Vergiss Farmville und Happy Pets – wir haben Filmville und Tickets!

Trotz großer Affinität und Begeisterung für das Web 2.0 mit all seinen Schikanen hegen wir SpreeSee-Damen eine noch größere Vorliebe für das echte Leben da draußen. Spielereien mit virtuellen Farmen und animierten Tierchen sind uns zuwider. Um den Farmville Quatsch loszuwerden hat Chloe eigens einen Eintrag verfasst, gegen die Happy Pets-Seuche wütete Manic Maya kürzlich auf Prissys Facebook-Seite:

Prissy found a lost Tiger-Striped Kitten.
None of the other kitties played with this poor Tiger-Striped Kitten. Can you rescue this Tiger-Striped Kitten before he is taken to the pound?
Manic Maya was soll der Sch… eigentlich? Wenn man schon dauernd virtuelle Tiere vorgesetzt bekommt, was ja an sich bereits echt fragwürdig ist, warum sind die dann auch noch dauernd „lost“, „poor“ und „sad“??? können die nicht wenigstens fröhlich und witzig sein!
Chloe Hamster, tiger-striped kitten… was kommt als nächstes?
Maya Ein depressiver Rosa Elefant? Hihi!
Chloe Oder eine adipöse Ameise mit Querstreifen?
Prissy Mädels- ich warte aufs Wasserschwein- am liebsten lila! […]

Inspiriert von Prissys Facebookfreund, der sich im Laufe des Pinnwand-Dialogs selbst als Happy Pet aus Fleisch und Blut anbot, lautet mein neues Spiel Happy Tickets und dreht sich um elementare Erlebnisse:

"Maya hat ein einsames Studentenfilmpremieren-Ticket auf dem Roten Teppich gefunden, es hat sich unsterblich in sein Nachbarticket verliebt. Bitte rette es und gehe gemeinsam mit Maya zur Premiere, damit die beiden nicht auseinander gerrissen werden müssen."

Und weil solche Spiele auch immer Spam-artig auftreten mache ich gleich weiter:

„Maya hat eine Einladung zur Schaubühnen-Vorstellung „Die Ehe der Maria Braun“ in ihrem Postfach gefunden. Wie würde sie sich wohl fühlen, wenn man sie nicht einmal geschenkt haben wollte? Bitte gib der Einladung ihr Selbstbewusstsein zurück und nimm sie an.“

Wie man sieht, hat SpreeSee diese Woche viel zu tun. Berichte folgen!

Unser Berlinale-Favorit…

…wäre aus persönlicher Verbundenheit ohne Zweifel sowieso „Shahada“ von Burhan Qurbani. Schwaben-Connection unter sich!

Klüngelei ist hier aber völlig überflüssig, denn ganz objektiv betrachtet ist dieser Film schlicht und ergreifend eine Wucht. Als ich die Ehre hatte, ihn vorab zu sehen, verschlug es mir  immerhin für mehrere Stunden die Sprache, so stark war diese exzellente Kost. Und das will schon was heißen.

Am 17.2. 2010 ist Premiere und ich kann nicht anders als den Film jedem dringend zu empfehlen:

Als routinierte Theoretikerinnen der Postmoderne lehnen wir hier ja üblicherweise ab, den Autor sein Werk selbst deuten zu lassen, für Burhan machen wir aber eine kleine Ausnahme. Schließlich ist er eloquent und intelligent genug mehr zu sein, als nur der Posterboy des Migrationshintergrunds, zu dem ihn viele gerade gerne stilisieren möchten.

Maya maynt: Reingehen und Daumen drücken, dass Jury und Publikum nicht blind und taub sind!

Schwedische GEZ

Wie bei Elfyourself hat man bei dieser neuen Werbekampagne der Schwedischen „GEZ“ die Möglichkeit, sich unsterblich zu vermedialisieren..

Hier seht Ihr meinen größten Helden aller Zeiten (einfach aufs Bild klicken und Film anschauen):

Fenster zur Straße – ein Weihnachtsmysterium

Die Gans ist verspeist, die Geschenke sind ausgepackt und die Plätzchen dezimiert: es ist der 1. Weihnachtsfeiertag und man liegt zufrieden auf dem Sofa, zieht sich das absurde Weihnachtsfernsehprogramm rein und weil das so einschläfernd ist, schweift der Blick zum Fenster hinaus.

Und was erspähe ich da? Einen Schmuck, der den Lichtmüll auf Landstraßen im letzten Jahr noch an Seltsamkeit übersteigt:

Gefiederte Flügel im Fenster

Und da beginnt schon die Traditon des Weihnachtsrätsels in mir zu arbeiten. An was erinnert diese Form noch gleich? Natürlich: was da aussieht wie harmlose Engelsflügel, erinnert im Dunklen doch ganz stark an das Markenzeichen eines irdischen Helden: Batman!

