere dazu stößt, ist viel Reden Programm! Wir drei quatschen so schnell und so viel, bis der Kellner uns wieder rügt.

9. Abersowasvon – Dendemann
10. Windmühlen – Wisdom & Slime
11. Piraten – Binder & Krieglstein

Wenn wir weit nach Mitternacht mit tief ins Gesicht gezogenen Baretts gen Mayas Heim gehen, fällt uns die Schönheit ihrer Straße auf.

12. In unserer Straße – Roland Kaiser

Tja, Roland Kaiser… auch wenn in „unserer Straße ist die halbe Welt zu Haus / Und alle dürfen hier in Glück und Frieden leben“, einen wollen wir hier nicht dulden: Don’t walk down my Street…

13. Down My Street – Pacha Massive

Maya, anbei noch ein schönes Stück ganz Deinem autofreien Naturell entsprechend. Aber bitte lass uns nicht all zu viel Laufen… ich spring gerne in die Bahn, auch mit Umsteigen!

14. Großstadtinfantrie – Kurt Gerron

Dreißig!

15. Chloe – The Happy Birthday Singers

Party mache ich mit Maya immer noch am liebsten. Und für den Auftakt suche ich mir das passende Gute-Laune-Lied aus alten Zeiten heraus.

16. Saturday Night – Whigfield

Tanzen ist unser beider Vorname!

17. Let’s dance to Joy Division – The Wombats

Aber schon drängen sich die Typen zwischen uns…

18. Let Me Touch – Boom Pam

Während Maya mal wieder sämtliche Drinks aus ihren kleinen Händen fallen, bleibt Single Chloe trotz bzw. ob Alkoholpegel abstinent.

19. To drunk to fuck – Nouvelle Vague

Die „Morgens danach“…

20. Hey Eugene – Pink Martini
21. City Promises – Malia

Etwas reiseuntauglich muss ich mich aber am Sonntag dann doch gen Süden aufmachen. Natürlich wieder im Auto. Alle die mich kennen, werden nun lachen, da sie wissen, welch nette Beziehung ich zu Verkehrspolizisten pflege…

22. Officer – Kate Earl

Ein bisschen scheine ich mein Landleben inzwischen doch zu schätzen. Daher beende ich diese Reise mit einem schönen Country Song.

23. Luna’s Song – Solal

Leaving the Lake

Das Zusammenstellen von Mixtapes ist bisher ein stark von Maya okkupiertes Fachgebiet. Dennoch fühle auch ich mich mittlerweile dazu inspiriert, unsere glorreichen Zusammentreffen musikalisch zu untermalen. Sehr bedacht stellte ich daher die folgenden Mixtapes zusammen. Mayas kritische Musiköhrlein immer im Nacken…

Chloe, die Chansoniere vom See, trällert zu Beginn natürlich einen lockeren Bossa.

1. Bodensee Bossa – Charles Davis

In Gedenken an den Sommer sowie Mayas Besuch erklingen die zuckersüßesten Schlager in ihren Ohren.

2. Lustige Tage am Bodensee – Roland Steinel
3. Das Mädchen vom Bodensee – Gotthilf Fischer und die Fischer-Chöre

Leicht betrübt muss Chloe jedoch doch einen melancholischen Ton ansetzen. Trotz all der Schlager, Sonnenunter- und Seespaziergänge tat sich keinerlei Sommerromanze auf. Simone White beschreibt dieses Leid in ihren Lyrics so herrlich schön.

4. I didn’t have any summer romance – Simone White

Nun gut, dieses Lied hatte sich Chloe bereits vor einem Monat für das Mixtape herausgesucht. Maya, mein schlechtes Gewissen, steht quasi mit erhobenem Zeigefinger vor mir. Ich scheine da wohl etwas unter den Teppich kehren zu wollen. Zumindest in Gewässernähe – dem hiesigen Morast – scheint es doch ein paar Verehrer zu geben, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Oder zumindest leise meinen Namen ausrufen…

5. Chloe (Song of the Swamp) – Louis Armstrong

Ich hingegen mime weiterhin die starke Frau. Endlich emanzipiert nach dem Über-Ex genieße ich das neue gewonnene Selbstbewusstsein.

6. Ich bin eine Frau, die weiß was sie will – Fritzi Massary
7. Because – Madita
8. Go With The Flow – Remi Nicole

Eine gewisse Unzufriedenheit lässt sich aber nicht unterdrücken. Zwiespalt rebelliert in meinen Ohren.

9. Something Is Not Right With Me – Cold War Kids
10. Ich muss gar nix – Großstadtgeflüster

Das Gefühl nach Aufbruch wird immer stärker.

11. Das Zelt – Jeans Team
12. Leave – Katie Todd Band

Und so steige ich also nachts um 22 Uhr an einem berühmten Südstaatenplatz in das Auto meiner fremden Mitfahrgelegenheit ein.

13. Strangers In a Car – Marc Cohn

Die somnambule Autofahrt zieht sich dösend hin. Zum Schluss überwiegt die Vorfreude auf die Großstadt.

14. Autobahn 66 (Radio Edit) – Primal Scream
15. Landflucht – Lee Buddah
16. Im Norden ist der Süden am schönsten – Die Türen

Kaum dringe ich in die Stadt ein, überkommt mich schon wieder die Lust, einen Schlager anzuklingen! Warum nur einen, wenn ich gleich einen ganzen Bilderbogen haben kann…

17. Berlin, Berlin – Harald Juhnke
18. Berliner Bilderbogen – Paul Graetz