Monika, das war wohl nichts

Mein Chef schaute mich völlig enttäuscht an, als ich gestern auf seine Frage: „Sehen wir uns morgen?“ mit einem klaren Nein antwortete. Ich stellte ihm frei, mir die Notwendigkeit meines Erscheinens zu erklären, aber das war ihm dann doch zu viel. Also versicherte ich ihm, meinen Aufgaben zu Hause gewissenhaft nachzukommen – ich brauche einfach dringend eine Büropause. Tatsächlich hatte ich angenommen, auch er wäre froh, am Freitag mal Ruhe in den Redaktionsräumen zu haben. Mittags war er rückwärts wieder aus der Tür gegangen, weil meine Kollegin Monika und ich uns einem Kreisch-Lachanfall hingaben. Auf seiner Flucht rief er verdattert: „Was ist denn das hier für ein Hühnerhaufen?“.
Grund für die Unterbrechung der konzentrierten Arbeit auf meiner und der anderen Seite des Schreibtischs war die Veröffentlichung von Morrisseys Autobiographie. Ich musste meine enttäuschte Kollegin trösten, sie wollte sich das Buch für eine Rezension bestellen und aus den Ankündigungstexten las sie heraus, was sie nie hatte wahr haben wollen. Jetzt ist es ihr zur traurigen Gewissheit geworden: der charismatische Sänger steht auf Männer!!! Skandal!
„Man hat doch immer nur gemunkelt, aber jetzt ist es raus. Ich hatte mir immer noch Chancen ausgerechnet…“, lamentierte sie.
Ich bin einiges von Monika gewöhnt, sie ist eine sehr liebe, äußerst lebensfrohe Berliner Blondine (beides original!) mit einer manchmal unerträglich großen Naivität und Unbedarftheit, die sich aufführt wie eine Teenager, je näher das Wochenende rückt. Ihre Star-Schwärmereien sollten mich also kaum überraschen, sie schafft es aber doch immer wieder, mich mit ihrem kindlichen Gemüt aus der Fassung zu bringen. Fasziniert von soviel Ignoranz, versuchte ich meine Verblüffung zu verstecken und zog sie auf: „Dabei habt ihr so viel gemeinsam, er ist ja Vegetarier wie du!“ –
Monika: „Du sagst es, Maya, ich habe sogar eine „I want you to go vegetarian“-Postkarte von ihm an meinem Kühlschrank, aber jetzt ist unser Verhältnis getrübt, mit der neuen Erkenntnis, ist es nicht mehr das gleiche.“
– Dann war es vorbei, ich konnte nicht mehr an mich halten, der Lachanfall begann. Mit großen Augen schaute sie neben ihrem Monitor vorbei zu mir: „Was hast du?“ – „Ich fasse einfach nicht, das war doch schon immer klar, seit the Smiths Zeiten schon…“ schluchz-kichere ich und winde mich im Lachkrampf – so ansteckend, dass Monika einstimmt, allerdings immer noch nicht überzeugt: „Woran hast du das erkannt?“
Sie hat natürlich recht, der gute Morrissey träumt bekanntlich nur von sich selbst, Hinweise gab es ansonsten keine…

Das Buch hat Monika nun dennoch bestellt, ich hoffe, es folgen keine weiteren schockierenden Enthüllungen. Um vorbereitet zu sein, lasse ich mir sie jetzt stilecht vorsingen:

Das Geschäft mit der Liebe

(Huch – zweideutiger Titel…keine Angst Chloe – hier geht es nicht um die Gelegenheitsprostitution, die sich die Damen in deinem Bekanntenkreis gegenseitig unterstellen, bei dem Thema besteht noch etwas Recherche-Bedarf!)

„Maya ist seit 13 Jahren mit ihrem Freund zusammen!“ mit diesem Attribut charakterisieren mich Chloe und der Regisseur gerne unabhängig voneinander, wenn sie mich neuen Leuten vorstellen. Die Reaktionen reichen von überrascht, ungläubig, fassungslos bis neugierig. Fast wie vorprogrammiert kommt die Frage:

Was ist euer Geheimnis?

Meine Antwort darauf fällt hilflos aus:

Wenn ich das so klar benennen könnte, dann würde ich ein Buch schreiben und reich werden. Aber ich glaube, dass Glück dazu gehört und es keine allgemein gültigen Erfolgskriterien für Beziehungen gibt, schließlich sind die Erwartungen ja auch sehr individuell.

