Ist denn schon wieder Bayram?

Seit meine Eltern nicht mehr in Deutschland wohnen, fühle ich mich ob der moslemischen Festlichkeiten immer etwas abgehängt. Aber dank Facebook bekomme ich seit Neuestem endlich alles wieder mit. Meine albanische Verwandtschaft postet z.B. gerne Durchhalteparolen bis zum nächsten Fastenbrechen.

Generell finde ich es sehr interessant, das Facebook-Verhalten meiner Großfamilie zu beobachten. Man könnte eine schöne soziologische Arbeit über die Unterschiede im Nutzerverhalten der Albaner und Deutschen verfassen. Wenn man Zeit dafür hätte…

Was mich in letzter Zeit aber doch sehr irritiert sind Veröffentlichungen bzw. Bilder dieser Art.

Unter dem Bild steht dann (ich übersetzte): „Es gibt keinen wahren Moslem, der beim Anblick dieses Bildes nicht Like drückt!“

Die Verbreitung solcher emotionsgeladener Bilder als öffentliche Religionsbekenntnisse befremdet mich stark. Statt auf Inhalte, wird hier auf Effekte abgezielt. Ein „Like“ als Rührung im Angesicht des starken Glaubens der Abgelichteten?

Jedenfalls ist die Fastenzeit morgen vorbei. Und dann gibt es wieder „Bayram“. Maya und ich saßen einmal in der Küche und haben versucht zu eruieren, warum ich immer so verwundert bin, dass schon wieder Bayram ist, wenn mich meine Mutter erbost ob meiner ausbleibenden Glückwünsche anruft. Ich antworte immer: „Aber es war doch erst gerade Bayram! Wie oft feiert Ihr denn diesen Bayram?“

Maya schlug das Wort Bayram nach und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bayram heißt einfach „Fest“! Egal ob Opfer- oder Zuckerfest… es ist „ein Fest“. So steht es um meine moslemische Bildung. Miserabel! Immerhin wusste ich, – wie auch Wikipedia berichtete – dass man zum Bayram immer seine besten Kleider trägt und die Wohnung säubert.

Und das trennt uns voneinander: Säubern statt dekorieren ! Keine Weihnachtsbäume, kein Lametta, keine angemalten Eier, keine Engel, keine Lichterketten, kein Fensterschmuck… In puncto Deko habe ich Assimilationstechnisch völlig versagt. Ich werde nie Deutsch genug sein, um mir zu einer Festsaison den passenden Dekoschrott aus meiner Dekobox auszugraben. In mir ist genetisch vorprogrammiert, dass ich zu Festen zu Bürste und Scheuermilch greife.

Maya hingegen trainiert sich ihren Migrationshintergrund verbissener denn je an! Kurz vor dem nächsten Bayram hat sie unser Küchenregal vorbildhaft gesäubert. Alle Backzutaten sind nun thematisch in einer separaten Box verstaut. Ich bin immer noch gerührt über ihren Ordnungssinn!! Und nicht nur Maya: Ganz Berlin putzt ab sofort!

Und Charly chann auch bald erleichtert sein. Aufgrund der hohen Temperaturen während der Fastenzeit maynte er neulich zu Maya, dass mit den Moslems gerade schlecht Geschäfte zu machen sei. Wer in der Hitze kein Wasser trinken darf, hat einfach keinen klaren Kopf, um Verträge zu unterzeichnen…

Aber das finde ich schon wieder recht sympathisch. Statt ein Fest wie Weihnachten zur Anregung des Konsums zu stilisieren, wird während der Fastenzeit der Konsum in beiderlei Hinsicht gedrosselt: innerlich und äußerlich!

