Teil VII: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Maya wollte diese Woche das Kapitel zur Verbrecherjagd beenden. Jedoch muss Chloe auch noch was einwenden. Ironischerweise wurde gerade diese Woche unser neuer Kollege aus Berlin mitten in den beschaulichen Büroräumen der Puppenkiste bestohlen. Verbrechen gibt es also überall. Er hofft auch noch darauf, dass zumindest sein Geldbeutel in einem Mülleimer auftaucht.

Auch Maya und ich hatten diese Hoffnung sehr lange nicht aufgegeben. Erst täglich, dann wöchentlich durchforsteten wir die Homepage des Berliner Fundbüros. Immer wieder wunderte ich mich über die skurrilen Fundstücke. Meine Lieblingsauswahl anbei:

Ein Blumentopf mit Geldscheinen? Und wer verliert denn seine Wärmflasche in der Berliner Philharmonie?

In dieser Phase des Unglücks musste ich über diese Spam-Nachricht extrem lachen:

Vielleicht sollten wir uns professionelle Hilfe holen?

WICHTIGE HINWEISE: Leider kann ich nicht allen zahlreichen Anfragen nach der einzigartigen Erfahrung einer kostenlosen Sitzung nachkommen, wofür ich mich im Voraus entschuldige.

Ich werde mein Bestes tun, um alle Anfragen zu bearbeiten, doch werde ich mich vorrangig den Personen widmen, die den dringendsten Bedarf haben (also diejenigen, die großen negativen Energien ausgeliefert sind, die eine fortwährende Unglückssituation erleben, die immer wiederkehrende Probleme haben oder die einen Mangel an Energie oder an Lebenskraft haben…). Den anderen werde ich mich später zuwenden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ob mir der Wahrsager den Fundort meiner schmerzlich vermissten Handtasche kostenlos weisen könnte? Schließlich gehöre ich doch zu der Gruppe derjenigen, „die großen negativen Energien ausgeliefert sind, die eine fortwährende Unglückssituation erleben.“ Haha!

Monate lang musste ich mich mit einem HTC als Übergangssmartphone durchquälen. Und die Gewissheit, dass der Dieb Einblick auf alle meine privaten Daten erhalten hatte, quälte mich zusätzlich.

Chloe: „Der Dieb sieht alles über mich!“

Mein Bruder besänftigend: „Keine Angst Chloe, sofern er sich nur durch zwei von Deinen Liedern durchgehört hat, muss er nach dem Genuss Deiner schrecklichen Depri-Mucke gleich alles im Reflex per Knopfdruck gelöscht haben.“

Die Handtaschen kamen zwar nicht mehr. Aber der große Bruder sorgte für die SpreeSee-Mädels zumindest für iPhone-Ersatz. Als Maya ihr neues Gerät zum ersten Mal an den Computer anschloss, bekam Sie von ihrer Menstruations-App den lustigen Status-Update, dass sie seit 173 Tagen nicht mehr menstruiert habe. Das brachte uns sehr zum Lachen. Dank iTunes fand Maya auch die verschollenen Fotos unseres letzten Jahres. Nur der berühmte Draft zum Frauenarzt-Blog-Eintrag ist für immer abhanden gekommen… Ob Maya das noch jemals nachholen wird?

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Teil V: Chloe und Maya auf Verbrecherjad!

SpreeSee macht sich Gedanken über Anti-Raub-Maßnahmen

Nachdem auch Mayas Tasche geklaut wurde, machte ich mir ernsthafte Sorgen. War meine neue Wahlheimat der Hort des Bösen? Sollte ich nicht lieber zurück ins idyllische Seehinterland? Aber da rief mich auch schon Muckie an und berichtete vom Taximörder am Bodensee. Ich hatte mich schon gewundert, warum wir plötzlich Suchanfragen mit „mörder wann ist seehasenfest“ in der Blogstatistik fanden. Zum Glück wurde der Täter vor dem Seehasenfest, das nächste Woche stattfindet, gefasst. Das Böse lauert überall. Dann kann ich also auch beruhigt in Berlin bleiben.

Dennoch müssen Maya und ich unser Glück nicht erneut herausfordern. Kallis Start-up-Idee mit dem mobilen Garderobenservice klang schon nicht schlecht. Mobile Würstchenverkäufer am Alex gibt es ja wirklich schon genug. Aber bis sich das wieder auf dem Markt durchschlägt, müssen wir unbedingt nach Accessoire-Alternativen Ausschau halten.

