SpreeSee-WG: Chloe und der „Optimizer“

Von ihrem eigenen Wecker wacht Chloe eigentlich nie auf. Den schlägt sie einfach mundtot. Aber wenn Mayas Wecker durch die Wand zirpt, springt Chloe in nur drei Schritten unverzüglich ins Bad. Damit sich die Damen in der Porzellanabteilung nicht ins Gehege kommen, geht Chloe schnell rechtzeitig duschen, bevor Maya nach ihrem ersten Kaffee in der Lage ist, einen Duschkopf gefahrlos zu bedienen. Meistens ist Maya aber sehr viel später dran als Chloe. Dann sehen wir uns morgens gar nicht. So konnte ich neulich erst abends ein Rätsel lösen…

Morgens griff ich also mit übermüdeten Augen nach der elektrischen Zahnbürste (meiner neuen Lieblingsanschaffung mit Ladeglas!!). Plötzlich sah ich auf meiner rechten Hand braune Flecken. Aber nur auf den Knochen von Mittel- und Zeigefinger, oberen Handrücken und unterer Handinnenseite. Maya und ich hatten nachts noch Nogger auf dem Balkon verdrückt. War ich bei meiner Katzenwäsche so nachlässig gewesen? Ich versuchte die vermeintlichen Eisspuren mit Wasser und Seife wegzuwaschen. Nichts! Es kam nichts herunter. Jetzt wurde ich doch nervös. Was ist das?

Bei der Arbeit starrte ich beim Tippen derart besorgt auf die rechte Hand, dass meine Kollegin nachfragte, was denn los sei. Ich zeigte ihr das Desaster. Nach ihrer Vermutung handelte es sich aufgrund des Rotstichs um einen Henna-Unfall. Ich solle mir keinen Kopf machen, das gehe schon wieder weg. In meinem Kopf ging der Film jedoch nun richtig ab: Wo sollte ich mir das denn zugezogen haben? Henna?!?!

Apropos Kopf… Als ich dann das erste Mal im Büro auf Toilette lief, sah ich – die vorher völlig von der Hand abgelenkt – noch zusätzliche Verfärbungen: Auf meiner linken Wange war ich fleckig wie die Milka Kuh! Ich ersparte es mir, nach Hautkrankheiten zu googeln. Der Tag war für mich gelaufen. Und Maya bekam ich erst um 19 Uhr zum Yeah Yeah Yeahs Konzert zu Gesicht.

Abends kam dann die Erleuchtung mit Frau von Spree….

Chloe völlig aufgelöst: „Maya, Maya! Der Tag hat ganz schrecklich angefangen…“

Maya: „Ja, klar! Du hast Deine Konzertkarte zuhause liegen lassen und ich musste für Dich nochmals den ganzen Weg zurücklaufen.“

Chloe fast den Tränen nahe: „Weil ich so durch den Wind war. Schau Dir mal meine Hand an!“

Mayas Gesicht entgleist vollkommen bei Chloes Anblick. Seit kurzem kämpft Chloe mit der schlimmen „Tangostirn“. Und nun noch ein weiterer Ausschlag? Ob das nicht der Bote einer unheilbaren Krankheit ist? Was wäre Spree ohne See? WG ohne Chloe? Wer taucht dann in einer ollen Bootcut Jeans plötzlich unerwartet vor Maya auf und bringt sie damit wochenlang zum Lachen? Oder wessen neue elektronische Einkäufe könnte Maya sonst im Bad als Vibrator fehlinterpretieren?