Andere Menschen sind da weniger vorsichtig. Sie schmeißen locker mit Garantien um sich. Die Ratgeber-Literatur ist DAS Profitcenter auf dem Buchmarkt und da wird das Blaue vom Himmel versprochen. Auf ein besonders widerliches Exemplar machte mich meine Kollegin aufmerksam, als sie die Redaktionsstube aufräumte:

Hier: Das Geschenk für Freundinnen in Liebesnöten – wenn du das ner Single-Freundin schenkst, haut die dir das doch umme Ohren!

Ich wurde hellhörig, „Freundin in Liebesnöten“ – würde ich so nicht ausdrücken – aber da kenne ich doch jemanden…

Ich: Wie kommst du jetzt da drauf? Ich hätte vielleicht eine Abnehmerin.

Kollegin präsentiert mir eine knallgelbe Doppelseite, schüttelt den Kopf und warnt:

Nein – das ist kein Geschenk, sondern ein Beleidigung, das geht doch nicht!

In der Hoffnung, dass das Ausmisten auch Ordnung im Kopf schaffen würde, hatte die Kollegin Schreibtisch und Regale geleert, zum Vorschein kamen unzählige Verlagsprogramme, aus denen wir uns sonst gerne Rezensionsexemplare aussuchen. Aus Langeweile fiel ihr Blick auf die Seiten, die wir sonst sofort überblättern:

Lebenslanges Liebesglück zum Preis von 12,99€ verspricht das Produkt aus dem Hause rütten&loening unter dem Dach des renommierten Aufbau-Verlags

Lebenslanges Liebesglück zum Preis von 12,99€ verspricht das Produkt aus dem Hause rütten&loening unter dem Dach des renommierten Aufbau-Verlags

Das erwähnte Machwerk, bei dem ich sofort an Chloe denken musste, heißt Wirklich alles über Männer und es enthält hauptsächlich sexistische Unverschämtheiten über Männer, die mir Schauer über den Rücken jagen. So viele Plattitüden und einfache Lösungen auf so kleinem Raum, das gab es nicht mal in der Bravo Girl. Und dann richtet sich das ausgesprochen dumme Buch auch noch an „schlaue, selbstbewusste Frauen, die es in die Vorstandsetage geschafft haben“.

Äußerst amüsiert über die Dreistigkeit von Autorin – „Dating-Queen und Männerflüsterin“ die laut Werbung nach abgebrochenem Studium der Kunstgeschichte ihre Berufung in einer Online-Partneragentur fand – und Verlag schickte ich Chloe die quietschgelbe Verheißung samt Schlüsselsatz per Whatsapp:

Ich: Schöne, kluge, erfolgreiche Frauen scheitern an dem Irrglauben, dass der Mann ein eben so komplexes Wesen sei, wie sie selbst.  Jetzt weißt du Bescheid.

Chloe: Kann es nicht mehr hören… Dieser Kommerz um meinen Beziehungsstatus!!!

Meine Kollegin hüpfte gleichzeitig aufgeregt auf und ab, als sie mayn erschrockenes Gesicht sah, platzte es aus ihr heraus:

Was sagt deine Freundin? Kannst du es mir sagen? Oder ist es zu privat, was sagt sie???

Ich erklärte ihr, dass Chloe es weniger lustig fände und sich von der Industrie geschröpft fühle, währenddessen tippte ich schnell noch meine Entschuldigung an Chloe und schwor, sie niemals auf ihr Single-Dasein reduzieren zu wollen. Mich hatte ja eher der platte Ansatz und die Verunglimpfung der Männer abgestoßen, mit der die „taktisch versierte“ Autorin den Leserinnen die Jagd auf das Steinzeitmännchen erklärt. Der Mann – so Anna Wilde – sei ein scheues Reh auf einer Lichtung, der sich lediglich für Frauen mit den Eigenschaften „willig, griffig, doof“ interessiere. Ihre Empfehlung an die „Schwestern“: absolute Selbstverleugnung. Wer ein geeignetes Brechmittel sucht, dem empfehle ich die Leseprobe auf der Verlagsseite, es geht in diesem Stil weiter. Die Männer, die ich kenne, sind glücklicherweise nicht so, oder verstellen sich ihrerseits sehr erfolgreich.

Chloe hingegen hielt sich nicht an Details auf, sondern will überhaupt nichts mehr verkauft bekommen, kein Wunder, geneigte Leser erinnern sich sicher, dass sie der Branche der „Dating-Queen“ schon ein paar Euro in den Rachen geschmissen hat. Als Gegenleistung gab es zwar keinen Traummann, aber einige unterhaltsame Geschichten.

