Bye bye 2012 – musikalischer Jahresrückblick

Früher war mehr Lametta! dachte ich Ende November.

Um mich herum und auf allen Medien begannen die Leute, auf 2012 zurückzublicken und ich überlegte, wie das Jahr so geklungen hatte. Spontanes Schulterzucken im Dialog mit mir selbst.

Die Zeit schritt voran, es wurde enger, der Druck stieg, eine Buchpräsentation riss mich aus der Lethargie: „Keine Sorge Mutti am Steuer“ Heiko Sakurai – Cartoons des Jahres 2012.

[Ein  Buch, das wir jedem wärmstens empfehlen. Chloe und ich sind sehr glücklich, dass wir zu Weihnachten mit Geschenken aus den Federn unsere Freunde punkten konnten. Uns von der Sprees brachte der Anblick der großartigen Polit-Muppet-Show zudem eine gelungene Ablenkung von der nervenaufreibenden Trotzphase des jüngsten Sprösslings. Lachen hilft ja immer, sogar bei mittelschwerem Familienwahnsinn!]

Unser werter Zeichner legte also seinen Jahresrückblick an feinsten Karikaturen chronologisch geordnet vor –  und ich war immer noch nicht weiter.

 

Also diesmal kein Jahresend-Mixtape??? Doch natürlich!

Zur Not hätte ich auch einfach diverse Sommer und Reise-Playlists, die ich Chloe zusammengestellt hatte, aneinander kleben können, aber an einem trüben Samstagnachmittag kam schließlich die Inspiration – oder vielmehr der Mut zur Entscheidung – und aus einer konfusen Liste wurde doch noch ein veritables Mix-Tape.

Was ich aus den Sound-Trauben des durchwachsenen Jahrgangs zusammengebraut habe, fand dann sogar ein mildes Urteil vor Charlys kritischem Gehör:

Ich bin überrascht Maya, das ist ein schmissiger Mix ganz ohne den Quatsch, den du sonst so gerne einbaust.

In diesem Sinn – einfach mal klicken und reinhören – viel Spaß und ein frohes Neues!

Music Diary 2012 by Popkonsulin on Mixcloud

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Revaler Fundstücke – mein luxuriöses Hobby

Dieses selten schöne Exemplar entdeckte ich kürzlich im Hausflur:

Sieht nicht so aus, ist aber ein Luxusmöbel

Sieht nicht so aus, ist aber ein Luxusmöbel

Wie immer zückte ich die Kamera, denn seit unserem Einzug gehe ich mit Begeisterung dem Hobby nach, Fundstücke in unserem Flur und Eingangsbereich zu dokumentieren. Die Zettel im Treppenhaus sind dem geneigten SpreeSee-Leser längst bekannt, doch neben Nachrichten aller Art fällt in unserem Haus eine Menge Warschauer-Strandgut an. Ich finde es faszinierend, was da nicht alles zu den verschiedensten Tageszeiten auftaucht und ganz schnell wieder verschwindet. Die Veröffentlichung war immer mal wieder geplant, es kam jedoch nie dazu. Allenfalls halte ich Freunden ein Bild von ein paar ausgelatschten Schuhen unter die Nase und sage: „Guck mal, was unsere Nachbarn großzügig der Allgemeinheit schenken!“

Ab und an denke ich dann an unseren Hausverwalter, der uns beim Einzug ermahnte, nicht diese üble Sitte anzunehmen, denn er müsse regelmäßig den Sperrmüll rufen. Nichts ahnend zuckten wir damals mit den Schultern, als schwäbisch erzogene brave Bürgerinnen würden wir derlei nie tun. Allerdings schien es auch kein allzu großes Drama, dass der Mann mal zum Telefon greifen muss.

Wie unwissend wir waren! Noch kannten wir nicht die enorme Fluktuation in diesem Haus. Hier zieht eigentlich jeden Monat jemand ein und aus. Und jeden Monat stehen dann die aussortierten Waisen dieser Wohnungswechsel in unserem Hausflur:

Nun bekam ich jedoch die Rechnung für mayn Hobby präsentiert.  Auf der Betriebskostenabrechnung des Hauses für 2011 beträgt der Posten für Sperrmüllentsorgung sage und schreibe

Euro 3606,87  !!!