Handelt es sich beim Fenster gegenüber tatsächlich nur ein Weihnachtsschmuck oder doch ein Hinweis darauf, dass Stuttgart nichts geringeres als Gotham City ist?

(Übrigens, das knutschende Pärchen unter dem doppeldeutigen Symbol ist mir erst nach der fotografischen Dokumentation aufgefallen. Die werden mich jetzt wohl für immer als Spannerin abgestempelt haben)

Die traurigste Feuerzangenbowle der Welt

…ist eine, die mit diesem Single-Bowle-Set zubereitet und getrunken wird. Wer macht denn so was und wer sollte das kaufen wollen?
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Das überflüssige Ein-Personen-Feuerzangenbowle-Set

Die Feuerzangenbowle ist per se ein Getränk, das in Gesellschaft getrunken werden muss und keines mit dem man sich einsam einen reinlötet. Den warmen wohligen Rausch von innen haben Chloe und ich in unseren frühen Studentenjahren häufig und gerne genossen und zwar mit unzähligen Mittrinkern aus dem krassen Gegenteil dieser schäbigen Einzeltasse da oben – aus einem riiiiiiiieeesigen Topf. Schließlich ist die Feuerzangenbowle DAS Getränk im Tübinger Winter. Man genießt sie zum Openair-Screening des gleichnamigen Films auf dem Haagtorplatz gemeinsam mit der halben Stadt.

Beim Gedanken an den historisch gekleideten Schankwirt, der die Leiter erklimmt,  um einen wahren Zuckerberg mit Rum zu tränken und ihn dann in den wunderschönen blauen Flammen schmelzen zu lassen, wird mir sofort ganz warm ums Herz. Chloe liebt es, meinen verklärten Blick zu imitieren, den ich regelmäßig aufsetze, wenn ich an dieses Ereignis denke. Hach – wie war das immer schön! Natürlich machten wir damals, wenn der Film vorbei war, noch an diversen Orten gerne weiter mit der „Sonne von innen“, gerieten oft in übermütige Laune, lieferten uns Wortgefechte mit anderen Punschtrinkern und lachten uns schlapp.

Das alles sollte man sich entgehen lassen – einsam und alleine vor der Einzeltasse hocken?

Liebe Leute, leiht euch den Film oder wenigstens eine Heinz-Rühmann-CD, macht nen großen Topf voll und ladet Freunde ein – nur so kommt man in die richtige Feuerzangenbowle-Stimmung!

Sag zum Abschied leis‘ Ahoi

Und ich hatte schon Angst, Harald Schmidt würde bald den Quotenwächtern zum Opfer fallen, seit er am 17.9. in Höchstform zurückgekehrt ist! In seiner ersten Show ohne Pocher – dafür mit mehr Bart, Anspruch, neuem Ensemble und einem Wahnsinnstempo sowie eindeutig Theater-geschultem Timing – ging es schließlich hoch her mit dem geisteswissenschaftlichen Namedropping.

Ob sie ihn das so weitermachen lassen? Mit Foucault, Groys, Andrea Breth und Co. kann doch nun wirklich nicht jeder was anfangen!

äußerte ich meine Befürchtungen nach der Premiere, die ich zwar großartig fand, aber eben auch einen gigantischen Sprung zu weniger Massenkompatibilität denn je, schließlich war die zwar schon immer gering, aber zuvor hatte Pocher mit Boulevard und Fußball eben einfach gestrickte Hauptthemen in der Show groß gehalten.

Ach was – da ist schon noch genug drin, auch für Leute, die nicht mit Poststrukturalismus- und Medientheoriebüchern ins Bett gehen.

suchte Charly – dem es ebenfalls gefallen hatte – mich zu beruhigen.

Die Kritiken fielen gemischt aus, einer mag die neue Truppe, der andere nicht und das Phänomen Bauerfeind – die die einen für die Rettung des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens und andere für ein einziges Missverständnis (mehr dazu im Tagesspiegel) halten – steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt. Ich hab auch noch nie so ganz verstanden, was die Leute soooo toll an dieser alles in allem recht durchschnittlichen NETTEN Erscheinung finden. Ihr einziges Pro, die authentische Natürlichkeit, wirft sie bei Schmidt auch noch über Bord – wir werden sehen, wo das hinführt.

Insgesamt war doch einhellig eine Hinwendung zur politischen Satire, zur Inszenierung nach Theaterregeln verzeichnet worden, genauso wie alle Rezensenten sich gemeinsam wunderten, dass kein einziges Mal der ehemalige Partner erwähnt wurde.

