Teil 1/2: Chloe und die Künschtler

Ich will einen Mann mit Beruf und nicht Berufung !

Was Chloe im Hinblick auf das Paarungsverhalten der Ingenieur am See, das ist ihr inzwischen der Künschtler an der Spree: Eine männliche Zumutung, die in viel zu hoher Konzentration auftritt. So wie man nur sehr selten einen „echten“ Berliner in Berlin kennen lernt, so selten trifft man beim Date auf Nicht-Künstler.

Auch mayne ansonsten sehr weltoffene Maya zuckt am Hörer immer zusammen, wenn sie von maynen neuesten Begegnungen mit der vermeintlichen Boheme erfährt:

Schon wieder ein Künschtler! Du weißt ja was ich von denen halte. Die kreisen immer nur um sich selbst herum. Das ist nix Handfestes für eine Beziehung. Künschtler tun Dir nicht gut, Chloe!

Davon bin ich ebenfalls felsenfest überzeugt. Jedoch scheint Muse Chloe ein wahrer Künschtler-Magnet zu sein. Die Jungs haben nen Narren an mir gefressen. Schon in den heiligen Hallen unseres Neuphilologikums liefen beispielsweise verklärte Wortakrobaten schnurstracks auf mich zu, um mir ein Gedicht vorzulesen. Andere machten mir unanständige Angebote und wollten gleich einen Verlag mit mir gründen. Der Über-Ex stellte sich zu meiner Blamage all meinen Freunden bereits im zweiten Semester als „Autor“ vor.

Das ist ja die Crux am Künschtler. Heutzutage gilt doch frei nach Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“

Gesehen in Berlin Mitte.

Gesehen in Berlin Mitte.

Aber diejenigen, die sich aus Berufung als Künschtler auserkoren fühlen, hegen ein unglaubliches Mitleid mit denjenigen welchen, die nicht dieser Lebensform frönen können. Gerne mögen sie dann auch bekehren.

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