One Weekend @Casa SpreeSee

Im letzten halben Jahr haben die SpreeSee-Damen in ihrer WG einige lustige Traditionen eingeführt. Freitag abends steht Chloe beispielsweise vor der Haustür und versucht erfolglos die Tür aufzuschließen, da Mayas Schlüsselbund von innen im Schlüsselloch steckt. Entweder chlopft Chloe, chlingelt Sturm oder ruft im Extremfall auf dem Handy an, damit Maya ihr die Tür öffnet.

Was dann folgt ist für Unbeteiligte sicherlich die reinste Qual:

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Is this my life?

Eines meiner absoluten Lieblingslieder ist das Stück „Once In a Lifetime“ der genialen Band Talking Heads. David Byrnes Spießbürger läuft eines Morgens Amok beim Anblick von Frau, Kind und Garage: Is this my life?

Heute hörte ich zum ersten Mal Soirée mit „Day to Day Life“.

Ist das die Moderne? Der spröde Büroroboter namens Mensch fängt das Melancholieren ob eines Kühlschranks an, in dem es keine Milch mehr gibt. Wow, so weit sind wir also gekommen: Keinerlei Beziehungen oder Verpflichtungen – weder emotional noch materiell – belasten uns. Lediglich die Abwesenheit einer Flasche Milch! Die minimalistische Beschreibung des Tagesablaufs gleicht einem Gruselkabinett… Schreien ist nicht mehr nötig, um die Spießbürger aufzurütteln. Der Text haut rein!

Guten Morgen, Wien!

Obwohl ich jetzt seit einem Monat in Berlin bin, höre ich weiterhin meinen alten Seesender FM4. Und heute Morgen traf dieses Lied meine Stimmung:

Die Worte der Band Garish und das Frühlingswetter und die Wochenenderinnerungen, ach, und alles, erwacht in Chloe…

Eisenherz

Augen himmelwärts

das hat weh getan

Rost ums Eisenherz

war wohl Schuld daran

Seis drum hier meine Hand

willkommen an Land

Und damit genug

Du lebst ja noch

Ausgespuckt doch adrett

Bauchlandung komplett

denn wenn Dir was greift

die Leidenschaft

bringt Dich wieder auf Kurs

sie spendet Dir Durst

und damit versorgt zum nächsten Fall

Achtung – Seele

Wer will Reisende stören

der kriegt was zu hören

das ganze Programm,

das ganze ein Fall von höherer Gewalt

Geschmack von Asphalt

und damit versorgt zum nächsten Fall

Achtung – Seele

Darf Liebe Trauer sein?

Ja! Ja! Und nochmals ja! Wenn der hinreißende Retro-Dandy David beim Lied Wo bist Du bitterweh „ich liebte Dich“ tönt, suhlt man gerne im Liebesschmerz mit. Und mit dem Stück Ich bin traurig chlaubt Chloe ihren persönlichen Sommerhit für 2009 – der Hopfen ist ja schon auf Halbmast! – ausgemacht zu haben. Heute morgen lief der Titel erneut auf FM4 auf meinem Weg zur Arbeit.

Wie kann eine Band, die so melancholisch kitschig den Schlager der 20er/30er Jahre NDWisiert, nur ernsthaft Tanz Baby! heißen? Kritisch hörte sich daher Chloe, die Chansonier vom See, in das Album Liebe für Euch rein.

Und plötzlich geriet, ohne jegliche Vorahnung!, mein tanzfreudiges balkanesisches Migrationshintergrundsblut beim Auftakt zu Träum kleines, träum völlig in Wallungen.

Ach, Maya, mein big city maniac, hör mal, wie die Jungs Singles wie mir mit Andauernd verliebt aus der Seele singen („ich bin andauernd verliebt / doch die eine find ich nie“)! Der Songwriter Mu bringt mit seiner schmähigen Sachlichkeit die Mühsamkeit der Modernität auf den Punkt.

Und mal im Ernst, wer ist nicht in den Sänger David verliebt! Ich schmachte meinem zeitgeistigen Richard Tauber des 21. Jahrhunderts hinterher… und sehne ein Treffen herbei. Die Jungs sind zum Glück noch so unbekannt, dass sie an Orten mit ihrer Heimorgel orgeln, die für Chloe innerhalb von einer halben Stunde erreichbar sind. Vienna kommt am 11. September nach Dornbirn. Twin-Tanz statt Twin-Tower im Spielboden! Chloe hofft, dass sie bei dem Anblick nicht in Ohnmacht fallen wird… „Ist das die Liebe, ist das die Liebe, bist das Du?“

Liza, ich will einen Rasenschnitt-Protest-Bossa von Dir !