Die Kollegin relativierte  Chloes Einwand schnell:

Ach was – Kommerzialisierung betrifft doch jeden Beziehungsstatus – die Singles bekommen den Ratgeber und die Partnerbörse, die Pärchen Romantik-Wochenenden im Hotel, Blumen, Pralinen und Partnermassage-Kurse.

Recht hat sie – aber das Geschäft mit der Liebe schlagen wir aus: Wir kaufen nix!

SpreeSee-WG: Zweiraumwohnung für Zwei

Zwei Jahre lang führten Maya und Chloe also eine „Fern-WG“. Daher waren beide doch etwas aufgeregt, ob mit Chloes Wiedereingliederung an der Spree die WG auch den Alltag überleben würde. Und nicht nur die beiden, sondern auch alle um sie herum sind überrascht, wie harmonisch die 24/7 Druckbetankung verläuft. Bei jedem Telefonat fragen Chloes Eltern besorgt: „Streitet Ihr beiden Euch auch nicht? Versteht Ihr Euch weiterhin gut? Wie läuft das gemeinsame Zusammenleben?“

Das neue Umfeld reagiert auch oft verstört, wenn ich erzähle, dass ich mit über dreißig Jahren mit „meiner besten Freundin“ zusammenwohne.

Chloe und Maya – der Inbegriff der Deutsch Albanischen Freundschaft (DAF) – tauchten vor kurzem gemeinsam auf einem albanischen Konzert in Berlin auf.

Albaner: „Oh! Deine Freundin ist Deutsch. Woher kennt Ihr beiden Euch eigentlich?“

Chloe: „Wir wohnen zusammen.“

Albaner zählt unsere Falten und hakt nach: „Und warum?“

Chloe nutzt die Vorlage: „Weil wir ein Paar sind!“

Albaner versucht die Contenance zu wahren: „Ja. Ja, das ist gut für den Verein, wenn er auch soooolche Leute hat. Das zeigt wie offen wir sind. Aber dahinten in der Ecke solltet Ihr es nicht zu laut sagen.“

Neulich wurden wir auch gefragt, ob wir eine Zweck-WG seien. Schließlich sei das oft ein finanzielles Kalkül. Maya stellte überrascht fest: „Ja, am Anfang war das tatsächlich irgendwie so. Aber inzwischen verdienen wir beide und sind aus freien Stücken zusammen. Es ist tatsächlich schön, jemanden um sich herum zu haben. Das hat sich so entwickelt.“ Chloe stimmt dem zu. Manchmal tut es einfach gut, auf dem Weg zur Küche einen Menschen zu sehen, der sich in seinem Bett mit hochgestreckten Beinen und Laptop auf dem Bauch über eine Sitcom krank lacht. Ein Stück Seelenfrieden.

Aber viel lieber als Maya anzuschauen, quatsche ich sie natürlich mit frischerlebten Geschichten voll! Nach einem Date kam ich zur Berichterstattung in die Küche.

Maya: „Und?“

Chloe: „Ich glaube, ich habe es verbockt!“

Maya: „Wie geht das denn so schnell?“

Chloe: „Ich lachte an der falschen Stelle.“

Maya: „Komm zum Punkt!“

Chloe: „Also… Wir saßen so zusammen und er erzählte mir, dass er mit Ende dreißig immer noch mit seinem besten Freund zusammenwohne. Ich fand das natürlich total sympathisch und schrie freudig heraus, dass auch ich dieses Lebenskonzept teile. Er meinte dann jedoch, dass er gerade auf Wohnungssuche sei. Ich bestätigte, dass auch wir beide uns vergrößern wollen, da uns die Wohnung zu klein wird. Er meinte, dass…“

Maya: „Dass, dass, dass… komm zum Punkt!“

Chloe: „Dass es bei ihm anders sei! Beide haben beschlossen auseinanderzuziehen, um frei für die große Liebe zu sein, die im Jahre 2013 kommen könnte! Ich prustete laut heraus: ‚Du glaubst an die große Liebe?’ Dumme Reaktion meinerseits…“

Maya: „Autsch! Aber auch selten dämlich, präventiv eine WG aufzulösen!“

Chloe: „Ebend!“

Maya etwas nachdenklich: „Aber vielleicht hat er doch irgendwie recht. Vielleicht blockiere ich Dich auch? Vielleicht lernst Du deshalb niemanden kennen?“

Chloe: „Ich war zwei Jahre quasi von Dir getrennt und habe dennoch niemanden kennen gelernt. Da habe ich doch lieber Spaß und belaste mich nicht mit falschen Hoffnungen in einer einsamen Wohnung!“

Nur ein einziges Mal gab es einen kleinen Zwist… Chloe kam spät von der Arbeit nach Hause und sah ihre Pflanze im Zimmer leblos durchhängen.