Maya schlug die Lara Croft Tomb Raider Variante vor.

Ist das die Alternative?

Unsere Wertgegenstände binden wir ab sofort wie Waffen an Arme und Beine fest. Aus unserem Schlüsselbund basteln wir ein Bettelarmband – ist ja grad eh voll im Trend. Im Winter verstauen wir am besten alles direkt im Stiefelschacht.

Chloe recherchierte lieber in diversen Survival Foren. Dieses Produkt ist meiner Meinung nach die Lösung aller Probleme:

Anti-Klau-Alarm !!!

In Zukunft kann Maya die Taschendiebe dann wieder direkt auf frischer Tat stellen und ihnen ein Glas Wasser über den Kopf schütten. Nur droht uns wahrscheinlich bei zu häufigen Fehlalarms ein Hausverbot in unseren Lieblingsclubs…

Mal schauen, ob wir heute Abend die Geburtstagsause 14 Jahre Karrera Club im Magnet ohne weitere Blessuren überstehen…

Beim letzten Besuch im Magnet verlor ich Muckie aus den Augen. Und eine echte Freundin geht nie ohne Freundin nach Hause!

Chloe um 5 Uhr morgens vor dem Magnet. Verzweifelt versucht Chloe Muckie auf dem Handy zu erreichen.

Szenenwechsel – 5 Uhr morgens bei mir in der WG: Muckies Handy, das sie extra Zuhause liegen ließ, klingelt in meinem für sie individuell aufgesprochenen Klingelton: „Nimm AAAAB, Muckie! Nimm ab! Ich bin’s Chloe!“

Meine Mitbewohnerin erschrickt zu Tode, als sie meine Stimme hört und sucht das Organ…

Mitbewohnerin hebt ab: „Hallo, Chloe. Ich bin nicht Muckie!“

Chloe legt panisch auf, als ihr ein Licht aufgeht. Sie wird blass.

Der Architekt, der ihr eine Stunde lang bei der Suche nach Muckie half fragt irritier: „Was ist los?“

Chloe entsetzt: „Oh mein Gott! Das war meine Mitbewohnerin!!! Jetzt habe ich sie schon zum zweiten Mal in einer Woche morgens um 5 aus dem Schlaf gerissen. Alles eine Frage der Zeit, bis die mich rausschmeißt!“

In dem Moment kommt Muckie fröhlich aus dem Magnet getänzelt. Draußen ist es natürlich schon hell. Sie kneift ihre Augen zusammen.

Muckie heiter zu meinem Begleiter: „Hey, der Landstreicher ist immer noch da! Aber hier draußen siehst Du ja doch frisch und sauber aus!“

Eine Minute später sitzen die Freundinnen wieder glücklich vereint in der U1 gen Bett.

Teil IV: Chloe und Maya auf Verbrecherjad!

Der Raub und die Tangomänner.

SpreeSee hatte lange genug hitzefrei. Chloe schreibt zwischen Melonenmahlzeit und Eiskaffee schnell ein Resümee: Bisher nix gefunden!

Immerhin habe ich mein Tango-Trauma langsam überwunden. Neulich schwitzte ich wieder auf einer Milonga. Dabei fällt mir ein, dass ich nie auf die Frage meiner Isar-Piratin geantwortet habe:

Hach je. Was sagt eigentlich der Tanzpartner, der das Unglück ja so ein bisschen mit heraufbeschworen hat? Aber im Moment ist das wahrscheinlich nicht so wichtig.

Tatsächlich war das an dem Abend im Hinblick auf die Männer recht dramatisch. Ich hatte mich lose mit meinem Tanzkurstanzpartner Jürgen zu der Milonga verabredet, wusste jedoch, dass auch ein Freund vom Freund einer Freundin da sein wird. Nennen wir ihn Kalli. Kalli hatte beim Karneval der Kulturen noch gemeckert, dass er diese Tango-Klischees nicht mehr sehen kann. Wir witzelten darüber, ob ich nicht im Dirndl im Clärchens Ballhaus auftauchen sollte. Hatte jedoch keines zur Hand.