Frag nicht, was die Provinz für Dich tun kann. Frag, was Du für die Provinz tun kannst! Maya, die bei ihrem Debütantinnen-Dienst am letzten Sonntag gleich was für ganz Europa tat, beschreibt meine Mission am See wie folgt:

Chloe versucht im Kulturverein dem See ein wenig cineastisches und dramatisches Seelenfutter zu kredenzen.

Kredenzen? Naja, in der Tat schenke ich den Leuten einfach nur reinen Wein ein. Zumindest bei meinem zweiten Kultur-Standbein, dem Theater, beschränkt sich das Ehrenamt auf den Thekendienst. Ich suche mir jedoch meinen Arbeitseinsatz nie nach Vorlieben aus. Ganz im Gegenteil, meistens stürze ich mich völlig unvorbereitet in den Abend und lass mich von Bands wie Esha Ness positiv überraschen. Aber oft sind auch Lesungen oder Theaterstücke dabei, bei denen ich selbst ordentlich was trinken muss, um ob meiner drohenden Hybris die darstellenden Skurrilitäten unbeschadet zu überstehen. So sehr ich zum Beispiel die Leistung der Bodensee Players

Our amateur theatre group (mostly native speakers) presents plays in the English language for the Bodensee region.

schätze, kann ich es jedes Mal einfach nicht fassen, dass die Hauptrolle eigentlich die Souffleuse spielt. Im Eifer des Gefechts wurde schon mal ein halber Akt gestrichen… Meine Wut lasse ich nicht nur am Wein aus. Zwischendrin halte ich meine Freunde über mein iPhone up to date. Muckie, deren Kollegin bei den Bodensee Players mitspielt, stichelt dann auch gerne:

Chloe: Murdered to Death @Atrium Theater ! Das Stück ist wirklich tödlich! Provinztheater! Aaaaaaaaaah!

Muckie: Erstmal nachmachen Madammchen!

Chloe: Ne, Ne, Comtesse! Manche Sachen überlässt man lieber Profis. Ich lasse mir ja auch nicht von nem Schauspieler nen Zahn ziehen.

Am Freitag, dem 29. Mai hatte ich nun also mal wieder Dienst. Wie immer kam ich zu spät los von der Arbeit und kassierte erstmal eine gehörige Standpauke von den Heavy Volunteers (Hausfrauen und Lehrerinnen), die in der letzten Vereinssitzung eine neue Satzung zur Anwesenheit bestimmt hatten. Dabei stand ich eh wieder eine halbe Stunde blöd herum, da nichts zu tun war. Die Band kam auch zu spät, da sie den Pfingstreiseverkehr völlig unterschätzt hatten – bei mir ernteten sie somit tausend Sympathiepunkte! Der Soundcheck wurde parallel zur Eröffnung der Abendkasse in Jogginghosen gestartet.

Meine männliche Begleitung hatte mich aufgrund spießbürgerlicher Pflichten sitzen lassen. Dafür rief Muckie noch rechtzeitig an und fragte, was Hotel Bossa Nova denn für eine Truppe sei und was sie sich unter Bossa Nova vorzustellen habe. Ich – nur Maya weiß, wie ungern blöd Chloe Lieder in größter Verzweiflung nachsummt – erbarmte mich also und zwitscherte vor allen Anwesenden laut in den Hörer hinein:

Paam – pampaamam – pam pam – papaamam… – erkennst Du das nicht? Das ist der berühmteste Bossa, den es gibt: The Girl From Ipanema

Immerhin ließ sich Muckie trotz meines Gestammels nicht von dem Konzert abschrecken und schaute mit ihrem Bruder Fox vorbei. Fox war ob der Gestalt der hübschen sowie temperamentvollen halb indischen, halb portugiesischen Sängerin Liza da Costa, die sich nach dem Soundcheck noch schnell ins kleine Schwarze geschwungen hatte, völlig hingerissen. Sogar die weibliche Thekendame neben mir musste später an Liza loswerden, dass sie sie total um ihre schönen Beine beneide.