Chloe: „Ui. Ich muss mal gießen.“

Maya völlig außer sich, als hätte ich auf einen Knopf gedrückt: „Ja! Ja! Ich habe dieses verwahrloste Mahnmal extra so stehen lassen, damit Du siehst was Du ihr antust. Ich habe doch nicht zwei Jahre lang für Dich die Pflanze liebevoll gehegt und gepflegt, damit Du sie in nur zwei Wochen Anwesenheit umbringst! Schau bloß hin was Du ihr angetan hast.“

Chloe: „Ach, Du kennst sie doch. Einmal ordentlich gießen und am nächsten Morgen steht sie wieder wie eine Eins! Kein Grund zum Drama.“

Maya: „Du Barbar!“

Ich glaube, ich muss mal etwas Blumenerde von unserem Balkonnachbarn stibitzen…

Chloe schlägt die ewige Jugend aus!

Neulich saßen Maya und Chloe mit einem Stapel alter ZEIT Magazine auf der grünen Couch und lasen sich nach altem Brauch gegenseitig die großen Fragen der Liebe vor. Maya erlaubte sich den Spaß und machte Chloe auch auf eine besonders kryptische und außergewöhnliche Kontaktanzeige aufmerksam: „Das klingt doch spannend! Schreib dem doch mal.“

Chloe schrieb, chlaubte aber nicht daran, dass sich der Suchende jemals mit einer Antwort melden würde. Eine Woche und ein paar E-Mails später trat Chloe mit hängenden Schultern in die Küche.

Chloe seufzend: „Na, da haste mir ja mal wieder was ganz Besonderes eingebrockt!“

Maya: „Was ist denn jetzt schon wieder los?“

Chloe: „Erinnerst Du Dich noch an die Kontaktanzeige?“

Maya: „Hast Du etwa auf mich gehört und ihm geschrieben?“

Chloe: „Klar. Ich hör ja immer auf Dich!“

Maya: „Und? War er so speziell wie die Selbstaussage in der Anzeige?“

Chloe: „Man denkt ja immer, dass man alles erlebt hat…“

Maya: „Erzähl schon!!!“

Chloe: „Am Anfang war der Briefwechsel noch ganz nett. Aber dann hat er mir unterstellt, dass ich zu dumm für ihn sei!“

Maya: „Wie?“

Chloe chramt Ihr i-Phone hervor: „Ich muss das vorlesen. Den Schwachsinn kann ich unmöglich in eigenen Worten widergeben. Es ist zu schräg. Also… Er schrieb:

Ja, das Auslaufmodell ist noch nicht untergebracht, und Du scheinst nicht zu wissen, auf wen Du dabei bist, Dich einzulassen.

Ich versuchte in meiner Antwort die Situation etwas aufzulockern und dann kam das zurück:“

Was Du Dir da so zu meiner Wenigkeit zusammenreimst ist schon recht amüsant wie erhellend für mich, zeigt es doch in welcher Gedankenwelt Du Dich so eingerichtet hast. Zu lesen, was Du so locker zu Dingen ablässt, wovon Du außer vom Hörensagen keine große Ahnung haben kannst, ist schon aufschlussreich lustig.

Aber immerhin sprichst Du trotz heraushängender Lässigkeit auf meinen Erkenntnisvorsprung günstig an.

Leider ist es nicht angeraten, diesen explizit unter die Leute zu bringen, schließlich sind diese mir – obwohl anfangs mal der Allgemeinheit zum Nulltarif zugedacht –  goldwert geworden, nachdem ich sie klugscheißernden Besserwissern immer wieder wie Sauerbier anpreisen musste.

Maya wie immer neugierig: „Was für ein Erkenntnisvorsprung?“

Chloe: „Er ist Biophysiker und glaubt auf was ganz Großes gestoßen zu sein.“

Maya misstrauisch: „Und das hat bis jetzt noch keiner gewürdigt?“

Chloe: „Nein. Er hat schon diverse Anläufe, gar Dissertationen, gewagt. Aber die Akademie ignoriert sein Wissen!“

Maya: „Wie schrecklich! Diese Vorstellung! Da arbeitet ein Mensch ein Leben lang an einer Idee und keiner glaubt ihm. Was hat er denn untersucht?“

Chloe: „Ja, ja… ich lese weiter…“

Aber wie gesagt, ursprünglich ging es mir nur darum, endlich mal herauszufinden was unser Leben natürlich begrenzt.