Auf der Milonga tanzte ich im schlichten Empire Kleid erst mit Jürgen. Der eröffnete mir, dass er in Zukunft noch mehr üben möchte. Wir sahen uns schon 4x Woche ! Wie geht da NOCH mehr? Außerdem fühlte ich zunehmend die unterschiedlichen Lernkurven… die klassische Tragödie war eingetreten: Ich hatte meinen Tanzpartner großen Tanzschrittes überholt. Seit zwei Wochen suchte ich nach einer guten Taktik ihn loszuwerden. Und nun wollte der noch mehr!

Als mich Kalli zum Tanz aufforderte, war ich ob seines Rhythmusgefühls derart begeistert, dass ich Jürgen links liegen und mich eine Stunde am Stück von Kalli führen ließ. Das sollte ja auch kein Problem sein, da man gerade auf einer Milonga sich unabhängig vom Tanzpartner die Zeit vertreibt. Plötzlich sah ich jedoch wie Jürgen erbost nach seiner Tasche griff und zackig an mir und Kalli vorbei schritt ohne sich zu verabschieden. Dieser lächerliche Pathos ärgerte mich (Ich bin doch nicht Jürgens Tanzeigentum! Ferner ist der doch nach eigenen Aussagen frisch verliebt. Was gebart er sich also mir gegenüber so eifersüchtig!). Meine Stimmung verschlechterte sich zunehmend. Ich wollte ebenfalls gehen (zu dem Zeitpunkt war meine Tasche noch im Raum). Kalli bat aber noch um ein paar Tänze. Bang! Seinetwegen blieb ich noch eine halbe Stunde und verlor mein Hab und Gut. Jedoch sollte man nicht in „Was wäre gewesen, wenn…“-Gedanken abschweifen. Das führt zu nix. Kalli war zumindest sehr beeindruckt von meiner recht gefassten Reaktion auf den Raub. Einer Bekannten von ihm wurde ebenfalls mal eine Handtasche geklaut und die sei daraufhin hysterisch geworden. Jedenfalls begleite mich Kalli noch ein Stückchen in meine Richtung. Auf dem Weg fiel mir dann plötzlich ein, dass ich noch meinen Füller und meinen 15 Jahre alten, durch zwei Studien begleitenden, heiß geliebten Minenbleistift in der Handtasche hatte. Plötzlich rollte mir doch noch ein Tränchen die Wange herunter.

Chloe leicht schluchzend: „Och, ich vergaß. Scheiß aufs iPhone und den restlichen ersetzbaren Rest. Aber meine Schreibgeräte klauen!! Das ist, als würde man mir die Zunge rausreißen.“

Kalli verlegen: „Hör lieber auf darüber nachzudenken, was noch in der Tasche drin war…“

Natürlich war es mir schrecklich unangenehm, dass dieser mir recht fremde Mann gleich einen Einblick in meinen weichen Kern gewann. Mit den Tangoschuhen in der Hand entschwand ich schnell in die Tiefe der Nacht und nahm mir vor, mich nie wieder zu melden. Er rief noch hinterher, ob er meine Telefonnummer haben könnte. Ich entsetzt: „Hallo? Die bringt Dir jetzt gar nix! Mein Handy ist weg, vergessen?“

Tags drauf kam jedoch schon eine Mail von Kalli. Er wolle mich zumindest zur Wiedergutmachung, er fühle sich teils Schuld an meinem Unglück, auf ein Essen einladen. Ich wehrte ab: Keine Zeit und in meiner Wohnung eingesperrt, da ich keinen Schlüssel mehr habe!

Kalli ließ nicht locker. Schrieb noch eine Mail. Ich übte mich in Ignoranz. Dann kam eine SMS mit „Chloe! Hab dir neulich ne süße Mail geschickt… Hast du mich nicht mehr lieb?“. Was soll Frau davon halten? Süß…

Nachdem Maya auch noch beraubt wurde, versuchte ich Kalli zumindest um sein schlechtes Gewissen zu erleichtern und erzählte ihm davon. Das gab ihm natürlich die Chance zu antworten:

Dank fürs Lebenszeichen – sehr bedauerlich, dass der Kohlhaas’sche Rachefeldzug nicht zu mehr Recht und Ordnung führte, sondern nun auch noch die arme Maya Opfer skrupelloser Verbrecher wurde.