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Die widerspenstige Liza

Chloe chrübelte hingegen… Woher kannte sie bloß diese Stimme? Auch das Gesicht erinnerte sie irgendwie an ihre Jugendzeit. Und plötzlich summte es aus dem Unter-Chloe:

Eyo, Captain Jack!

Chlaro, das war die Frau an der Seite von Captain Jack! Wow! Und nun dieses klasse Quartett aus Wiesbaden! Ab sofort lauschte ich noch intensiver den Jazz-Bossa-Klängen, um mich komplett von der Musik fesseln zu lassen! Ich liebe ja Menschen mit Brüchen. Die Dissonanz gebiert Schönheit. Und außerdem fand sich auf der Bühne auch noch der meta-musikalische Brückenschlag zwischen Maya – Einflüsse des melancholischen Fados sind der Spiegel zum Blues, den sie an der Spree gerne bekommt – und der Chansonier Chloe – die am Bossa die Lateinamerikanische Leichtigkeit liebt – ein.

Liza erzählte in einer furchtbar kecken Art vor jedem Stück kurz den Inhalt nach. Bei O Pato, einem Stück von der ersten CD „Ao Vivo“, das irgendwie mit Enten zu tun hat, rief ich meine verhinderte Begleitung an und ließ ihn mitlauschen. Während ich in der Pause arbeiten musste, schickte ich Muckie vor, um für mich eine CD bei Liza zu kaufen, die für meinen Bossa-Schwänzer und iPhone-Schwarzhörer signiert sein sollte.

Nach der Unterbrechung ging es fürs Publikum mit Eigenkompositionen aus der neuen CD „Supresa“ weiter. Ganz, ganz großes Kino! Apropos Kino, Muckie nutzte die Pause, um schnell nebenan den Film für den nächsten Tag einzulegen. Als Liza auch noch einen Protest-Bossa ankündigte, war Revoluzzer-Chloe, die größte Anhängerin vom FM4-Protestsongcontest, völlig hin und weg von der Band.

Nachdem sich meine Augen an der Frontfrau satt gesehen hatten, entdeckte ich zu meiner Verwunderung den hinreißenden Gitarristen Tilmann Höhn. Ein völlig unscheinbarer bis konservativer Mensch mit der Ausstrahlung eines Studienrates, den man auf der Straße nicht eines Blickes würdigen würde. Aber auf der Bühne zupfte er Saiten-Sex zusammen! Allein beim Zuschauen überfiel einen plötzlich die pure Lust, diesen leckeren Mann aufzufressen. Den Korpus seiner Gitarre behandelte er wie eine Rubens’sche Frauensilhouette. Er tätschelte seiner Eroberung zum Rhythmus auf den Hintern! Beim Zuhören verbrannte man sich fast die Finger…

Bei der Ansage zum nächsten, etwas düster kriminellen Stück fragte Liza in die Runde rein: „Gibt es dunkle Ecken in Friedrichshafen? Jede Stadt hat dunkle Ecken. Vorhin hörte ich aus dem Publikum, dass heute jemand nicht anwesend sein kann, da er Strafmähen muss. Der Rasen sei schon einen Meter hoch! So sehen also die dunklen Ecken in Friedrichshafen aus.“

Hä? Woher wusste Liza, dass meine Begleitung in der Tat aus diesem Grund nicht mit konnte? Blick zu Muckie… Aha, sie hatte das beim CD-Kauf ausgeplaudert. Ein lustiger Abend durch und durch.

Jedenfalls möchte ich zum Abschluss noch zwei Resümees ziehen.

1. Superstars sollten besser bei Captain Jack als Dieter Bohlen in die Lehre gehen.

2. Maya, wir haben ein schönes neues Wort geschenkt bekommen: RASENSCHNITT. Schau mal, was in der Tür des pflichtbewussten Rasenmähers trotz Bossa-Verzichts steckte, als er nach der Pfingstradtour wieder zu Hause ankam.

