MoMa international

Mit unserem aus MoMas spitzer Feder geflossenen Antlitz sind  wir – Karikaturenstreit hin oder her – immer in bester Gesellschaft. Das wissen wir sehr zu schätzen, auch wenn es bei Chloe ein paar Monate gedauert hat, sich zu arrangieren, hat sie sich doch inzwischen sogar so sehr mit dem Kaffeehaus-Bild angefreundet, dass sie es freiwillig Bekanntschaften zeigt.

Und wer wären wir uns zu beklagen, wenn die Großen und Mächtigen dieser Welt das auch nicht tun?

Inzwischen hat die Zeichenkunst unseres Freundes auch transatlantische Fans gewonnen. Die Wahlkanadierin schickte mir neulich folgenden Link zur Deutsch-Amerikanischen Handelskammer mit den Worten „meine lieben Kollegen in New York nutzen Deinen Lieblings-Cartoonisten“:

Angela unterwegs

Angela unterwegs

Das gefällt uns natürlich außerordentlich gut!!!

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Ich bin ein Berliner und wir sind alle Schlampen

Politischer Samstag bei SpreeSee. Schließlich ist heute der 50. Jahrestag des Mauerbaus und in der studentischen Texterschmiede berichte ich bereits seit Wochen über das Thema. Vom Chef zum Auffangen der Stimmung an einen beliebigen Bahnhof geschickt, suchte ich also pünktlich zur Schweigeminute um 12 Uhr unsere Heimatstation, die Warschauer, auf. Die wenig ambitionierte Durchsage erreichte die Fahrgäste jedoch nicht. Die Bahn blieb kurz stehen, das tut sie aber sonst auch. Glockengeläut von der einzigen Kirche in der Nähe konnte ich nicht vernehmen, dafür bemerkte ich einen neuen Seitenhieb auf uns Berlin-Bewohner mit schwäbischem Migrationshintergrund:

Immer auf die Schwaben

Die Gedenkminute zum Mauerbau interessiert hier keinen - vielleicht alles Schwabylon-Gegner, die uns Zugereiste gerne weiter mit dem Antifaschistischen Schutzwall ferngehalten hätten?

Hier war keine angemessene Stimmung zu erspüren, mal sehen was ich mir dazu am Montag aus den Fingern sauge. Maynen persönlichen Gedenktag zur deutschen Teilung beging ich dann einfach, indem ich die schöne Oberbaumbrücke und damit die ehemalige Wassergrenze zwischen Ost und West zweimal überschritt. Wo vor genau 50 Jahren der Stacheldraht hochgezogen wurde, befinden sich heute massenhaft Touristen auf Motiv- und Souvenirsuche.

Oberbaumbrücke

Auf dem Rückweg entdecke ich, dass unser Kaisers Supermarkt an der Ecke jetzt nach Umbauphase wiedereröffnet hat. Nun ist er mit 24-Stunden-Öffnung zurück. Wir können hier ab sofort von Montag um 7 Uhr bis Sonntag 24 Uhr einkaufen. Gummibärchen und Wein rund um die Uhr – nie mehr Späti-Preise bezahlen, was für eine Freude!

Irgendwie passend, dass ich das neue Konsum-Angebot heute am Geburtstag der eingerissenen Mauer entdecke, schließlich erklärte mir mayn einziger echter Ostberliner Bekannter Hörnchen vor Jahren, dass der Wunsch nach Konsum der entscheidende Grund für die Friedliche Revolution war. „Wir wollten auch die ganzen Sachen kaufen können, darum haben wir die Mauer eingerissen!“ Hörnchen ist das mit dem Konsum inzwischen zu viel geworden, er hat als Asket in Südostasien sein Glück gefunden.

Ich gehe dann weiter zum zweiten politischen Abschnitt des Tages. Und der wird deutlich bunter.

Slutwalk

Let's go to the Slutwalk...