Chloe wird bei Mayas traurigem Blick erst recht panisch: „Ja! Als erstes dachte ich auch, dass ich über Nacht Altersflecken bekommen hätte!“

Mayas kurzer Ausflug ins Dramatische weicht bei diesem Schwachsinn sofort ihrem gewohnten Pragmatismus: „Chloe! Seit wann kommen die in Schlieren!“

Chloe redet einfach weiter: „Jedenfalls glaube ich jetzt, dass der Perser daran Schuld ist!“

Maya verwirrt: „Was?“

Chloe völlig sachlich: „Naja. Meine Kollegin meinte, dass das sehr nach Henna aussähe. Und gestern war ich doch auf der Museumsinsel Tango tanzen. Vermutlich hatte mein persischer Tanguero Henna in der Hand! Schau mal, wenn Du Dein linke Hand in Tanzhaltung in meine rechte legst, kommen genau die Hennaspuren raus!“

Maya bei vollkommen klaren Verstand: „Chloe! Kranker als Deine Flecken sind gerade Deine abgesponnen Erklärungen. Zeig nochmals die Hand!“

Maya wirft nun endlich einen kühlen Blick auf die Hand und fängt tierisch an zu lachen: „Chloe! Also wenn Du mich fragst, sieht das nach einem klassischen Unfall mit einem Selbstbräuner aus!“

Chloe in Abwehrhaltung: „Niemals! So etwas benutze ich nicht! Habe ich auch noch nie benutzt! Zu viel Chemie, vergiss es!“

Maya: „Bist Du Dir ganz sicher? Hast Du vielleicht eine Creme umgestellt?“

Und da schämt sich Chloe nun ganz arg. Hatte sie doch in ihrer Argumentationskette gar den unschuldigen Perser zum Hennaattentäter ernannt.

Chloe: „Doch! Ich habe eine Probe von meinem Kosmetiker aus der Puppenkiste benutzt. Aber da stand mit keinem Wort drauf, dass es ein Selbsttöner sei!“

Maya schüttelt den Kopf: “Sei froh, dass es kein billiger Töner war, sonst wärst Du jetzt orange! Mensch, Chloe! Solche Erfahrungen macht man mit seiner Zeit. Als Teenager zum Beispiel und nicht mit Mitte Dreißig!“

Chloe vehement: „Ich lüge doch nicht! Vor Dir verheimliche ich doch keine Selbsttönerexperimente und verleumde im gleichen Atemzug einen persischen Tanguero!“

Erst als wir wieder in der WG waren und ich Maya die Verpackung zeigen konnte, schenkte sie mir Glauben.

Maya: „Unfassbar! ‚Optimize – Verfeinert & Mattiert’. Mehr steht hier nicht. Die müssen das mit dem Selbstbräuner doch draufschreiben! Du solltest Dich bei denen beschweren. Stell Dir mal vor, Du wärst so vor Deinen Kunden aufgetaucht!“

Dr. Grandel Optimize - Eine Probe mit Folgen

Dr. Grandel Optimize – Eine Probe mit Folgen

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Revaler Fundstücke – mein luxuriöses Hobby

Dieses selten schöne Exemplar entdeckte ich kürzlich im Hausflur:

Sieht nicht so aus, ist aber ein Luxusmöbel

Sieht nicht so aus, ist aber ein Luxusmöbel

Wie immer zückte ich die Kamera, denn seit unserem Einzug gehe ich mit Begeisterung dem Hobby nach, Fundstücke in unserem Flur und Eingangsbereich zu dokumentieren. Die Zettel im Treppenhaus sind dem geneigten SpreeSee-Leser längst bekannt, doch neben Nachrichten aller Art fällt in unserem Haus eine Menge Warschauer-Strandgut an. Ich finde es faszinierend, was da nicht alles zu den verschiedensten Tageszeiten auftaucht und ganz schnell wieder verschwindet. Die Veröffentlichung war immer mal wieder geplant, es kam jedoch nie dazu. Allenfalls halte ich Freunden ein Bild von ein paar ausgelatschten Schuhen unter die Nase und sage: „Guck mal, was unsere Nachbarn großzügig der Allgemeinheit schenken!“

Ab und an denke ich dann an unseren Hausverwalter, der uns beim Einzug ermahnte, nicht diese üble Sitte anzunehmen, denn er müsse regelmäßig den Sperrmüll rufen. Nichts ahnend zuckten wir damals mit den Schultern, als schwäbisch erzogene brave Bürgerinnen würden wir derlei nie tun. Allerdings schien es auch kein allzu großes Drama, dass der Mann mal zum Telefon greifen muss.