Ich bin mittlerweile in die Open-Air-Tango-Saison eingestiegen, z.B. in der Strandbar im Monbijoupark – nicht ohne dabei jedes handtaschentragende Wesen auf die kriminellen Energien in dieser Stadt hinzuweisen (was sich aber als kolossaler Fehler entpuppte, denn erhebliche Nervosität und Unkonzentriertheit der Tanzdamen waren die Folgen…). Ich überlege nun als clevere Start-up-Geschäftsidee, einen mobilen Garderobeservice zu eröffnen – du könntest noch mit einsteigen…

Also, wenn du mit meiner Person künftig nicht prinzipiell Unglück, Leid, Ärger, Frust und Niedergang in Verbindung bringst (denk an die Erfolgserlebnisse beim Ango!), dann lass es uns mal wieder versuchen, gerne umsonst und draußen (mit Rucksack).

„Ango“ schrieb Kalli, da ich ihm das böse Wort mit „T“ verboten hatte. Ich versuchte mich immer noch in Abwehrhaltung. Meine Antwort per Mail:

Du hast mich wie ein kleines Mädchen weinen sehen – wie kann ich da jemals wieder die toughe Tanguera mimen?

Er konterte prompt mit einem alten Klassiker:

Über „Tränen sind heute sehr modern…“ musste ich so lachen, dass ich ihm also doch eine Chance gab und zum Tango-Stelldichein schnell durchklingelte.

Chloe peinlich berührt: „Und trotz des Tränen-Tangos bleibt es mir weiterhin unangenehm, dass Du mich hast weinen sehen… Das ist eigentlich gar nicht meine Art!“

Kalli euphorisch: „Oh! Entschuldige Dich bitte nicht dafür. Mich hat das Ganze derart berührt, dass ich auf dem Heimweg ebenfalls ein paar Tränen verdrücken musste. Wo findet man denn noch so etwas in dieser herzlosen Großstadt, in der alle Frauen immer nur verdammt cool sein wollen? Eine Frau, die echte Tränen weinen kann! Keine Hysterie, sondern reines Gefühl! Ach, das gibt es wahrscheinlich wirklich nur noch bei einem Mädel vom Lande!“

Ich? Chloe! Ein Mädel vom Lande? Über diese verklärte Romantik sah ich dann doch ob meiner Tango-Schuhe, die noch amortisiert werden müssen, hinweg und ging mit Kalli zur Milonga. Ha, so eiskalt berechnend können Mädels vom oberschwäbischen Lande sein!

Und zumindest hatte der Raub auch was Gutes: Ich konnte ihn als perfekte Entschuldigung ausschlachten, um meinen Tanzpartner Jürgen loszuwerden. In einer schlichten Mail kündigte ich ihm die Tanzpartnerpartnerschaft aufgrund meines Tango-Traumas. Es hat funktioniert. Wir sind erfolgreich separiert. Ich muss jetzt bloß in dieser kleinen Berliner Tango-Welt aufpassen, dass ich Jürgen nicht über den Tanzfuß laufe…

Teil III: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Wie im letzten Teil angekündigt, bekam Chloe zumindest Nachricht von der Polizei, dass ihr kleiner Geldbeutel mit Karten und Führerschein gefunden wurde. Die zwanzig Euro Bargeld waren natürlich entwendet worden. Bis zur Haltestelle Borsigwerke musste Chloe gurken, um an ihr Handtaschenrelikt zu kommen. Der Polizist vermerkte noch trocken:

Am 26.05.10 um 18.30 Uhr von einer Air Berlin Mitarbeiterin im Flughafen Tegel am Terminal C gefunden.

Mein Fall war somit fürs erste abgeschlossen. Chloe Kohlhaas forderte die Überwachungsbänder des Flughafens nicht heraus. Sie startete lediglich einen letzen Versuch und rief die Hostels in der Nähe des georteten Handys an. Vielleicht handelte es sich in der Tat um einen Gelegenheitsdieb, der noch eine Nacht im Hostel übernachtet und dann am nächsten Tag gen Heimat ausgereist war? Aber beide Hostels versicherten mir, dass pro Tag mind. 50 Leute auschecken.

Interpol ermittelt nicht in Sachen Handtaschen… ich habe aufgeben! Mir bleibt für die Zukunft nur der Blick ins Online Portal des Fundbüros Berlin.