Diese albanische Facebook-Seite stellt Ihre Meinung wie folgt dar:

Neues zum digitalen Nachlass

Im letzten Herbst machte Chloe sich bereits einmal Gedanken über den Widerspruch von physischer Sterblichkeit und digitaler Unendlichkeit der Identität des modernen Menschen. Die Frage, was aus den Facebook-Profilen Verstorbener würde, trieb sie um. Und ihre Überlegungen resultierten in folgender Bitte an mich:

Liebe Maya, sollte ich sterben, dann lösche doch bitte mein Profil und mach zumindest eine Fanseite draus… Ich will auf ewig mithilfe der Suche gefunden werden!

Sollte ich jemals in die traurige Lage kommen, und das will ich überhaupt nicht hoffen, werde ich diesem Wunsch selbstverständlich entsprechen, genauso wie ich mich persönlich einsetzen werde, dass ihr Grabstein von dem Satz geziert wird, der ihr Vermächtnis sein soll:  „Sie hat immer synchronisiert“.

Die Frau ist eben durch und durch Web 2.0 und Neue Medien-affin. Beim Anhören von PeterLichts neuer Platte „Das Ende der Beschwerde“ habe ich einen weiteren Themenbereich entdeckt, der mich als potentielle Nachlassverwalterin stark beschäftigt: „begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses“ singt Peter.

Nun frage ich mich, wo Chloes Äppärät die letzte Ruhe finden soll. Neben ihr? Am Bodensee, wo wir einst unseren Blog gründeten? Am Ufer der Spree, möglichst in einer gut besuchten Strandbar? Oder möchte sie es gar den Nachkommen vererben, so dass sie durch das Gerät zum ewigen Leben findet?

Fragen über Fragen!

One Night Facebook Friend?

Ich gebe ja gerne Tipps für den besseren Umgang mit Facebook. Heimse mir dafür aber auch manchmal eine schöne Tracht Prügel ein. Nach meinem Ratschlag wie man am besten mit Ex-Freunden auf Facebook verfahren sollte, fuhr mich ein Freund ganz schön von der Seite aus an. Seine Ex-Freundin (ebenfalls eine SpreeSee-Leserin) hätte ihn sofort nach dem Erscheinen meines Blog-Eintrags auf Facebook blockiert. Meine Lektüre hätte sie somit dazu animiert! Über diese enttäuschte Reaktion war ich sehr schockiert. Mein Bruder versuchte mich zu beruhigen: „Chloe! Das ist doch eine große Ehre für Dich. Du schreibst und argumentierst so gut, dass Deine Leser Deinen Tipps sofort folgen. Dafür kannst Du nix! Hör bloß nicht auf zu bloggen.“

Also schreibt die Digitale Boheme weiter… Heute möchte ich kurz über ein neues Problemfeld in der virtuellen Welt schreiben: Den One Night Stand.

Die Geschichte der „Kann ich Deine Nummer haben“-Nummer

90er – „Fest“ war für alle da.

Zu Chloes und Mayas Teenagerzeiten gab man seinen One Night Stands ungern die Telefonnummer raus. War doch die Gefahr bzw. Peinlichkeit zu groß, dass die Eltern vor einem ans Festnetz hetzten. Verliebte Halbstarke schickten daher, sofern ich eine Anschrift rauszückte, gerne mal einen Brief an Chloe. Unermüdlichen Verehren blieb nur die Möglichkeit übrig, das gesamte Telefonbuch nach meinem Nachnamen abzutelefonieren.

In meiner Ur-WG während der Schwabenlehrjahre – als DSL und mehrere Festnetznummern noch in den Kinderglasfasern steckten – machten sich meine Mitbewohner einen Spaß daraus, Post-Its mit den Namen der männlichen Verehrer inkl. Strichliste mit der Häufigkeit der Anrufe (sic!) an meine Tür zu kleben. Nach einem Wochenende Abwesenheit konnte sich da einiges ansammeln und ich musste das blöde Grinsen der Eltern meiner Mitbewohner ertragen, wenn sie sonntags zu Kaffee und Kuchen ihre Sprösslinge und meine Zettelwirtschaft begutachteten.