Wie unwissend wir waren! Noch kannten wir nicht die enorme Fluktuation in diesem Haus. Hier zieht eigentlich jeden Monat jemand ein und aus. Und jeden Monat stehen dann die aussortierten Waisen dieser Wohnungswechsel in unserem Hausflur:

Nun bekam ich jedoch die Rechnung für mayn Hobby präsentiert.  Auf der Betriebskostenabrechnung des Hauses für 2011 beträgt der Posten für Sperrmüllentsorgung sage und schreibe

Euro 3606,87  !!!

Ist das zu fassen? Chloes und mayn Anteil daran sind 107,20, für Sperrmüll von anderen- asozialen – Leuten, in einem Jahr. Maynen Spaß, den ganzen Schrott zu knipsen, bezahlen wir also völlig sinnloser Weise. Nur zur Erinnerung: Sperrmüll wird eigentlich von der BSR kostenfrei abgeholt, wenn man ihn als Privathaushalt ruft. Nur weil die verpeilten Nachbarn ihren Mist einfach abstellen – natürlich auch Dachboden und Keller einfach ungeräumt hinterlassen – und den Anruf dem Hausverwalter überlassen, zahlen wir alle einen absurd hohen Preis. Ich bin nicht knauserig, ich möchte nur die 107,20 lieber in der Nachbarschaft für Essen und Trinken auf den Kopf hauen, anstatt  sie für eine Leistung auszugeben, die ich umsonst haben kann.

Was ist also das Ergebnis mayner Empörung: die Bilder der teuren Fundstücke werden endlich nach und nach gepostet und vermutlich werde ich demnächst selbst zur Zettlerin.

Kriminal-Kiez

Auch wenn wir diese Leidenschaft nicht mehr so pflegen wie zu den Zeiten der regelmäßigen Rezension, wir bei SpreeSee lieben den Tatort. Doch heute musste ich bei mayner Rückkehr feststellen: wir wohnen auch an einem Tatort. Kleinere Delikte, die das öffentliche Ärgernis hervorrufen haben wir schon häufiger erwähnt. Neben ständigen Anschlägen auf die Mülltonnen der Hausgemeinschaft war neben den stark „schweindelnden“ Kochkünsten der Nachbarschaft der absolute Tiefpunkt erreicht, als einmal zwei große Haufen Fäkalien das Treppenhaus zierten. Chloe war kurz davor wieder einen ihrer berühmten „Was sind denn das für Zustände?“-Beschwerde Anrufe bei der Hausverwaltung abzusetzen, allein dass Sonntag war, hielt sie davon ab. Es wäre wohl keiner rangegangen und zu wulffen entspricht einfach nicht ihrem Format.

Als ich heute von maynem Ausflug ins Süddeutsche zurückkam, war ich bereits sensibilisiert. Hatte ich doch in den Nachrichten gelesen, dass es auf unserer zwar turbulenten aber doch sonst so herzallerliebsten Brücke in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu einer Messerstecherei gekommen war. Wenn ich einmal nicht nach dem Rechten sehe, läuft der Warschauer Strand schon aus dem Ruder. Das gefällt mir allerdings ganz und gar nicht, ich möchte gerne weiterhin unbewaffnet durch den Kiez gehen. Dem nicht genug fand ich an unserer Haustür mal wieder einen Zettel vor:

Kriminalität im Kiez - der Piratenbäcker vermisst sein Mobiliar

Der alteingesessene Bäcker vermisst sein Mobiliar. Eine Sauerei ist das! Geruchsbelästigung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Körperveletzung in unserem Kiez, wenn das so weitergeht, muss Chloe umschulen, vom argentinischen auf den Kriminal-Tango …

Teil VII: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Maya wollte diese Woche das Kapitel zur Verbrecherjagd beenden. Jedoch muss Chloe auch noch was einwenden. Ironischerweise wurde gerade diese Woche unser neuer Kollege aus Berlin mitten in den beschaulichen Büroräumen der Puppenkiste bestohlen. Verbrechen gibt es also überall. Er hofft auch noch darauf, dass zumindest sein Geldbeutel in einem Mülleimer auftaucht.