Maya höchst erquickt: „Chloe! Der Mann besitzt den Schlüssel zum ewigen Leben und Du schlägst das Angebot einfach aus! Denk an uns, an Deine Freunde! Wir könnten das durchaus gebrauchen!“

Chloe mit ruhiger Stimme: „Warte, warte! Jetzt kommt es ganz dicke, Maya!!“

Da ich unerwartet in einer derart sensiblen Angelegenheit statt auf Interesse nur auf besserwissende Klugscheißer gestoßen bin, habe ich über den Abschluss meiner Forschungen hinaus keine weitere Anerkennung gesucht.

Wozu etwas in falsche Hände geben, wenn es in den eigenen besser aufgehoben scheint?

So bin ich nun mal im Besitz eines Wissens zu gesundheitlichem Selbsterhalt, welches nicht nur Dich ziemlich alt aussehen lässt.

Derzeit gibt es für mich auch keinen Grund, dieses mit mehr als einer idealen Partnerin zu teilen, bis sich vielleicht mal eine sichere Möglichkeit zur Vermarktung ergibt.

Maya: „Chloe! Das ist hochromantisch. Der Mann ist auf der Suche nach einer Frau, der idealen Partnerin!, die als einzige an seine Idee glaubt. Und die darf dann auch aus dem Jungbrunnen trinken!“

Chloe: „Nur zu schade, dass es mir an der nötigen Intelligenz oder Naivität fehlt. Das folgende Angebot nahm ich nicht an.“

Ich würde also einer Partnerin einiges bringen und ihr auch die Teilhabe an einer großen Idee eröffnen.

Allerdings hat sich bisher nur mein Eindruck verfestigt, dass um diesen besonderen Wert zu erkennen, die Intelligenz der Angesprochenen nicht über das Brett vorm Kopf hinausreicht.

Mir soll’s recht sein. Dir auch?

Sicher sind wir nicht in der gleichen Liga, aber wenn Du wirklich noch wo anders ankommen willst, solltest Du einer herausfordernden Idee folgen. Ich habe eine, aber ließe sich damit Dein Altersvorbehalt neutralisieren? Fragen über Fragen.

Chloe erbost: „Altersvorbehalt! Der Kerl ist jetzt schon dreißig Jahre älter als ich. Und was hat das ganze überhaupt mit wahrer Liebe zu tun? Welche Frau will denn mit so einem Mann ernsthaft eine Beziehung eingehen!“

Maya mit erhobenem Zeigefinger: „Die ideale Partnerin, Chloe! Du verstehst das nicht. Für ihn bedeutet doch gerade das die große wahre Liebe: Wenn er eine Frau findet, die seine Idee, die alle seit Jahren belächeln, teilt.“

Chloe ernüchternd: „Ja, vielleicht bin ich sogar für die Liebe zu doof. Dann sterbe ich halt dumm und alt und trinke lieber Gin statt Jugendbrunnen“

Mayas und Chloes neuer Jungbrunnen aus Kanada

Mayas und Chloes neuer Jungbrunnen aus Kanada

SpreeSee-WG newborn: Chloe fehlt der Schatten!

Ich bin wieder hier! Seit zwei Monaten ist Chloe nun zurück. Zurück in Berlin! Somit konnte ich auch endlich ruhigen Gewissens Charlys bissigen Kommentar von vor 2,5 Jahren freischalten…

Am Anfang musste Maya jedoch erst meinen Abschiedsschmerz von der Puppenkiste ertragen. Bei -20 Grad Ankunftstemperatur froren mir die kullernden Tränen über der Warschauer Brücke fest. Als wäre das nicht genug, wurde ich in meinem neuen Lebensabschnitt als „Beraterin“ zusätzlich ins eiskalte Wasser geworfen.

Mit hängenden Schulten saß ich in der Küche.