Schlimmer als die Zettel waren Nachrichten auf dem Anrufbeantworter im Flur. Waren meine Mitbewohner zu lahm und sprang dieser in meiner Abwesenheit an, konnte sich die ganze WG an stammelnden Botschaften der verschossenen Romeos ergötzen.

00er – „Mobil“ hieß privat.

In unseren Zwanzigern war das mobile Telefon dann flächendeckend verbreitet. Mein erstes Handy – ich war aus ideologischen Gründen eine der letzten im Freundeskreis ohne – bekam ich sogar von einem Mann geschenkt: meinem Bruder.

Da frau ab sofort nur noch selber mit den Kontaktaufnahmen der Männer konfrontiert war, sank die Hemmschwelle rapide und man rückte plötzlich sehr viel bereitwilliger seine Nummer raus. Regte sich aber auch nach der nocturnen Techtelmechtelei über doofe SMS am Mittag mit dem Inhalt „Alles klar bei Dir, Kleine?“ auf. Jedenfalls wichen die Post-Its der Anzeige meiner entgangenen Anrufe auf dem Display… Was intim war blieb intim.

10er – „Web 2.0“ ist überall!

Heute lautet die Frage am ernüchternden Morgen danach nicht mehr „Gibst Du mir Deine Nummer?“, sondern „Bist Du auf Facebook?“ Und damit fängt der Schlamassel erst richtig an… Chloes Analyse anbei.

+++ Der Facebook-Nachrichtenstrom ist Deine WG-Tür! +++

„Martin vom Meer ist jetzt mit Frida vom Fluss befreundet.“ Der Mensch ist neugierig. Wer spekuliert bei solchen Neuigkeiten nicht sofort, woher der Genosse aus der gleichen Generation plötzlich diese neue blutjunge Frau kennt? Vor allem, wenn jeden Sonntag Mittag ein hübsche Blondine mehr dazukommt?

Chloes Tipp: Bumpt Euch nicht gleich vor Ort und im betrunkenen Zustand nach der Hormonentladung mit dem Smartphones an! Freundschaftsanfragen können auch ruhig unter der Woche angenommen werden. Wirkt weniger verdächtig.

+++ „Gefällt mir“ ist Dein Post-it! – Deine Pinnwand ist Dein Anrufbeantworter! +++

Bei meiner Single-Freundin aus Hamburg taucht plötzlich ein Mann aus dem Nichts auf, der zu jedem Link und Foto plötzlich seine Daumen hochhält. Morgens um 8 Uhr postet er ihr peinliche Gute-Laune-Lieder von Pur. Als Zuschauer bzw. Freundin weiß man nicht, ob man beschämt oder besorgt sein soll. Das Profilfoto verrät nur eines: Meine Freundin muss sich den ordentlich schön gesoffen haben…

Chloes Tipp: Ihr seid Eurer eigener Admin auf Facebook. Gewährt den Männern doch nicht immer gleich von Anfang an alle Schreib- und Leserechte! Sie sollen sich ruhig durch die A-B-C-Freundeslisten http://spreesee.com/2009/07/08/facebook-gebrauchsanleitung/ hocharbeiten dürfen!

+++ Anstupser sind erbärmlich +++

Du hast Dich trotz Facebook-Kontaktaufnahme nie wieder bei Deinem One Night Stand gemeldet. Du hast Dich nur prophylaktisch mit ihm befreundet, damit bei einem Fauxpas (das stellt sich ja meist nur nachträglich heraus) der Vater Deines Kindes einen Namen hat. Der Mann, dem Du niemals Deine Nummer rausgerückt hättest, ist C-Freund. Ihm bleibt lediglich eine Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen: er stupst Dich an!

Ganz unverfänglich, er hat nichts zu verlieren. Für eine persönliche Nachricht ist er zu feige, sein Ego zu schwach. Wenn Du jetzt zurückstupst, sieht er es natürlich als Zeichen dafür an, dass Du doch mehr Interesse an ihm hast und leitet die Eskalationsstufe II ein: Eine Nachricht.