Auch Maya und ich hatten diese Hoffnung sehr lange nicht aufgegeben. Erst täglich, dann wöchentlich durchforsteten wir die Homepage des Berliner Fundbüros. Immer wieder wunderte ich mich über die skurrilen Fundstücke. Meine Lieblingsauswahl anbei:

Ein Blumentopf mit Geldscheinen? Und wer verliert denn seine Wärmflasche in der Berliner Philharmonie?

In dieser Phase des Unglücks musste ich über diese Spam-Nachricht extrem lachen:

Vielleicht sollten wir uns professionelle Hilfe holen?

WICHTIGE HINWEISE: Leider kann ich nicht allen zahlreichen Anfragen nach der einzigartigen Erfahrung einer kostenlosen Sitzung nachkommen, wofür ich mich im Voraus entschuldige.

Ich werde mein Bestes tun, um alle Anfragen zu bearbeiten, doch werde ich mich vorrangig den Personen widmen, die den dringendsten Bedarf haben (also diejenigen, die großen negativen Energien ausgeliefert sind, die eine fortwährende Unglückssituation erleben, die immer wiederkehrende Probleme haben oder die einen Mangel an Energie oder an Lebenskraft haben…). Den anderen werde ich mich später zuwenden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ob mir der Wahrsager den Fundort meiner schmerzlich vermissten Handtasche kostenlos weisen könnte? Schließlich gehöre ich doch zu der Gruppe derjenigen, „die großen negativen Energien ausgeliefert sind, die eine fortwährende Unglückssituation erleben.“ Haha!

Monate lang musste ich mich mit einem HTC als Übergangssmartphone durchquälen. Und die Gewissheit, dass der Dieb Einblick auf alle meine privaten Daten erhalten hatte, quälte mich zusätzlich.

Chloe: „Der Dieb sieht alles über mich!“

Mein Bruder besänftigend: „Keine Angst Chloe, sofern er sich nur durch zwei von Deinen Liedern durchgehört hat, muss er nach dem Genuss Deiner schrecklichen Depri-Mucke gleich alles im Reflex per Knopfdruck gelöscht haben.“

Die Handtaschen kamen zwar nicht mehr. Aber der große Bruder sorgte für die SpreeSee-Mädels zumindest für iPhone-Ersatz. Als Maya ihr neues Gerät zum ersten Mal an den Computer anschloss, bekam Sie von ihrer Menstruations-App den lustigen Status-Update, dass sie seit 173 Tagen nicht mehr menstruiert habe. Das brachte uns sehr zum Lachen. Dank iTunes fand Maya auch die verschollenen Fotos unseres letzten Jahres. Nur der berühmte Draft zum Frauenarzt-Blog-Eintrag ist für immer abhanden gekommen… Ob Maya das noch jemals nachholen wird?

How to survive the Albanian Alps

Chloe hat sich diese Woche endlich ihren ersten Führer für ihre mehrtägige Wandertour in den Albanischen Alpen gekauft. Der Urlaub mit M ist schon lange geplant. Die Mädels freuen sich auf den Balkantrip. Aber jetzt, da ich mich intensiver mit den Recherchen auseinandersetze, bekomme ich furchtbar kalte Wanderfüße…

Gestern – nach langer Lektüre im Zug – kam ich panisch in der SpreeSee-WG an.

Chloe unsicher: „Maya! Es gibt Giftschlangen, Bären und Wölfe in den Albanischen Bergen! Ich bekomme langsam Angst. Was mache ich, wenn mir ein Bär begegnet?“

Maya easy: „Du machst einfach das, was Du mit den Männern machst. Die rennen ja auch immer davon!“

Maya nimmt meine Urängste einfach nicht ernst!

Daher musste ich heute Mittag erstmal MoMa anrufen.