Nun bemühte ich mich um den organisatorischen Ärger. Da ich inzwischen alle Karten gesperrt hatte und neue auf dem Weg waren, musste mich Maya mit Bargeld versorgen. Meine Schwester sandte mir ihr HTC Android Ersatz-Smartphone zu. Ich merke erst jetzt wie iPhone verwöhnt ich bin! Die HTC Menüführung treibt mich in den Wahnsinn. Was man alles separat öffnen muss für die banalsten Funktionen! Der Touchscreen lässt mich ferner zum Fingerspastiker werden. Ich drücke und es passiert nix oder ich drück nix und plötzlich „Gefällt mir“ was auf Facebook, obwohl ich das gar nicht will. Clutch tauglich ist die Tastensperre auch nicht! Vor einer Woche war ich mit Muckie im Magnet tanzen und rief dabei drei Leute an (Maya erschrack kurz, hörte die Musik im Hintergrund und legte erleichtert auf). Mein Bruder schrieb nur ironisch aus Hawaii zurück:

Stop calling me drunk!

Für meine Entschuldigungs-SMS brauchte ich zehn Anläufe. Die Tastatur ist so winzig und brummt beim Eintippen der Buchstaben los, obwohl ich das schon mehrmals abgeschaltet habe! Manchmal stürzt die Software grundlos ab! Beim Joggen mag ich das Ding ob der schlechten Klangqualität schon gar nicht mehr mitnehmen. Irgendwo liegt noch ein alter iPod herum, der muss für die Musik im Ohr her…

Aber: Hauptsache ich bin wieder erreichbar. So las ich Samstag früh mit noch halb zugeklebten Augen folgende Mail auf meinem Handy: Weiterlesen

Teil I: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Ob Brechts Unterwelt, Döblins Franz Biberkopf oder Kästners „Emil und die Detektive“ – ich hatte immer einen Faible für die Schattenseiten Berlins. In der Fiktion versteht sich. Aber bei Chloe ist ja die Realität sowieso wie ein nie endend wollender Film… Deshalb werde ich nun schon zum zweiten Mal Opfer eines Betrugs.

Beim ersten Mal handelte es sich um den massierenden Hochstapler Borello. Mir war zum Glück außer etwas Gänsehaut nicht viel passiert. Nach meinem Blogeintrag landeten aber mehrere Mädchen über den Suchbegriff „Borello Ansbacher Straße“ auf SpreeSee. Sie schilderten mir, dass ihnen exakt das gleiche bzw. Borello widerfahren war (sogar die Nummer mit den tanzenden iPhone-Apps hat er jedesmal gebracht!). Ein Mädchen ist leider „weiter gegangen“. Ich hatte natürlich direkt nach meinem Blogeintrag WG gesucht alarmiert. Aber nun erstatte ich endgültig Anzeige bei der Polizei. Ich sehe mich in der Pflicht, diesem Wicht keine weiteren Opfer zuzuspielen! Seit dem 10. Mai 2010 warte ich jedoch auf Antwort von der Polizei. Dabei hatte ich ordnungsgemäß das schicke Onlineformular auf der Internetwache ausgefüllt und die Bearbeitungsnummer fünf Mal auf positiven Eingang hin geprüft. Bisher nix gehört. Heute will mich jemand zurückrufen.

Die gestrige Konfrontation mit den Berliner Schurken überstand ich leider nicht schadensfrei! Am Dienstag fand Tanguera Chloes Debüt im Clärchens Ballhaus statt. Direkt am Eingang fragte ich nach einer Garderobe. Es gäbe keine, antwortete man mir. Da hatte ich schon ein schlechtes Gefühl. Wie Maya weyß, lasse ich meine Wertsachen und vor allem ideellen Begleiter ungern irgendwo herrenlos stehen. Mein Tanzpartner maynte jedoch, dass ich das ruhig alles unterm Tisch stellen kann, da passiert nix. Als ich dem jähen Tangotreiben ein Ende bereiten wollte, war plötzlich meine komplette Handtasche verschwunden. Der Kellner zuckte nur lächelnd seine Schultern:

Dienstags kommt das eigentlich so gut wie nie vor. Eher samstags. Machen Sie sich da bloß keine Hoffnungen, die ist für immer weg! Da man für diese Milonga keinen Eintritt bezahlen muss, kann Hinz und Kunz hier ein und ausgehen.