Wann kommt denn nun der Abschiedsgruß an den Ex? Wann wenigstens ein kleiner fieser Seitenhieb?

fragte ich mich auch gestern, den Großteil der zweiten Sendung über. Nichts – außer dass der selbsternannte Kultur-Opi Peymann (von dem ich übrigens im Fernsehen zu Recht überhaupt nichts erwartete, da er seit Jahren am BE seinen Status Quo nur innovationslos verwaltet) seine Befürchtung äußerte, Schmidt wolle ihn zum neuen Pocher degradieren.

Und dann kam es – ganz am Ende – verpackt in eine Neuauflage des Grass-Klassikers „Die Blechtrommel“, der ultimative Abschiedsgruß und die Rückkehr des Boulevards!

Die berühmte Brause-Szene sollte nachgestellt werden, Schmidt als Oskarchen und eine Zuschauerin als Kindermädchen. Das können sie doch nicht machen, dachte ich mir, irgendeine Frau dazu nötigen, sich von Schmidt den Bauchnabel lecken zu lassen…mussten sie auch nicht, denn in die Fußstapfen von Katharina Thalbach, die in Schlöndorffs Film als Maria das Brausespiel erfand, trat doch glatt Monica Ivancan.  Die harmlos sympathische Blondine müsste man jetzt nicht kennen, wenn Pocher sie nicht medienwirksam für die Karikatur einer publicitygeilen Tennisspieler-Exfreundin verlassen hätte, mit der er gerade eine Familie gründet.

Die Szene wurde nachgestellt, alles andere als originalgetreu natürlich, dennoch ist die intellektuelle Einbettung des Grußworts an Pocher gewährleistet und ausgerechnet für die boulevardaffine Berliner Morgenpost aus dem Hause Springer, war die Nummer gar so subtil, dass sie in der heutigen Kritik den Hintergrund nicht einmal erwähnen:

… erreichte ihren Höhepunkt, als anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Günter Grass’ „Blechtrommel“ berühmte Szenen der Verfilmung nachgestellt werden sollten. Schmidt selbst schlüpfte in die Rolle des kleinen Oskar und leckte einer auf seinem Schreibtisch liegenden Zuschauerin Brausepulver aus dem Bauchnabel.

Maya maynt: was für ein Spaß – der Herbst kann kommen, zumindest am Donnerstag ist für Abendunterhaltung gesorgt!

Lekkar-Lakers-Playlist

Chloe muss in Ermangelung ausgefallener Küchen selber auf dem Land kochen. Ihre Leidenschaft für Fleisch und Süßspeisen wollte das extrovertierte Wesen aber gerne mit jemanden teilen. Alleine isst einsam! So gründete sie ein kleines Koch-Trio aus dem mit den Jahren nun eine elitäre Lekkar-Lakers-Landsmannschaft geworden ist. Chloes Back-Office namens Robby rettet sogar die festgebackensten Muffins aus der Form für sie!

Ein freimauerisches Ritual, die Übergabe des Cointreau-Wanderpokals, bestimmt wer als nächstes seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen muss. Der Wanderpokal dient ferner zum Flambieren jeglicher Nachspeisen. Vor dem Luftflambieren (die Spirituose wird im Mundrachen gezündet) ziert sich Chloe jedoch heute noch. Zurückhaltung und Bescheidenheit sind ansonsten in den Clubstatuten ausdrücklich ausgewiesen! So gehört es von Treffen zu Treffen dazu, sich gegenseitig mit Mahl und Muse zu übertreffen!

Beim vorletzten Essen ward beispielsweise Sushi das Thema. Der Gastgeber ließ stilecht nebenher japanische Werbejingles im Fernsehen laufen. Dafür hatte er die Clips auf sein iPhone heruntergeladen, eine Fernsehschablone darüber geklebt und mächtig Eindruck geschindet! Beweisfoto anbei.

sushifernseher

Noch toller wäre es natürlich gewesen, wenn er Sushi in der Größe eines Fernsehers gerollt hätte…

Beim letzten Essen handelte es sich nun um einen Debütanten-Auftritt. Der gute Peter hatte zu seiner Lekkar-Lakers-Premiere geladen. Als Maya und ich das Gericht „Mont Ventoux googeln und mit Erschrecken erkennen mussten, was da alles an Fleisch verarbeitet wird, kam spontan die Idee zu einer Compilation namens „Feinstes Fleisch“ auf. Peter zu Ehren wurde also als Überraschung eine Playlist zur Auflockerung zwischen den Fleischbergen erstellt. Weiterlesen