Chloe ängstlich: „Was mache ich, wenn mich eine Schlange angreift?“

MoMa cool: „Quatsch. Du hast doch dicke Wanderschuhe an. Die werden Dich nicht beißen können. Aber halt… Schlangen fallen doch auch von Ästen!“

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaah. Und in diesem Moment packt Maya plötzlich ein Weihnachtsgeschenk meiner Schwägerin aus der Küchenschublade aus, das ich bisher nicht ein einziges Mal angefasst habe.

Wie man einen Angriff einer Giftschlange überlebt? Abbinden und absaugen! Ich werde also mein First Aid Kit (das jetzt schon mehr Platz in meinem roten Rucksack einnimmt als meine Klamotten) um eine Schlangengiftabsaugpumpe erweitern. Aber hier kam mir M zuvor. Als ich fragte, ob wir uns eins teilen sollten, antwortete sie wie folgt:

I guess, right? Well I suppose it depends, if a snake bites me and we sucessfully extract the poison and survive, then we must clean the pump so that if we need to use again (knowing our luck) then we don’t want the old poison to infect the new wound? I don’t even know what the hell I’m talking about, this is unreal!!!

Nun liest mir Maya den Teil vor wie man sich erfolgreich bei einer Bärenattacke aus dem Staub machen sollte.

Maya ernst: „Regel Nummer 1: Lie still and quiet.“

Stille.

Maya verschmitzt: „Töt. Schon verloren!“

Weil Chloe sich nicht entscheiden kann, ob sie entgültig beleidigt mit mir ist oder sich schon vor Antritt des Urlaubs totlacht – denn es ist nun mal was Wahres dran an maynen Bemerkungen – schreibe ich nun weiter.

Das Buch ist wirklich eine Bereicherung – ich hätte nie gedacht, dass man es ernsthaft brauchen könnte. Welcher Mensch kommt schon in solche Situationen?

Chloe – und zwar freiwillig!

Aber ich mache mir keine allzu großen Sorgen, denn die Liste der Pros und Contras für Chloes Gefärdung durch einen Bären und ihre Abwehrfähigkeit ist zum Glück ausgeglichen:

Einerseits scheint die Möglichkeit, dass sie Regel Nummer 1 befolgen kann gleich null,

andererseits ist ihre Lautstärke eine hervorragende Schutzmaßnahme im Vorfeld: „Make your presence known by talking loudly, clapping, singing or occasionally calling out.“ Manche Leute tragen Glöckchen, um sich bemerkbar zu machen. Ich denke, das wird nicht nötig sein.

Wiederum hat sie es drauf hoch entwickelte Säugetiere in die Flucht zu schlagen, wie bereits oben erwähnt,

ein wenig Angst habe ich jedoch, dass die leidenschaftliche Multiposterin übermütig werden könnte und – getrieben vom Wunsch die daheimgebliebenen Facebook-Freunde über ihre neueste Bekanntschaft mit Meister Petz auf dem Laufenden zu halten – nicht auf diesen wichtigen Rat hören wird: „If you are in a car, remain in your vehicle. Do not get out, even for a quick photo.“  

Sehr rührend ist ebenfalls, wie sie dann doch ermutigt von maynem Vortrag ihre eigenen Selbstverteidigungskräfte einschätzt:

Ich rezitiere Regel 3: „If the bear attacks, strike back with anything you can. Go for the bear’s eyes or its snout“

Chloe (vor lauter Aufregung ein wenig unkonzentriert): Ha – ich bin wieder im Rennen, ich werde überleben! Mit meinen Augen kann ich den Bär niederzwingen.

Ich: Chloe! Falsches Tier. Maynst du etwa, von der Schlange, deren Gift ihr vorher mittels neuer Pumpe erfolgreich aus den Wunden abgesaugt habt, lernt ihr noch die Kunst der Hypnose. Du – die Schlange und der Bär – das Kaninchen, das fixiert von deinem bohrenden Blick erstarrt? Das wird wohl kaum funktionieren. Du brauchst einen Bärentöter oder zumindest ein Messer!