Spießerrüge

Spießerrüge

Auf so nen Spießer-Schock zogen wir uns erstmal etwas Bossa rein. Die CD habe ich sicherlich schon dreißig Mal angehört und sie wird nur von Minute zu Minute interessanter. Wiesbaden hat Weltformat gezeigt! In Friedrichshafen wird derweil weiter Rasenkanten getrimmt und der Rasenschnitt (ich darf nicht verraten wo!) entsorgt…

Der eingebildete Albaner

Mayas „Ätsch!“ war nicht unbegründet. Chloe fror über Ostern tatsächlich in Barcelona, während am Schwabenmeer Hochsommertemperaturen aufwarteten (den Bikini brauchte ich in Spanien erst gar nicht auszupacken!). Der Wind, der Regen und die Kälte hielten die zwei deutschen Touristinnen aber nicht vom Sightseeing & Feiern ab. Die Rache kam nach der Ankunft in Deutschland – vor dem Flug gab es noch Tomatensaft am Flughafen gegen den Kater. Höllische Kopfschmerzen, kratzender Hals und verdichtete Nase. Direkt nach dem traditionellen Spargelessen mit meinen Stuttgarter Freundinnen schlief ich vor Ort auf der Couch ein. Der Martini wurde auf dem Balkon ohne mich getrunken. Chloes sonore Nase untermalte den lauen Sommerabend mit einem leichten Soundtrack für die Freunde…

Am Ostermontag begab ich mich mit dröhnendem Schädel auf die Heimreise. Ich hatte mir extra eine Zugverbindung „ohne Umsteigen“ herausgesucht. Dann diese Konversation mit dem Schaffner:

Schwäbischer Schaffner: „Ihre Fahrkarte bitte!“
Chloe reicht die Fahrkarte.
Schwäbischer Schaffner: „Wie lautet denn Ihre Endstation?“
Chloe in ein Taschentuch trotzend rotzend: „Meckenbeuren.“
Schwäbischer Schaffner eiskalt: „Dann müssen Sie nun in Göppingen aussteigen. Mit dem Baden-Württemberg-Ticket dürfen Sie nicht im InterCity fahren.“

Der Schädel pochte und ich kochte innerlich! Die Chose hatte ich schon auf der letzten Berlin-Rückreise. Aber da handelte es sich um einen ICE. Das versteh ich ja noch. Aber warum darf ich nicht mit dem popeligen IC an den See??? Eine Stunde stand ich ohne Aspirin am Bahngleis und sehnte mir die Bummelbahn herbei. In „Mekka“ wartete mein Chauffeur in FlipFlops auf mich. Am See hatte während meiner Abwesenheit alles zu blühen begonnen! Der Frühling ist rosa-weiß-rot eingebrochen!

Durch den Mund atmend schrie ich entsetzt bei all der wohligen Wärme um mich herum: „Fuck, Barcelona!“ Und in dem Moment lief auf FM4 ironischerweise „Blue Period Picasso“ von Peter Bjorn and John. Nein, Barcelona war natürlich toll, nur habe ich mir die Erkältung meines Lebens zugezogen. Vor Kopfschmerzen liefen mir sogar die Tränen… Zum Glück konnte mein Chauffeur eine Bouillon für die nicht eingebildete Kranke kochen. Das öffnete mir etwas die Augen und ich vermochte doch, den Tatort anzuschauen. Zwischenzeitlich musste ich mich ob fiebriger Hornhaut vom Bildschirm wegdrehen und mir die Szenen vom Chauffeur nacherzählen lassen.

Trotz massiven Immunsystemeinbruchs habe ich jedoch mitbekommen, was gleich zwei Tatort-Rezensenten entgangen ist! Nicht ein einziger waschechter Albaner war im Tatort als Rolle niedergeschrieben. Maya! Deine Rezension war zwar wie immer genial und traf auch meine Rezeption, aber wie konnte Dir dieser Fehler unterlaufen??? All die Politikseminare während unseres Studiums? Maya, alles ignoriert? Die schöne Systemtheorie, unsere Referate mit Dokumenten von Zeitzeugen, meine niemals vollendete Hausarbeit… Stepan Istjevic ist doch der Feind der Kosovaren! Wie kann der ein Skipetar sein? Istjevic will als Anhänger des Großreichs Serbiens lediglich das Amselfeld zurück.

Aber Dir, liebe Maya, verzeihe ich ja alles. Beim zweiten Rezensenten kommen mir jedoch fast die Lachtränen. Wie kann ein Slave den Serben „Istjevic“ mit einem Skipetaren verwechseln?