Ist das zu fassen? Chloes und mayn Anteil daran sind 107,20, für Sperrmüll von anderen- asozialen – Leuten, in einem Jahr. Maynen Spaß, den ganzen Schrott zu knipsen, bezahlen wir also völlig sinnloser Weise. Nur zur Erinnerung: Sperrmüll wird eigentlich von der BSR kostenfrei abgeholt, wenn man ihn als Privathaushalt ruft. Nur weil die verpeilten Nachbarn ihren Mist einfach abstellen – natürlich auch Dachboden und Keller einfach ungeräumt hinterlassen – und den Anruf dem Hausverwalter überlassen, zahlen wir alle einen absurd hohen Preis. Ich bin nicht knauserig, ich möchte nur die 107,20 lieber in der Nachbarschaft für Essen und Trinken auf den Kopf hauen, anstatt  sie für eine Leistung auszugeben, die ich umsonst haben kann.

Was ist also das Ergebnis mayner Empörung: die Bilder der teuren Fundstücke werden endlich nach und nach gepostet und vermutlich werde ich demnächst selbst zur Zettlerin.

Wahlkampf auf amerikanisch

Die Weltherrschaft der USA ist ungebrochen – zumindest in maynem Freundeskreis. Denn jedesmal, wenn der Präsidentschaftswahlkampf wieder losgeht, kann der Regisseur über kaum etwas anderes sprechen.

Eine neue Bekannte lobte ihn neulich: „Ich kann es kaum glauben, wir sind schon eine Stunde zusammen in dieser Bar und du hast  noch kein Wort über Obama gesagt…“. Damit war der Wahlkampf-Waffenstillstand natürlich vorbei und es ging wieder los.

Als könnten wir alle in den USA wählen, bekommen wir Obamas Verdienste eingehämmert. Gegenargumente, wie die gescheiterte Guantanamo-Schließung werden einfach beiseite gewischt. Das verlorene erste TV-Duell? Taktik! Und alles was ich zum Thema  sage, wird mit dem Totschlag-Argument: „Komm schon Maya, du warst damals eh für HILLARY!“ entkräftet.

Schade ist nur, dass wir über Wahlkampf im eigenen Land – auf welcher Ebene auch immer – selten mit soviel Spaß und Engagement diskutieren, obwohl wir hier ja als Wähler tatsächlich Adressaten sind. Klar sprechen wir darüber, aber es ist kein den gesamten Alltag durchdringendes Thema und wegen der Zurückhaltung der Kulturschaffenden ist Wahlkampf in Deutschland viel weniger interessant. Einerseits sind wir als gut gebildete Staatsbürger natürlich froh, dass es bei uns um Programme  und nicht so  sehr um Performance in den Medien geht. Andererseits kann es nicht schaden, wenn Politik unterhaltsam ist  und Aufmerksamkeit erregt, denn irgendwie muss man die Leute ja auch in die Wahlkabine kriegen.

Wer macht also bei uns den Clint Eastwood und quatscht mit nem Stuhl? Wer ist unsere Scarlett Johansson und bekennt sich öffentlich, berührend und verständlich zu seiner Wahlentscheidung?

Und wer verbreitet bei uns soviel Spaß und gute Laune, wenn es um Frauenrechte geht, wie diese Ladys?

„You Don’t Own Me“ PSA -Official from You Don’t Own Me on Vimeo.

Selbstverständlich ist es eher kitschig als pragmatisch, aber vermutlich auch sehr viel wirksamer als ein trockenes Thesenpapier.

Wenn der Postbote durch die Wand kommt

Borowski und der stille Gast, Tatort aus Kiel, 9. September 2012, bekommt von mir ne glatte 1.

Das war mayn persönlicher Beginn der neuen Tatort-Saison! Nachdem ich den echten Start mit den Schweizern verpasst habe und den Kölner Fall letzte Woche trotz toller Schauspieler und wichtigem Thema eher mittelmäßig fand, bin ich jetzt als Fan wieder völlig im Fieber.

Gut – als passionierte Schaubühnen-Gängerin war ich natürlich schon positiv eingestimmt, als ich las, dass Lars Eidinger mitspielt. Klar kann bei so einer Besetzung auch kein klassischer Whodunit-Plot rauskommen, es steht ja außer Frage, wer der Täter ist. Wie die ganze Sache – das stille „Einziehen“ des Postboten in die Wohnung seiner schneewittchenhaften Opfer –  inszeniert  und  gespielt war, hat mich ständig hin- und hergerissen zwischen Widerspruch („das gibt´s doch nicht“) und dem Impuls, jetzt mal schnell im Nebenzimmer nachschauen zu müssen.

Zwischen dem Notruf des ersten Opfers „Er ist in meiner Wohnung. Er kommt einfach durch die Wand“ und den (vorerst?) letzten Worten des Täters „Ich bin kein schlechter Mensch“ hat mich der Film gestern so furios mit Ekel- und Gruselwellen gebeutelt und in gemischte Gefühle versetzt, dass ich eigentlich eine Fortsetzung will. Dank offenem Ende kann man ja darauf hoffen.