„Wo gehst du hin? Wie klingt das denn? Da fällt mir was dazu ein, das sage ich jetzt aber besser nicht!“ grunzt der Regisseur am Telefon, weil ich ihn mit Hinweis auf den nächsten Termin, den Slutwalk, abwimmle. „Nicht was du denkst! Das ist politisch, Mann!“ schimpfe ich zurück. „Ja, ja – everything’s political…“ feixt der Unwissende.

OK – es scheint wohl doch erklärungsbedürftig, warum selbsternannte Schlampen (über die Umdeutung des Begriffs hat sich Bascha Mika hier Gedanken gemacht) organisiert durch die Großstadt marschieren.  Kompliziert ist es jedoch nicht. Ein besonders fürsorglicher Polizeibeamter aus Toronto hat Anfang des Jahres während eines Vortrags zur präventiven Verbrechensbekämpfung den hübschen Einwurf mit folgendem Wortlaut gebracht:

women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized

Fürsorge der Art des Polizisten mit seinen Tipps für sichere Garderobenplanung ist seit Jahrhunderten der Deckmantel für die Unterdrückung von Frauenrechten. Im 19. Jahrhundert, als Frauen begannen, sich den öffentlichen Raum der Stadt zu erobern, erzählte man ihnen die Geschichte von Jack the Ripper und erklärte, warum man als anständiges Mädchen besser nicht alleine das Haus verlässt. Selbst schuld, wer sich in Gefahr begibt, die These der Vergewaltigungsmythen hat sich seit dem kaum verändert.

„Treib dich nicht auf der Straße herum und ziehe dich nicht wie eine Schlampe an.“

Vielen Dank für diesen weisen Ratschlag! Abgesehen davon, dass es keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen aufreizender Kleidung und Vergewaltigung gibt, selbst wenn ich mit einem bauchfreien T-Shirt mit der Aufschrift „Rape me“ auf die Straße trete, habe ich ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung, egal wohin ich gehe. Der Vegewaltiger ist der Kriminelle. Die Schuldzuweisung, Frauen würden mit Kleidung sexuelle Gewalt provozieren, ist falsch. Darum geht es.

we can go where we want, we can wear what we want...

Und ewig lockt der Sale…

Manchmal sind wir SpreeSee-Mädels auch einfach nur ganz normale Frauen. Nur um der Originalität willen kann man eben nicht auf Teufel komm raus jedes Klischee vermeiden. Und so klingt trotz Schuh-Schrein im Flur und gut gefüllten Kleiderschränken in den WG-Zimmern des Öfteren ein durchaus abgegriffener Seufzer durch Friedrichshain:

Ich hab nichts anzuziehen!

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Nachtrag lcb

Wenn ich es mir recht überlege, habe ich zu voreilig über den Style der anderen gelästert…

Chloe hat gerade ein Bild von uns, das wir einem völlig untalentierten versoffenen und grottig aussehenden Besucher zu knipsen abverlangt hatten, auf facebook geladen:

Seefrauen

Wahrscheinlich dachten all die anderen:

Was macht das Lesbenpaar im 80er Retrolook denn hier? Bestimmt gehen die nachher noch auf eine Matrosen-Fetisch-Party…

So etwas passiert, wenn man sich nicht abspricht!

Chloe chlaubt inzwischen sogar, ich sei schuld daran, dass das mit ihr und den Männern nix wird. Ich fühle mich aber völlig unschuldig, schließlich hab‘ ich ja Charly.

Abreibung für den Rockstar des Jahres

In der gestrigen 20-Uhr Tagesschau nur am Rande mitbekommen, da der heiße Draht nach Maui gerade glühte, dafür aber heute die Boulevard-Nachricht des Tages:
Hat doch tatsächlich unser herzallerliebster Rockstar des Jahres, der uns mit Lifting, Frauengeschichten, dummen Scherzen, Gaunereien aller Art und seinem Nebenberuf als italienischer Ministerpräsident stets gut unterhält, mal ordentlich auf die Mütze bekommen!