Chloes Tipp: Lass das zurückstupsen sein!

+++ Der Chat ist die offene Haustür zu Dir! +++

Wenn Du im Chat online bist, kann Dich plötzlich Gott und die Welt anschreiben. Wer für einen Anruf zu schüchtern, der versteckt sich gerne hinter getippten Wortwechseln. Einer Ex-Mitbewohnerin von mir, einer sehr erfolgreichen Chefärztin Ende 30ig, ist neulich etwas Unfassbares passiert. Sie chattete gerade mit ihrer Cousine in Australien, als sie plötzlich ihr Toy Boy-One Night Stand von vor zwei Monaten anchattete. Der Junge war ein reisender Erasmus-Student Anfang Zwanzig und nach der besagten Nacht in ihrer Penthouse Wohnung in Frankfurt direkt zurück an den Campus geflogen. Im Chat fing er plötzlich an schrecklich auf die Mitleidstube zu drücken. Zu Hause in seiner Heimat hätte er ja zumindest das Mensa-Essen umsonst bekommen. Das teure Studium an der Gastuniversität im kalten Skandinavien zehrt an ihm. Ob sie denn wisse, wie das sei, eine Woche lang nichts zu essen? Aus Geldnot hungern zu müssen? Und aufgrund seiner schlechten Sprachkenntnisse findet er nirgends einen Job. Meine Freundin schmunzelte noch und schlug ihm vor, dass er als Grieche doch einfach in einem Griechischen Restaurant anheuern soll. Doch dann ging ihr plötzlich ein Licht auf! Der Kerl hatte neulich gepostet, dass Zeus 600 Euro vom Himmel regnen lasen solle, damit er mit seiner neuen Flamme Ski fahren gehen kann. Depp! Jetzt war ihr alles klar. Dies war kein netter Chat, sondern eine ganz miese Nummer, um Geld bei seiner Mrs. Robinson zu schnorren…

Chloes Tipp: Sei einfach offline!

+++ Facebook ist ein Hort von Missverständnissen +++

Maya maynt, dass sie und Charly zur Zeit „des Facebook“ niemals zusammengekommen wären. Diese ganze Plattform gewährt einem viel zu viel Interpretationsspielraum und Grund für Eifersüchteleien…

Moderne Momente, die eine verschossene Frau auf Facebook stutzig machen könnten:

  • In seinem Fotoalbum ist er des Öfteren mit einem Kleinkind auf dem Arm zu sehen.
  • Jeder zweite Post an seiner Pinnwand stammt von seiner Mutter.
  • Er hat gerade mal zwölf Freunde.
  • Der Angebetete sagt eine halbe Stunde vor dem Date per SMS ab, da er eine Lebensmittelvergiftung hat. Du hast aber auf Deiner Facebook iPhone-App gesehen, dass er vor zwei Minuten noch ein Musikvideo mit dem Spruch „Endlich Wochenende“ postete.
  • Unter Zitate steht „Carpe diem“.
  • Die Fotoalben der letzten vier Jahre sind voll mit Bildern seiner Ex-Freundin. Du fängst an, Dich mit ihr zu vergleichen.
  • Er wird von seinen Freunden über Facebook Orte in einem Swinger Club markiert.
  • Auf den Weihnachtsfotos ist auch sein Vater zu sehen. Geheimratsecken sind erblich…
  • Du wartest seit drei Tagen auf eine Antwort auf Deine Mail. Siehst aber, dass er die Muse hat, sämtliche Posts seiner Freunde zu kommentieren.
  • Eine Dir unbekannte Frau kommentiert das neue Profilfoto Deines Dates mit den Worten: „Du bist so süß! Lass uns mal wieder was trinken gehen.“
  • Unter religiöse Ansichten steht „Buddhist“.
  • Bei ihm steht seit ihr Euch kennen gelernt habt als Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“.
  • Seine Freunde posten ihm zum Geburtstag ein Playboy-Bunny und er regiert mit „gefällt mir“.
  • Nach der vermeintlichen Lebensmittelvergiftung triffst Du Dein Date nochmals. Danach schmiedet ihr Pläne fürs nächste Wochenende. Er meldet sich am Samstag wie abgemacht mit einer SMS: „Hey süsse.war proben.und jetzt fahr ick zu meiner oma.ick melde mich wenn ick da wieder los fahre.lg“ Du hörst nach dieser SMS nie wieder etwas von ihm. Cholerisch blockierst Du ihn konsequenterweise auf Facebook. Nach zwei Wochen denkst Du Dir, dass er eventuell gestorben sein könnte. Du entblockierst ihn, um zu sehen, ob im Laufe der Zeit die Anzahl seiner Freunde (mehr Informationen sind für Dich über sein Profil im entfreundeten Zustand nicht zugänglich) steigt. Sie steigt! Er lebt also noch. Arschloch!