Nur ob ich mayne positive Grundhaltung gegenüber all unseren Paket-Bringern, die mich auch in den unterschiedlichsten Lebenslagen antreffen und immer einen Kommentar zu Lieferung und Lebensumständen parat haben, aufrechterhalten kann, weiß ich noch nicht.

Sicher ist: Angebissene Brezeln kommen mir so schnell auf gar keinen Fall mehr in den Mund.

Ist denn schon wieder Bayram?

Seit meine Eltern nicht mehr in Deutschland wohnen, fühle ich mich ob der moslemischen Festlichkeiten immer etwas abgehängt. Aber dank Facebook bekomme ich seit Neuestem endlich alles wieder mit. Meine albanische Verwandtschaft postet z.B. gerne Durchhalteparolen bis zum nächsten Fastenbrechen.

Generell finde ich es sehr interessant, das Facebook-Verhalten meiner Großfamilie zu beobachten. Man könnte eine schöne soziologische Arbeit über die Unterschiede im Nutzerverhalten der Albaner und Deutschen verfassen. Wenn man Zeit dafür hätte…

Was mich in letzter Zeit aber doch sehr irritiert sind Veröffentlichungen bzw. Bilder dieser Art.

Unter dem Bild steht dann (ich übersetzte): „Es gibt keinen wahren Moslem, der beim Anblick dieses Bildes nicht Like drückt!“

Die Verbreitung solcher emotionsgeladener Bilder als öffentliche Religionsbekenntnisse befremdet mich stark. Statt auf Inhalte, wird hier auf Effekte abgezielt. Ein „Like“ als Rührung im Angesicht des starken Glaubens der Abgelichteten?

Jedenfalls ist die Fastenzeit morgen vorbei. Und dann gibt es wieder „Bayram“. Maya und ich saßen einmal in der Küche und haben versucht zu eruieren, warum ich immer so verwundert bin, dass schon wieder Bayram ist, wenn mich meine Mutter erbost ob meiner ausbleibenden Glückwünsche anruft. Ich antworte immer: „Aber es war doch erst gerade Bayram! Wie oft feiert Ihr denn diesen Bayram?“

Maya schlug das Wort Bayram nach und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bayram heißt einfach „Fest“! Egal ob Opfer- oder Zuckerfest… es ist „ein Fest“. So steht es um meine moslemische Bildung. Miserabel! Immerhin wusste ich, – wie auch Wikipedia berichtete – dass man zum Bayram immer seine besten Kleider trägt und die Wohnung säubert.

Und das trennt uns voneinander: Säubern statt dekorieren ! Keine Weihnachtsbäume, kein Lametta, keine angemalten Eier, keine Engel, keine Lichterketten, kein Fensterschmuck… In puncto Deko habe ich Assimilationstechnisch völlig versagt. Ich werde nie Deutsch genug sein, um mir zu einer Festsaison den passenden Dekoschrott aus meiner Dekobox auszugraben. In mir ist genetisch vorprogrammiert, dass ich zu Festen zu Bürste und Scheuermilch greife.

Maya hingegen trainiert sich ihren Migrationshintergrund verbissener denn je an! Kurz vor dem nächsten Bayram hat sie unser Küchenregal vorbildhaft gesäubert. Alle Backzutaten sind nun thematisch in einer separaten Box verstaut. Ich bin immer noch gerührt über ihren Ordnungssinn!! Und nicht nur Maya: Ganz Berlin putzt ab sofort!

Und Charly chann auch bald erleichtert sein. Aufgrund der hohen Temperaturen während der Fastenzeit maynte er neulich zu Maya, dass mit den Moslems gerade schlecht Geschäfte zu machen sei. Wer in der Hitze kein Wasser trinken darf, hat einfach keinen klaren Kopf, um Verträge zu unterzeichnen…

Aber das finde ich schon wieder recht sympathisch. Statt ein Fest wie Weihnachten zur Anregung des Konsums zu stilisieren, wird während der Fastenzeit der Konsum in beiderlei Hinsicht gedrosselt: innerlich und äußerlich!

Diese albanische Facebook-Seite stellt Ihre Meinung wie folgt dar:

Hilfe – Berlin führt die Kehrwoche ein!

Sieht so aus, als sei die permanente Berliner Angst vor der Überfremdung durch die Schwaben-Invasion doch berechtigt! Prangt doch auf der Webseite des Tagesspiegels dieses Bild, das eindeutig auf eine vollendete Usurpation der Hauptstadt durch die Sauberles hinweist:

"Saubere Sache": Der Berliner Bär "putzt d' Gass".