Maya irritiert: „Chloe! Was ist denn los? Gefällt Dir der neue Job nicht?“
Chloe verwirrt: „Naja. Die arbeiten mit anderen Methoden!“
Maya: „Aber Du kannst doch Scrum!“
Chloe: „Ja, ja. Aber, aber… die wollen, dass ich male!“
Maya mit großen Augen: „M A L E N?“
Chloe: „Ja… Kein Power Point! Ich soll meine morgige Präsentation komplett auf Flipchart halten.“
Maya völlig verständnislos: „Aber warum?“
Chloe erschöpft: „Das scheint wohl gerade der neueste Beraterschick zu sein. Weg von Digital, zurück zum Papier. Mit Zeichnungen statt mit Worten sollen die Kernbotschaften ausgedrückt werden. Gedanken visualisieren… Ach, was weiß ich! Aber alle meine Kollegen waren auf ganztätigen Schulungen, um diese Präsentationstechnik zu lernen!“
Maya besorgt: „Du kannst…“
Chloe: „… gar nicht malen!“
Maya: „Was hast Du jetzt gemacht?“
Chloe: „Naja. In der Küche lag so ein Ringbuch mit Skizzen-Vorlagen herum. Bikablo heißt das „Trainerwörterbuch der Bildsprache“. Ich setzte mich dann hin und suchte passende Motive zu meinem Inhalt heraus. Links mit dem Buch in der Hand und rechts mit einem Edding bewaffnet traute ich mich an mein erstes Flipchart-Blatt heran.“
Maya: „Ist es was geworden?“
Chloe: „Meine Kollegin trat prüfenden Blickes neben mich heran. Und dann kam das vernichtende Urteil: Es fehle der Schatten!“
Maya entsetzt: „Der S C H A T T E N?!?“
Chloe: „Ja! Der Schatten! Schließlich falle das Licht von O B E N!“
Maya trocken: „Von oben!“
Chloe: „Ich sag Dir, da steckt die Büromaterial-Mafia dahinter! Mit der Digitalisierung werden immer weniger Ordner und Klarsichthüllen verkauft. Das muss ja irgendwie kompensiert werden. Also redet man den Leuten ein, dass sie noch mehr White Boards, Flipcharts, Post its in allen Farben der Welt, Klebepunkte zum Auswerten von Ideen…“
Maya bremst aus: „Was ist jetzt mit dem Schatten??“
Chloe: „Und dann gibt es diese speziellen Stifte mit einem besonders großer Keilspitze, um auf Flipchart-Zeichnungen Schatten einzumalen. Wirkt perspektivischer. Aber natürlich nicht irgendwelche Stifte! Die müssen dann schon von der Marke „Neuland“ sein.“
Maya: „Und?“
Chloe: „Ich habe jetzt auch nen Schatten!“
Maya: „Wahnsinn! Diese ganze Industrie. Vielleicht springt dabei auch mal ein Job für MoMa heraus? Die Printmedien zahlen doch immer weniger für Karikaturen. Das wäre quasi eine sichere Investition in MoMas Zukunft! Er könnte Kurse anbieten wie ‚Merkel oder Manager: Bei uns lernen Sie wie Sie vor einer großen Gruppe sicher und mit ruhiger Hand Führungspersönlichkeiten aufs Flipchart bringen!’
Chloe: „Nette Idee, Maya. Aber ich muss jetzt ins Bett. Und vielleicht sollte ich vorher noch ein paar Stimmübungen wie unser nerviger neuer Nachbar machen. Wer weiß, ob ich nicht in naher Zukunft die Gitarre auspacken und mit den Schulungsteilnehmern die Prozesse nachsingen muss!“
Maya: „Du kannst doch nicht einmal…“
Chloe: „.. ich weiß: Gitarre spielen! Für diese zahlreichen ‚Coaches’ bin ich wohl eine Goldgrube!  Die Visual Facilitators reiben sich schon die Hände… Der vom See muss alles noch beigebracht werden! Malen, singen… “
Maya: „… tanzen kannst Du doch aber schon ganz… „
Chloe: „Naten e mire!“

Am nächsten Morgen schaute Maya der traurigen Chloe verständnisvoll hinterher, als diese mit einer riesigen Papierrolle unterm Arm aus der Tür watschte.

Man muss erwähnen, dass Maya sterben würde, bevor sie nur ein einziges Smiley irgendwohin malen oder gar in einer E-Mail einsetzen würde! Neuerdings bietet sie auch auf eine ganz perfide Art und Weise den Emoticons die Stirn:

Maya ist gegen Emoticons

Maya schreibt die Emoticons einfach aus! Mit der Begründung: „Unsere Sprache bietet so viele schöne Möglichkeiten sich auszudrücken, da braucht es keine Bilder!“

Ist denn schon wieder Bayram?

Seit meine Eltern nicht mehr in Deutschland wohnen, fühle ich mich ob der moslemischen Festlichkeiten immer etwas abgehängt. Aber dank Facebook bekomme ich seit Neuestem endlich alles wieder mit. Meine albanische Verwandtschaft postet z.B. gerne Durchhalteparolen bis zum nächsten Fastenbrechen.