Das sorgt für Diskussionen am Mittagstisch von Charly und Maya.
Denn Maya maynt (fast schon bewundernd):

Iste Silvio super Medien-Profi – gehte nicht in die Wagen bevor noch einmal hat gezeigt blutige Gesichte in alle Kameras!

(Sorry für die miese Italo-Akzent-Nummer, habe aber gerade zum leichten Zeitvertreib diesen Bestseller „Maria ihm schmeckt`s nicht“ gelesen und danach geht das einfach wie geschmiert.)

Charly hingegen vermutet gar die ganz miese Verschwörung:

Kann ich mir super vorstellen, dass er sich mit Absicht die Fresse polieren lässt. Ganz miese Mitleidsnummer dank Auftragsschläger!

Neee, ne. Das traue nicht einmal ich dem Silvio zu, obwohl ihm die Geschichte bestimmt einen schönen Grund für eine neue Renovierung seiner Opi-Fassade liefert. Na dann – Gute Besserung Silvio!
Und liebe Italiener: KEINE GEWALT – besser nächstes Mal anders wählen!!!

Don`t cry for Chloe argentina…

Chloes Wunsch nach dem Reisepixie ist mir Befehl:

Maya, schmeiß schon mal das argentinische Weather Pixie an!

Wer einen Trip durch ein Land wagt, in dem es quasi alle Klimazonen gibt, der bekommt natürlich auch ein Wetterpüppchen mit umfassender Garderobe für alle Gelegenheiten – nur Funktionskleidung konnte ich beim besten Willen nicht finden.

Virtuelle Reisegarderobe - mehr als ein Rucksack voll!

Virtuelle Reisegarderobe - mehr als ein Rucksack voll!

Das Ergebnis lässt sich jetzt also wie immer in der linken Spalte bewundern und wir werden hier im winterlichen Deutschland bestimmt noch gelb vor Neid werden, beim Blick darauf.

Im Moment weint der Himmel über Buenos Aires leider, ich appeliere deshalb mit den Zeilen aus dem berühmten Musical Evita an Argentinien damit aufzuhören, denn schließlich soll Chloe einen Urlaub frei von Niederschlägen jeglicher Art genießen dürfen, auch wenn dank Tatort-Livestream für Unterhaltung an Regentagen gesorgt ist.

BUEN VIAJE!

Shopping und Champagner

„Fashion`s night out“ in Berlin | Tip Berlin

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Heute ist es soweit – in Berlin und weltweit findet die Fashion’s Night Out statt. Keine Frage, dass ich mich da auch unters Volk mischen werde. Wer kann bei Champagner im Cos-Store und Macarons in der Galerie Lafayette schon widerstehen? Im Chanel-Laden werden sogar Snacks in den Trendfarben der Herbstsaison gereicht…Was soll man sich da für Verkaufsgespräche vorstellen?

Liebe Frau Botschafter-Gattin, Sie müssen unbedingt diesen Cardigan probieren, der passt Ton in Ton wunderbar zu ihrem Lachstartar!

Verrückt diese Mode-Leute!

Zum Glück sind meinem Kaufrausch von vornherein pekuniäre Grenzen gesetzt. Denn Shopping und Champagner sind bekanntlich auch für stilsichere und vernünftige Menschen eine brandgefährliche Mischung. Wer sich dabei zu Exzessen hinreißen lässt, kann nur hoffen in der Champagner-Kaufrausch-Katerstimmung alle Kassenzettel wiederzufinden, um die ein oder andere dem Übermut entsprungene Tat ungeschehen machen zu können.
Nur bei einem Teil sollte doch keiner an Umtausch denken: der Erlös aus dem Verkauf der limitierten VOGUE-Tasche geht nämlich dem Berliner Kindernotdienst zu. Das kann übrigens auch die einzige Entschuldigung dafür sein, dass sich der Regierende Bürgermeister Berlins als Schirmherr für die große Shoppingsause hergibt. Wobei – bei Wowi weiß man ja nie…