Ohnehin bin ich der Maynung, dass der gefährlichste Bär ein Panda ist, der sich derzeit im arabischen Raum aufhält. Seit der Regisseur mir dieses Video gezeigt hat, bin ich jedenfalls einigermaßen verstört:

Dergleichen wird Chloe in Albanien sicher nicht passieren. Der Käse dort ist lecker und ganz ohne Label, das durfte ich schon nach ihrem letzten Besuch in der Heimat feststellen. Ein Kilo Hüttenkäse, liebevoll von der eigenen Schwester produziert gab es als Mitbringsel. Diesmal erwarte ich die ausgestopften Kadaver der erlegten Wildtiere und eine Menge neue Geschichten à la Chloe Hemingway bezwingt die Wildnis.

Bleibt die Schlangenproblematik, wir lesen jetzt noch mal bei Homo Faber nach, wie man es nicht macht…

Neues von den neuen Nachbarinnen…

„Stand by me!!! – MAYA – das ist untragbar!“ mault Charly mich an, „findest du ernsthaft, diese Wohnung ist nicht hellhörig?“ – „Liest du etwa den Blog nicht?“, meckere ich zurück, „Natürlich ist sie das, ich höre die Mädels unter mir auch kichern und husten. Aber das passiert eben nicht dauernd. Kann ich was dafür, dass die gerade jetzt Schnulzen hören?“

Schluss ist es mit der Lektüre am Gründonnerstagabend. Die Vorbereitung für die Lesung von Rocko Schamoni muss warten. Statt uns ins Leben von Herrn Sonntag zu vertiefen, lauschen wir genervt dem gerade aufjaulenden Refrain aus den Kehlen des Nachbarinnnenchors. Da kann man nur einstimmen: When the night has come, and the neighbours go crazy – darling, darling sta-aaa-aaa-nd by me…

Wer im SpreeSee Domizil am ersten Abend des langen Osterwochenendes glaubt, noch nicht ins Partygeschehen eingreifen zu müssen, der wird gnadenlos ausgetrickst. Statt selbst einen Musikstil aus dem prallen Programm auswählen zu können, bleibt man auf den Retro-Tunes der Damen aus dem 2. Stock hängen. Musikalisch ist das nicht die Beletage, das durften Chloe und ich schon bei der Einweihungsparty feststellen. Dass Ausgehen vielleicht die bessere Alternative wäre, hätte uns schon am Vormittag auf dem Balkon klar werden können. Da hatten die Mädchen fröhlich trällernd „These boots are made for walking“ eingeübt. Offensichtlich ist da unten nun ein rauschender Karaoke-Abend im Gange. Und wir sind  unfreiwillig auf dem 1. Rang mit dabei. Charly kämpft angewidert mit Kopfhörern gegen das Desaster an und ich schlafe einfach irgendwann ein. Erst am Ostermontag, als sich – inzwischen bin ich nach Charlys und Chloes Abfahrt Richtung Süden wieder ganz alleine in der Wohnung – in der Küche leise eine wohlbekannte Synthesizer-Melodie in mayn Ohr stiehlt, kehrt die Empörung zurück: „Die spinnen doch- The Final Countdown!!!“ rufe ich durch die leere Wohnung.

Doch die akustische Belästigung ist nicht der einzige Test der neuen Nachbarschaft für mayne Toleranz. Nein – ihre Witzischkeit kennt keine Grenzen und diese möchten sie gerne mit den anderen Hausbewohnern und Besuchern teilen. Daher ziert ihre Wohnungstür seit zwei Tagen dieser hübsche Spruch mit Bitte um Milde Gabe:

"Bitte werfen Sie eine Münze ein!"

"Bitte werfen Sie eine Münze ein!"