Generell finde ich es sehr interessant, das Facebook-Verhalten meiner Großfamilie zu beobachten. Man könnte eine schöne soziologische Arbeit über die Unterschiede im Nutzerverhalten der Albaner und Deutschen verfassen. Wenn man Zeit dafür hätte…

Was mich in letzter Zeit aber doch sehr irritiert sind Veröffentlichungen bzw. Bilder dieser Art.

Unter dem Bild steht dann (ich übersetzte): „Es gibt keinen wahren Moslem, der beim Anblick dieses Bildes nicht Like drückt!“

Die Verbreitung solcher emotionsgeladener Bilder als öffentliche Religionsbekenntnisse befremdet mich stark. Statt auf Inhalte, wird hier auf Effekte abgezielt. Ein „Like“ als Rührung im Angesicht des starken Glaubens der Abgelichteten?

Jedenfalls ist die Fastenzeit morgen vorbei. Und dann gibt es wieder „Bayram“. Maya und ich saßen einmal in der Küche und haben versucht zu eruieren, warum ich immer so verwundert bin, dass schon wieder Bayram ist, wenn mich meine Mutter erbost ob meiner ausbleibenden Glückwünsche anruft. Ich antworte immer: „Aber es war doch erst gerade Bayram! Wie oft feiert Ihr denn diesen Bayram?“

Maya schlug das Wort Bayram nach und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bayram heißt einfach „Fest“! Egal ob Opfer- oder Zuckerfest… es ist „ein Fest“. So steht es um meine moslemische Bildung. Miserabel! Immerhin wusste ich, – wie auch Wikipedia berichtete – dass man zum Bayram immer seine besten Kleider trägt und die Wohnung säubert.

Und das trennt uns voneinander: Säubern statt dekorieren ! Keine Weihnachtsbäume, kein Lametta, keine angemalten Eier, keine Engel, keine Lichterketten, kein Fensterschmuck… In puncto Deko habe ich Assimilationstechnisch völlig versagt. Ich werde nie Deutsch genug sein, um mir zu einer Festsaison den passenden Dekoschrott aus meiner Dekobox auszugraben. In mir ist genetisch vorprogrammiert, dass ich zu Festen zu Bürste und Scheuermilch greife.

Maya hingegen trainiert sich ihren Migrationshintergrund verbissener denn je an! Kurz vor dem nächsten Bayram hat sie unser Küchenregal vorbildhaft gesäubert. Alle Backzutaten sind nun thematisch in einer separaten Box verstaut. Ich bin immer noch gerührt über ihren Ordnungssinn!! Und nicht nur Maya: Ganz Berlin putzt ab sofort!

Und Charly chann auch bald erleichtert sein. Aufgrund der hohen Temperaturen während der Fastenzeit maynte er neulich zu Maya, dass mit den Moslems gerade schlecht Geschäfte zu machen sei. Wer in der Hitze kein Wasser trinken darf, hat einfach keinen klaren Kopf, um Verträge zu unterzeichnen…

Aber das finde ich schon wieder recht sympathisch. Statt ein Fest wie Weihnachten zur Anregung des Konsums zu stilisieren, wird während der Fastenzeit der Konsum in beiderlei Hinsicht gedrosselt: innerlich und äußerlich!

Diese albanische Facebook-Seite stellt Ihre Meinung wie folgt dar:

Wir hatten einen Traum !

Heute wurde eine neue Marke geknackt: SpreeSee freut sich über eine halbe Millionen Besucher.

Leider sind unsere Leser in letzter Zeit jedoch etwas von unserem Blog enttäuscht.

Dieser treue Fan treibt es in die Höhe: Charly schickt Maya Droh-E-Mails mit Screenshots von SpreeSee auf denen „Dieser Blog ist tot!“ steht.

Ideen für Blogeinträge haben wir ja genug. Aber aufgrund des neuen Lebensabschnitts – Maya und Chloe befinden sich in den Fängen von Vollzeitberufen – bleibt kaum noch Zeit und Muße für das Ausformulieren unserer Spinnereien und Erlebnisse. Aber wir geloben Besserung!

