Die Schattenseiten des Lenz: Chloe Lonely

Es blüht und sprießt passend zur Jahreszeit und überall springen Chloe verliebte Pärchen vor die Heuschnupfen geplagte Nase. Auch mein Junggesellen-Kollege kommt jeden Montag mit mieser Laune aus dem Wochenende zurück ins Büro. Der Frühling stresst: „Die Liebe ist eine Prostituierte und ihr Rotlichtmilieu befindet sich in Parks, auf Rathausplätzen und in Straßencafés. Am besten man sperrt sich zu Hause vor den knutschenden, Eis essenden Liebespaaren oder den viel zu kurz gekleidete Mädchen weg.“ Der Junge hat den „No-Balz-Blues“… und wir sitzen beide mit Hormon-Stau vor unserem Rechner.

Auch meine Gastgeberin am See beschwerte sich letztes Wochenende während meines Besuches in der alten Heimat über die Frühlingssirenen: „Diese fiese Sonne nötigt einen zu guter Laune. Ständig fühlt man sich dazu getrieben, aktiv zu sein. Ich war neulich richtig befreit, als das Wetter wieder schlechter wurde!“ Sie singt die Single-Sonate… und wir beide schreiben uns während der Arbeit aufmunternde SMS.

Maya wurde in letzter Zeit so hibbelig wuschig – von ihrem Wortschatz ganz zu schweigen! – dass sie kurzerhand den Osterhasen um Charly bat. Aber sie scheint trotz seiner Anwesenheit an der Spree immer noch über genug überflüssige Energie zu verfügen, um weitere Gegenstände in der Wohnung zu zerstören. Vielleicht sollte ich ihr zum Geburtstag doch einen Sandsack zum Reinboxen schenken. Sie gab neulich selbst zu bedenken, dass sie der Übermut-Arie Einhalt gewähren müsse.

Und Chloe?

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Endlich Eiszeit!

Zunächst war er gar nicht zu erkennen, nur die unglaublichen Schülermassen, die sich derzeit wieder auf Klassenfahrt durch Mitte drängen, waren Vorboten und dann schließlich wurde er immer greifbarer, mehr Sonne, weniger Kälte und jetzt ist er da!

Je länger er auf sich warten lässt, desto offizieller und euphorischer muss man ihn begrüßen – die Rede ist, ganz klar, vom Frühling.

Noch unter schwäbischem Einfluss stehend trällere ich daher:

Ach Chloe – der Lenz ist schee…

Aber natürlich reicht das nicht, zur offiziellen Frühjahrserföffnung traf ich mich daher bei strahlendem Sonnenschein mit Jost Lars Soederbaum im herzallerliebsten Kauf dich glücklich (shoppen und Eis essen – gibt es eine perfektere Kombination?), um das erste Freiluft-Eis des Jahres zu genießen. Ziemlich spät im Jahr – nämlich Anfang April. Dabei beglückwünschten wir uns zu unserer  autonomen Lebensweise, die es uns erlaubte im Café unter all den freien Tischen zu wählen und ganz ohne Schlange zu stehen an die kühle Leckerei zu kommen. So stachen wir selbst die Kinder aus, die erst nach beendete Kita-Zeit alle auf einmal herbeiströmten!

Ein weiteres untrügliches Zeichen für die Anwesenheit der freundlichen grünen Jahreszeit: die Eis-Lutscher-Dichte auf der Kastanienallee geht an die 80% und nicht nur die Menschen, auch die Häuser können die Finger nicht von der Waffel lassen:

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Weil wir um halb sechs nach dem vielen Eis im Bauch und an den Häusern dann doch langsam kalte Füße bekamen, brachen wir den Frühlingsempfang ab und beschlossen, der folgenden Jahreszeit auch gleich mal so richtig Feuer unterm Hintern zu machen, damit sie nicht auch so lange auf sich warten lässt!

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Nach der Eis- haben wir schnell auch gleich die Grillsaison eröffnet… Das scheint – wenn mich mein Blick aufs Wetterpixie nicht täuscht – derzeit für Berlin sogar näher zu liegen, als für das maritime Barcelona, in dem Chloe derzeit die Cava-Vorräte dezimiert. Da sieht es nämlich gar nicht so sommerlich aus. Ätsch!

Frühlingsstrahlen auf Schnapsleichen

So schnell kann es gehen – letzte Woche taumelten wir noch durchs nächtliche Schneetreiben und meine Ausnüchterung wurde durch das wenige und kurz andauernde Tageslicht kaum gestört und nun kehrt dieses Wochenende pünktlich zum neuen Monat März eine Frühlingsahnung in Berlin ein.

Während die verrückte Chloe mit Gittern unter den Füßen durch die Alpen tobt und ihre Mitstreiter unter die Schneebar trinkt, kann selbst ich – das ausgesprochene Nachtschattengewächs – den Kater nicht mehr gemütlich in der Wohnung ausschnurren lassen. Zu sehr locken die Sonnenstrahlen. „Hinaus hinaus“ rufen sie. Also ist flugs ein hübsches Sonntagsprogramm aufgestellt. Allerdings, was man da zu sehen bekommt, ist dann doch wieder ein Plädoyer für die häusliche Erholung am siebten Tag.

Station 1, 15 Uhr: Der Carpet Flowmarkt im hippsten Mitte Hype Laden .hbc.