Zum Glück kommt Chloe morgen wieder, dann können wir gemeinsam mit den Gästen spätestens während der Walpurgisnacht zum Gegenschlag im Kalten Nachbarschaftsstreit ausholen. Vielleicht werfe ich inzwischen statt einer Münze doch mal ne aktuelle Playlist ein…

Von GAU zu GAU – 25 Jahre Tschernobyl

Ende der 90er war ich eine brave Gymnasiastin im Schwabenland. Eine der ersten Fragen, die uns 10 hoffnungsfrohen Besuchern des Leistungskurses Geschichte von unserer schrulligen aber sehr liebenswürdigen Lehrerin gestellt wurde, war die nach dem ersten historischen Ereignis zu unseren Lebzeiten, an das wir uns erinnern könnten. Eine Frage, die ich heute noch gerne mal ab und zu stelle, sie bringt nämlich Spannendes zu Tage: Gemeinsamkeiten von Generationen und unterschiedliche Prägungen. Und da die Erinnerung sich ja mit dem Fortschreiten des Lebens ändert, kann man sie sich sogar gemeinsam immer wieder mal stellen. Man gräbt sich langsam durch sein Gedächtnis rückwärts, stellt fest, wie alt man schon wieder geworden ist und wie vieles, das im Moment wichtig und dramatisch erschien, ganz schnell vergessen oder vom nächsten Ereignis relativiert wurde und vieles in der Geschichte sich (leider) immer wieder wiederholt.

Das früheste Ereignis, auf das wir jungen Hüpfer uns damals einigen konnten, war Tschernobyl. Kaum hatte einer es in den Raum geworfen, konnte jeder eine konkrete Erinnerung damit verknüpfen. Die Hysterie um die Lebensmittel, ganze Ernten der schwäbischen Gärten wurden damals vernichtet. Für Kinder im Vorschulalter war es schwer begreiflich, warum die schönen makellosen Erdbeeren statt mit Schlagsahne im Bauch im Feuer landeten. Was für eine Verschwendung! Ich weiß noch genau, wie in maynem Kindergarten damals die Spielzeiten im Freien verkürzt wurden. Wenn wir doch einmal draußen waren, wurde danach zum kollektiven Händewaschen aufgerufen. Damals erklärte uns die Erzieherin in ernstem Ton: „Da gibt es was in der Luft, das heißt Strahlung, ihr könnt es nicht sehen, oder riechen, oder hören. Aber es ist trotzdem da.“ Da blieb einem als Kind wie so häufig nur übrig, das mal zu glauben. (Bis heute fragt sich die Skeptikerin in mir allerdings, ob  Händewaschen ein probates Mittel ist, Strahlung loszuwerden.)

Mitbekommen, das etwas passiert war, hatte ich schließlich auch zu Hause. Das Schweigegebot zwischen 20 und 20.15 Uhr wurde nämlich vom Herrn Papa mit noch mehr Vehemenz eingefordert als sonst:

Ganz nebenbei, denn wie man weiß, bestrafe ich Modesünden gerne sofort: Wenn ich die Bluse mit Sternchenmuster und Puffärmeln sehe,  finde ich es doch ziemlich schade, dass Nachrichtensprecherinnen sich heute so zurückhaltend  geschäftsmäßig kleiden. Früher war mehr Lametta!

25 Jahre später – am Jahrestag der Katastrophe – hat sich vieles geändert, nicht nur die Landkarte von Europa, das Outfit der Tagesschau und ihrer Sprecher und das Schulsystem.

Aber so viel dann auch wieder nicht.

Denn in ungefähr 13 Jahren wird vermutlich eine Generation von Abiturienten beim Grübeln nach ihren Erinnerungen an die ersten geschichtlichen Meilensteine ihres Lebens an „Atomkraft? Nein Danke!“- Sonnen, Demos und diese Vorher-Nachher-Bilder von Google Earth aus Japan denken. Und an Fukushima.

Am 11. März 2036, wird es dann Benefizkonzerte und Gedenkstunden für diese Katastrophe geben. Und hoffen wir mal, dass die neuen Ereignisse, die uns dann umtreiben werden, nicht immer noch die alten aus den 1980ern sein werden…