Unsere Vollzeitberufe nehmen in letzter Zeit auch den größten Raum im Hinblick auf die SpreeSee-Küchen-Diskurse ein. Wie positioniert man sich als Frau in einer immer noch sehr männlich dominierten Arbeitswelt? Maya sitzt in Zügen mit alternden Strickpulliredakteuren und Chloe in Scrum-Ecken mit Entwicklern in Funktions-T-Shirts. Oft sind wir die einzigen Frauen. Weibliche Vorbilder, die es bis ganz nach oben geschafft haben, gibt es kaum. Unseren eigenen femininen Führungsstil zu finden, ohne zum Männerabklatsch zu werden, ist eine große Herausforderung.

Neulich saß ich wieder Freitag Abends in der WG-Küche und jammerte Maya von einem bevorstehenden Workshop in Würzburg vor. Die neuen potentiellen Geschäftspartner aus Japan erwarteten neben der Erarbeitung von Konzepten natürlich auch etwas Freizeitspaß. Man hatte mir bereits zugetragen, dass ich für die abendliche Biergarteneinlage im Dirndl erscheinen solle.

Maya ärgerte mich daraufhin: „Erst o’zapfen und dann musst Du die Herren sicherlich in das Nachtleben einführen. Kennst Du Dich überhaupt bezüglich der angesagten Edelpuffs in Würzburg aus? Du störst die Herren sicherlich mit Deiner Anwesenheit, da sie dann nicht so leicht ihre Jungs-Dinger drehen können.“

Chloe ging auf diese Provokation nicht ein. Ging lieber ins Bett. Am nächsten Morgen stand sie dann entsetzt vor dem bebrillten Bademantel in der Küche und keifte zurück: „Maya! Vielen Dank für Deine Inspiration. Ich hatte einen furchtbaren Traum. Wir waren mit allen Managern und Entwicklern in einem Bus auf verschlungenen Landstraßen unterwegs. Vor einem alten Haus, es muss wohl vormals ein großer Bauernhof gewesen sein, hielten wir an. Ich lief, als ob ich wüsste was ich tat, schnurstracks auf die Türsteher in Bomberjacken zu. Ich zeigte auf meine Reisegruppe. Viele Damen wurden nun in einen großen Flur zusammengestellt. Ich führte meine Kollegen in diese Arena. Der Flur leerte sich schnell, da Männlein und Weiblein schleunigst hinter den vielen Türen verschwanden. Plötzlich stand ich mutterseelenallein da und wunderte mich wie lange ich wohl warten müsse. So setzte ich mich erst einmal auf einen Stuhl. Ich wollte gerade meine E-Mails auf dem Handy checken, als ich einen wunderhübschen Mann gegenüber von mir sitzen saß. Ich fragte ihn, auf wen er denn so warte. Er antwortete, dass er auch hier arbeite. Ich verstand und versuchte meine Verlegenheit mit Small Talk zu übertünchen. Nonchalant fragte ich, was er denn so koste. Er antwortet: 38 Euro. Ich schrie entsetzt auf, dass, wenn ich gewusst hätte wie günstig das sei, ich das auch schon längst gemacht hätte! Dann war ich wach.“

Maya bepisste sich vor Lachen: „Chloe, für Deine Träume kann ich wirklich nichts. Aber es ist äußerst interessant, wie auch dieser absurde Traum Deinen Geiz verrät.“

Den Workshop habe ich inzwischen überlebt. Auch wenn ich ab einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich die Bühne verlassen musste, da meine männliche Truppe noch in einen Stripschuppen ging. Immerhin waren sie so nett und boten mir an, sie zu begleiten. Ich konnte sie jedoch davon überzeugen, dass ich nackten Frauen an der Stange nicht viel abgewinnen könne. In Mayas mahnenden Worten lag wie immer a weng Wahrheit.

Als ich meinen Traum schon fast vergessen, rannte Maya nun neulich selbst schockiert in die WG-Küche: „Chloe! Ich hatte einen ganz verrückten Traum. Ich war quasi als Reiseleiterin für einen Reporter mitten im deutschen Wald unterwegs. Wir hatten sogar einen Kameramann dabei. Ich fühlte mich irgendwie für die Bespaßung des Reporters zuständig. Plötzlich, mitten im deutschen Wald, sahen wir eine Playboy Mansion. Ich dachte mir die ganze Zeit wie peinlich dieser Pseudo California Lifestyle zwischen deutschen Eichen sei. Frauen räkelten sich in Swimming Pools. Ich musste irgendwie die Form wahren und mich in deren Porno-Jargon mit denen unterhalten…“

Bevor ich mit irgendeiner Traumdeutung anfange, höre ich jetzt einfach mit dem Bloggen auf. Ich muss ins nächste Meeting !