„Saubere Sache“: Der Berliner Bär „putzt d‘ Gass“. (Grafik via Tagesspiegel)

Dabei beklagte ich mich noch neulich in größerer Runde über das permanente Schwaben-Bashing in der Hauptstadt.

„Alles übertrieben“, versicherte ich, „wir sind eigentlich ganz harmlos.“

„Sie kommen aus Stuttgart“, fragte ein anwesender Tagesspiegel-Redakteur verwundert, „ja wo haben Sie denn Ihren Slang gelassen?“

Schließlich bin ich hier seit Jahren inkognito unterwegs und gebe mayne Herkunft nur ausnahmsweise preis.

Nun hat gerade sein Blatt mich Lügen gestraft und mit der Aktion „Saubere Sache“ die Kehrwoche eingeführt…allerdings Open Air und nicht wöchentlich, sondern jährlich. Am 15. September soll der erste Aktionstag sein.

Die von mir gefürchteten Schmähungen und Assoziationen mit der schwäbischen Invasion blieben allerdings aus. Wenn man die Kommentare durchliest, findet man durchweg positive Reaktionen. Außerdem dient vielen auch ein ganz anderer Erfahrungshorizont als Herleitung: Während ich Süd-West-Kind an den spießig-schwäbischen Ordnungsterror denke, romantisieren die ehemaligen DDR-Bürger die gemeinschafts-stiftenden „freiwilligen“ Arbeitsdienste  namens Subbotnik. Vermutlich übertreiben wir beide in unserer Sichtweise auf diese Reinlichkeits-Konstrukte.

Schwäbisch oder ostig, eine gewisse Grundordung ist ja doch nicht zu verachten.

In die Klagen der Kommentatoren, vor ihren Türen müssen sie ohnehin ständig selbst sauber machen, da der städtische BSR versage, können wir gar nicht zustimmen. Chloe schwärmt sogar regelmäßig von der Zuverlässigkeit und Schnelligkeit  mit der der „Technostrich“ an dem die SpreeSee-WG liegt von den Spuren der Partynächte befreit wird:

„Unglaublich wie die das machen, Maya! Nachts ist noch alles voller Scherben, Flaschen, Kotzlachen und Alkoholleichen und am nächsten Tag: alles weg!“

Wer Chloe kennt, weiß, dass ihr dieser Zustand ein sehr zufriedenes Seufzen entlockt und so wird sich wahrscheinlich auch der Berliner Bär am Abend des 15.9. fühlen, wenn er den Besen aus der Hand legt und sich freut:

„Schön wenn alles sauber ist.“

Menu für schwäbische Wutbürger

Maynen Urlaub im Stuttgarter Kessel versucht Charly so urban wie möglich zu gestalten. Urban heißt – Achtung Dialektik! – für Berliner bekanntlich, dass man sich nicht aus dem Dunstkreis von 1 km herausbewegt und sich seine dörfliche Gemeinschaft um sich herum neu erfindet. Im hippen Stuttgarter Süden machen wir das jetzt auch so, wir streifen durch den Kiez und gehen ZU FUSS (eine völlig absurde Handlung in Benztown!!!) und ohne uns chic zu machen auf eine Party. Was die Stuttgart 21 Gegner (einige unbeugsame Protestler konnte ich auch bei diesem Besuch noch ausmachen) nicht hinbekommen haben, schaffen wir: die Umwertung aller Werte an einem Freitag Abend.

Weil das so gut geklappt hat, machen wir am Sonntag auf der Jagd nach Burgern und Eis gleich so weiter. Problem: Stuttgart ist zu klein für unsere dynamischen Schritte, ehe wir uns versehen, sind wir schon mittendrin gelandet, aber wir wollen mal nicht zu dogmatisch sein!

Auf dem Weg habe ich entdeckt, dass die einheimischen Konditoren ihren Wutbürger die Waffen direkt zum Frühstück servieren:

Frühstück - Pflastersteine

Der Schwabe scheut die schwere Kost nicht!

Geschäftstüchtig, wie es sich für diesen Landstrich gehört, hat der Konditor für den Fall, dass das steinige Gutsle dann doch ein wenig auf den Magen schlägt noch eine entlastende Draufgabe im Angebot:

Antistress Pralinen

Was genau da drin ist, konnte ich noch nicht herausfinden.

Eigentlich dachte ich ja immer, Pralinen wirken grundsätzlich gegen Stress. Chloe zum Beispiel greift nach stressigen Meetings gerne in die Mon Cherie Schachtel. Ich persönlich glaube an die entspannende Wirkung von Seppis Hopfenkügele, diese könnte nur von Süßkram mit illegalen Substanzen übertroffen werden und soweit, die hier so offen zu bewerben, wird es wohl noch nicht gekommen sein.