Ebenso wie der böse Vermittler Stepan Istjevic (ein grotesk geschminkter und alles andere als albanisch wirkender Victor Choulman) irgendwo doch noch einen Funken Anstand besitzt. Istjevic geht es eigentlich nicht um Geld, sondern ums „Vaterland“.

Oh, hier scheint ein Kenner unterwegs zu sein. Ein moderner Anhänger der Physiognomie! Wie sieht denn ein echter Albaner aus? Und welches Vaterland rechnen wir diesem Phänotyp zu? Ist das Vaterland eines Kosovaren Albanien? Tja, das passiert, wenn man seine Bildung aus dem Fernsehen hat. Allein über die Famija Moderne oder den Tatort erklärt sich die Welt nicht… etwas Menschenkenntnis und Empathie kommt immer gut.

Und seit wann hat das „Vaterland“ nicht auch was mit Geld zu tun? Jedes Hektar Land bedeutete von jeher Macht und Geld. Manche opfern gar ihre eigenen Kinder dafür… und ob das Amselfeld das „Vaterland“ eines Serben ist, ist so oder so ein spannender Diskurs. Diese Metaebene scheint allen entgangen zu sein. Chloe ist zumindest die zivilisierte Generation der iPod-Jünger lieber als die mit Hass gegen Ethnien erfüllten Teenager auf dem Balkan. Jede Münze hat zwei Seiten!

Philosophierende Elefanten !

Chaos-Chloe fühlt sich stets „Kaputt, aber glücklich“. So auch am Sonntag auf der Rückfahrt nach dem SpreeSee-Gipfeltreffen in Stuttgart gen See. Je näher ich mich mit dem Leihauto (der Blog-Eintrag zur Agonie meines Kampfpolos folgt noch) dem Schwabenmeer zubewegte, desto intensiver lockten die österreichischen Radiowellen mit FM4-Klängen. Und plötzlich vernahm ich ein paar lustige Zeilen, die mich vorerst an den gemeinsamen Abend mit Maya als DJ Crew unter einem eigentlich unsäglichen Publikum erinnerten:

die bar ist scheiße
das bier ist warm
die musik ist schlecht
und jedes mädchen hat en freund im arm

Stopp! Die Musik war natürlich nicht schlecht – Schnapszahl-Charly legte ja auf. Wenn die Musik schlecht wird, hüpft die kleine Maya sonst mit den Füßen trotzig aufstampfend durch den Club und schreit: „Die haben was gegen Musik!“ So passiert im Rodeo und nie vergessen, meine Liebe! Aber jeder Abend hat seine Wendungen und auch dieses Lied wartet mit einer historischen Überraschung auf:

doch dort drüben steht ein alter mann
wie nicht abgeholt seit über hundert jahren
wir kommen ins gespräch
ich frag ihn wie er heißt
noch bevor er antwortet
weiß ich es bereits

denn das ist wittgenstein
das alte haus
er meint er müsse auch
mal wieder vor die haustür raus

das war die nacht
in der mir wittgenstein sagte,
dass die welt so nicht existiert
das war die nacht
in der mich wittgenstein fragte
nach meiner lebensphilosophie
sag hab ich die?

Chloe, selber eine große Philosophin durch und durch, lauschte entzückt dieser lustigen Mischung aus Chanson und Indie. Wer bei Elefanten immer noch an den bescheuerten Ottifant denkt, kann abdanken! Mit der Entdeckung von „Kommando Elefant“ sind Rüsseltiere ab sofort Revoluzzer rockend rot:

 

Auf das hier in Versatzstücken zitierte Stück „Wittgenstein“ hätten Maya & Chloe sicher schon zum Grundstudium getanzt. Jedenfalls werde ich auf der nächsten Party am See – mit oder ohne Philosoph – den Abgesang auspacken, wenn ich der Friedrichshafener Szene ob der provinziellen Kontraktionen kopfschüttelnd gegenüberstehe:

ich glaube kaum
fühl mich so leer
ich fühle mich nicht leicht
ich fühl mich auch nicht schwer

ich glaube
nein
ich glaube kaum
ich bin nicht licht
ich bin auch nicht raum

Tja, Maya. Es kann ja nicht jeder Peter „Licht“ sein? Aber kennst Du einen Peter Raum? Den letzten Reim versteh ich kaum…