Hasst Du diese Situationen? Dann halte Dich an mein letztes Wort:

Ein One Night Stand ist ein One Night Stand. In dem Fall gehört sich eine Facebook-Freundschaft so oder so nicht. Es gibt daher nur eine adäquate Antwort auf die Frage: „Bist Du auf Facebook“ am Morgen danach. Und die lautet:

Ich habe gar kein Facebook!

Lieber lügt man, tauscht bei echtem Interesse Telefonnummern aus und gewährt der Liebe eine wahre Chance fernab von virtuellen Schatten in der Höhle Facebook. Schließlich ist es weitaus angenehmer einen neuen Freund nach drei Monaten auf Facebook zu adden, als einen Stalker nach zwei Wochen zu blocken.

One Weekend @Casa SpreeSee

Im letzten halben Jahr haben die SpreeSee-Damen in ihrer WG einige lustige Traditionen eingeführt. Freitag abends steht Chloe beispielsweise vor der Haustür und versucht erfolglos die Tür aufzuschließen, da Mayas Schlüsselbund von innen im Schlüsselloch steckt. Entweder chlopft Chloe, chlingelt Sturm oder ruft im Extremfall auf dem Handy an, damit Maya ihr die Tür öffnet.

Was dann folgt ist für Unbeteiligte sicherlich die reinste Qual:

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Facebook außer Kontrolle

Totally Quality Woman Chloe chlaubt immer alles im Griff zu haben. Vor allem ihre Privatsphäre ist ihr sehr wichtig. Die Facebook Privatsphäre-Einstellungen chann sie daher inzwischen nachts im Schlaf aufsagen. Über eine Reihe von Freundeslisten kategorisiert und steuert sie daher ihre Online Reputation je Datenfeld. Pro Post überlegt sie sich vorher gut wer was lesen oder sehen darf. So kann sie ein breites Spektrum an Menschen informieren wie es ihr gefällt.

Diese selektive Informationsstreuung kann aber auch ordentlich daneben gehen, wenn z.B. jemand aus der A-Liste in einem breiter veröffentlichten Post Bezug nimmt auf einen nur für die A-Liste verfassten Text. Ein Beispiel aus meinem Leben natürlich anbei. Während einer der vielen unsäglichen Motto-Partys in der Puppenkiste schloss ich mich ab und zu Wuthöhlenmäßig in ein kleines Zimmer der Hausparty ein – zum Glück ohne kopulierende Paare zu überraschen – und bombardierte Maya mit SMS. Die Musik – man legt ja inzwischen mit You Tube auf! – und auch die Männer wurden mit jeder Stunde nur schlechter. Irgendwann resignierte ich auf der Couch. Ein französischer Hedonist ertrug meine miese Laune nicht und setzte zu diesem unglaublichen Gespräch an, das ich natürlich prompt für meinen engen Freundeskreis auf Facebook dokumentierte:

Nicht weiter tragisch. Am nächsten Abend teilte ich jedoch relativ öffentlich unbedarft einen TV-Tipp. Charly, Mayas Freund, ließ es sich natürlich nicht nehmen wie folgt zu kommentieren:

Am nächsten Tag bei der Arbeit grinste mich mein Bürokollege, der die Vorgeschichte mit dem Franzosen natürlich nicht auf Facebook sehen konnte, verschmitzt an. Nach nur fünf Minuten prustete er dann los.