Eine Traube von übernächtigten durchgefeierten und mit allen möglichen Substanzen infizierten Partyleichen hängt auf dem Treppenabsatz ab, raucht, trinkt Kaffee oder noch ein letztes Bier. Drinnen ist es furchtbar warm, riecht aber lecker nach Waffeln. Erst geht es noch elektronisch zu, doch mit dem Wechsel des Publikums – von ganz jung und noch wach zu den schicken junggebliebenen Paaren, die jetzt schon wach sind, weil sie inzwischen Kinder haben, aber immer noch ganz cool sind und wissen, wo man sich zeigen muss – wechselt auch die Musik und plötzlich schmachten sich Barbara Streisand und Barry Gibb an. Kitsch lass nach! Verkauft wird auch nichts wirklich Spannendes und in 10 Minuten bin ich wieder raus aus der Sache. Außer Pose(r)n nix gewesen. Schließlich scheint mir ein Fischbrötchen von nebenan doch das einladendere Essen zu sein als die angebotenen Snacks an der improvisierten Flohmarktbar.

Sation 2, 15.20 Uhr, Nordsee.

Das mit dem Fischbrötchen sehe nicht nur ich so, sondern auch der Querschnitt aller Sonntagsflaneure, deshalb muss ich jetzt ewig anstehen und kann mich nochmals davon überzeugen, dass mein Eindruck richtig war. Ein letzter Blick auf das ins hbc strömende Publikum festigt die Meinung, hier ist einfach jedes Mitteklischee vertreten. Schön, wenn man sich in der Sonntagskaterstimmung wenigstens an solchen Schubladen festhalten kann.

Station 3, 15.30 Uhr, Unter den Linden und Lustgarten.

Da ich mich jetzt aber schon einmal hinausgewagt habe und der erste Märztag erstaunlich warm ist, lasse ich mich von dem Touristengemisch weitertreiben, denn von da drüben hinterm Dom locken die weiß-roten Budendächer der Flohmarktausgabe für das Normalo-Publikum ohne Party- und Medienhintergrund. Was da an Waren feilgeboten wird, ist genauso unspannend oder noch schlimmer als der Kram in Station 1, nur dass einem die Leute nicht ganz so verpeilt vor den Füßen runlaufen. Dafür sind die Preise schlicht und ergreifend unverschämt. Ich weiß nicht, wer für olle Insel-Taschenbuchausgaben 5 Euro hinlegt, es kann aber nur bedeuten, dass hier ganz knallhart mit der verminderten Denkfähigkeit der Flaneure am Sonntag kalkuliert wird. Und wer hängt sich eigentlich all diese bunten und hässlichen Bilder der hiesigen Künschtler in die Wohnung?

Lichtblick an diesem Frühlingstag ist da dann doch die Illustration der ganzen Situation durch den Straßenkünstler, der die Damen und Herren an ihren Zustand in der gestrigen Nacht erinnert und der dürfte ungefähr so ausgesehen haben:

Schluckspecht

Schluckspecht

Damit habe ich dann genug gesehen für heute, jetzt fehlt nur noch ein wenig Zucker und dann geht es zurück in die heimische Höhle.

Nun bin ich auch wieder bereit den Volks-Opiat-Kasten einzuschalten, den ich seit gestern Abend mied, weil der unsägliche Boris Becker sich doch tatsächlich nicht entblöden konnte seine anstehende Heirat auf der Wetten Dass?-Couch anzukündigen. Eine derartige Geschmacklosigkeit hätte ich ihm dann doch nicht zugetraut, obwohl – nach der bestens medial aufgearbeiteten Sandy Meyer-Wölden Affaire hätte man auch auf so etwas gefasst sein können. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Gebührengelder dafür draufgegangen sind, dass dieser Volldepp exklusiv sein privates Debakel mit uns teilt und sich auch noch vom Super-Riesen-Goldbär Tommy Gottschalk durch den Kakao ziehen lässt. Ganz zu schweigen davon, wie peinlich es für alle anderen Gäste gewesen sein muss, dass sie vom Moderatorenveteran zu Statements über das junge Glück genötigt wurden. Als würde irgendein Mensch noch ernsthaft etwas zu Boris Beckers Liebesleben sagen wollen…Auch die stets schlagfertige Heike Makatsch konnte da nur ein „Ich finde es mutig“ herauspressen. Mir selbst war, als würde die Fremdscham mich überleben…

Da kann ich nur hoffen, dass der Tatort aus Stuttgart später nicht ähnliche Gefühle in mir hervorruft, sonst muss ich mir am Ende doch noch neue Entspannungsbeschäftigungen zulegen. Was könnte ich nur ohne Fernseher tun? Pantomimekurse und Chorsingen sollen ja derzeit sehr „in“ sein.

Ausgelöffelt

Als ich Anfang Januar wieder zurück aus Indien war, konnte ich es kaum erwarten, an Milchprodukte in gewohnter Konsistenz ranzukommen. Aber meine klassischen Lieblingssorten (Kaffee oder Heidelbeere) waren wegsortiert! Stattdessen machten sich Saisonprodukte breit. Mir blieb also nichts anderes übrig, als im tiefsten kältesten Winter seit Jahren auf den Frühlingsgenuss „Rhabarber & Vanille“ auszuweichen. Welcher Geschmack kommt folglich im Frühling auf den Markt? Kürbis vielleicht? Diese orale Verschiebung der Jahreszeiten erklärt endlich, warum ich jetzt schon die Herbstmelancholie in mir hochkriechen fühle…

War der Joghurt erst ausgelöffelt, kam schon der nächste Frust hoch. Die neue Verpackung ist Stapel untauglich! Becher die sich nicht ineinander stapeln lassen? Kann es immer noch nicht fassen.

optiwell-joghurt
Welcher Produktmanager hat da wohl den Hausfrauentest vergessen?