Klare Ansage! Die übervorsichtige Chloe, die immer Angst vor den Mädchenbanden in Neukölln und Kreuzberg hat, wurde also in Mitte beraubt.

Ob fehlender Monatskarte und Bargeld lief ich die ganze Strecke von Mitte nach Kreuzberg zu Fuß nach Hause. Im Morgengrauen riss ich meine Mitbewohnerin aus dem Schlaf. Mein Schlüssel war och wech! Sofort sperrte ich alle Karten und rief natürlich die 110 an. Kommentar des Polizisten: „Handtasche? Nee, da können wir nix machen. Melden Sie das online oder gehen Sie morgen zu ihrer zuständigen Bezirksdirektion.“ Online? Dachte ich mir, nee, das hat schon beim ersten Mal nicht geklappt. Ich recherchierte die Öffnungszeiten und nahm mir vor, in aller Herrgottsfrüh Strafanzeige zu erstatten.

Parallel kam mir noch eine andere Idee… Ich rief mich selber an. Freizeichen! Keiner hob ab. Hm, dachte ich mir, dann kann ich doch mein Handy über meinen Netzbetreiber orten! Und siehe da, nach nur zwei Minuten poppte folgende Karte auf:

Handyortung: Finde den Dieb !

Mir klopfte das Herz und ward schlecht. Da sitzt also der Verbrecher mit allen meinen persönlichen Sachen in seiner Wohnung und ist zu dumm oder high, das Handy auszuschalten? Und die Polizei hilft mir nicht! Welch Ohnmacht.

Mit aufgequollenen Lidern tauchte ich ca. vier Stunden später bei der Polizei auf. Ich erwartete ein volles Wartezimmer und war völlig überrascht, dass eigentlich keiner da war. So kam ich schnell dran und konnte meinen Fall schildern.

Der furchtbar junge Polizist notierte alles brav auf einen Zettel. Als ich von der Handyortung erzählte, riss er sich aus seiner Lethargie und witterte eine spannende Verbrecherjagd: „Das ist toll! Wir haben schon mal jemanden so auf frischer Tat ertappt. Aber dabei handelte es sich um einen Taxisender. Die Polizisten haben das Gerät zu dritt geortet und eingekreist. Mensch, ist Ihr Handy noch an?“ Chloe genervt, da die kompetenten Kollegen bei der 110 das ja nicht in Betracht gezogen hatten: „Nein, die Karte ist natürlich inzwischen wie alles andere gesperrt!“ Der Polizist unermüdlich: „Dann entsperren Sie wieder! Ich gebe Ihnen die Telefonnummer von den Kollegen in Friedrichshain. Wenn man das Handy immer noch orten kann, dann können wir die stellen!“

Nun musste ich aber zuerst schwarz zum Arbeitsort meiner Mitbewohnerin fahren, um wieder an einen Schlüssel zu kommen bzw. in die Wohnung zu gelangen. Ohne Rechner (O-Ton Polizist: „Bei der Polizei kann man nicht online gehen!“) kam ich nicht an meine Daten…

Zur Sicherheit rief ich zu Hause als erstes bei den Kollegen in Friedrichshain an. Inzwischen war es schon 12.12 Uhr. Der nächste Spruch schockierte mich:

Kein Eintrag auf ihren Namen bzw. die Bearbeitungsnummer, die Sie gerade durchgegeben haben!

Mein Polizist in Kreuzberg hat wohl bisher seine schriftlichen Notizen nicht ins System eingetragen! Darüber war auch der Kollege in Friedrichshain entrüstet.

Nun sitze ich hier. Habe meine SIM-Karte wieder entsperrt. Leider scheint das Telefon inzwischen aus zu sein. Soll ich jetzt doch wieder sperren? Ich will verdammt noch mal HILFE!

Der einzige Mensch, der mir jetzt zur Seite steht ist wie immer Maya. Wir drucken nun Flugblätter aus und verteilen die in der Umgebung des georteten Handys. Vielleicht finden wir auch vor Ort zumindest meine Ausweise und meinen Hausschlüssel. Am liebsten würde ich jede einzelne Wohnung persönlich betreten und dem Verbrechen den Hals umdrehen. Ich habe aber meiner Mitbewohnerin versprochen, mich nicht in Gefahr zu bringen.

Das mit dem Tango lasse ich nun zumindest für eine Weile.