Du brauchst größere Brüste!!! Haha. Ganz schön cool dieser Charly. Das muss sich mal jemand trauen! Ich habe mich den ganzen Abend weggeschmissen vor Lachen.

Tja, man hat Diskurse nun mal wie freie Gedanken niemals unter Kontrolle. Um so schockierter war ich dann einst, als ich las, was eine Facebook-Legende nach einem Treffen mit Chloe dachte bzw. machte bzw. postete!!

Hier noch ein Lob auf die ungewöhnliche Frau. Ich fühlte mich natürlich geschmeichelt.

Muss dann aber später mit Entsetzen feststellen, was der Kerl nach unserem Gespräch im Sinn hatte….

Ich versuchte mir natürlich einzureden, dass das nix mit mir zu tun hatte. Auch Maya ermahnte mich sofort, dass ich mit meiner Profilneurose doch nicht immer alles auf mich beziehen solle.

Aber warum hat sich der Kerl dann am nächsten Tag über Chat bei mir für den „verstörenden“ Post entschuldigt?

Facebook: Friedhof der toten Profile

Unter meinen „Neuigkeiten“ auf Facebook mischte sich neulich eine absonderliche Meldung:

Max Mustermann wird an Die Beerdigung findet morgen um 11 Uhr statt teilnehmen.

Ich recherchierte und fand tatsächlich heraus, dass die Beerdigung als „Veranstaltung“ von den Freunden des Verstorbenen auf Facebook angelegt worden war. Zudem gab es eine eigens zu seinem Andenken gegründete Gruppe. Freunde stellten Beileidsschreiben und Bilder hoch.

Ich habe mich ja schon mal gefragt, was mit dem Profil eines Verstorben passiert…

Apropos, gibt es eigentlich auch einen Friedhof für tote Profile? Verwandte pflegen Deinen virtuellen Onlineauftritt für Dich weiter. Freunde können Dich aus aller Welt am Grabstein besuchen, Kommentare hinterlegen, zu Weihnachten gratulieren. Diese Idee sollte ich mir patentieren lassen… wie wäre es mit dem Namen „Corpsebook“?

Nun fand ich heraus, dass Facebook tatsächlich die Möglichkeit anbietet, das Profil einer verstorbenen Person zu melden.

Dieses Formular ist ausschließlich für das Melden von verstorbenen Personen gedacht, um deren Konto in den Gedenkstatus zu versetzen oder um es zu entfernen. Im Gedenkstatus werden bestimmte vertrauliche Informationen entfernt und die Privatsphäre wird so eingestellt, dass nur bestätigte Freunde das Profil sehen oder es mithilfe der Suche finden können. Die Pinnwand verbleibt, damit Freunde und Familienmitglieder Beiträge im Gedenken an den Verstorbenen hinterlassen können.

Liebe Maya, sollte ich sterben, dann lösche doch bitte mein Profil und mach zumindest eine Fanseite draus… Ich will auf ewig mithilfe der Suche gefunden werden!

Herbstputz: Räum Deine Freunde auf!

Der Sommer war heiß und lang. Bei dem einen oder anderen Bier oder Tor während der Fußball WM fiel es leicht, einen neuen Freund auf Facebook hinzuzufügen. Nun werden die Tage aber kürzer, die Nächte kälter und die Leute sitzen länger vor ihrem Rechner. Perfekte Jahreszeit zum Online Stalken. Daher empfiehlt SpreeSee rechtzeitig zum Herbstanfang: Räum Deine Freundesliste auf!

Oder willst Du wirklich, dass ICH das hier lesen kann (heute im Nachrichtenstrom gesichtet):