The (Super)grass is still green on The Hot Rats side

Als Teenager der Neunziger habe ich mich zwar brav auf der Schuldisco durch Eurotrash  und Bombastrock getanzt, mayn Herz schlug aber von der ersten Minute an für gute Musik. Also war ich überzeugte Britpopperin. Wie es aussieht, bleibt das auch so, nur dass sich das Spektrum international erweitert hat und ich jetzt ein erwachsenes Indie-Mädchen bin. Im Unterschied zur nachwachsenden Generation fand ich aber ERST die Musik fantastisch und dann die Skinny Jeans cool und nicht umgekehrt.

Heute müsste nun also ein sehr trauriger Tag für mich sein, denn eine mayner ganz großen Helden-Bands gab gestern ihr letztes Konzert: Supergrass.

Kein Abend an dem ich aufgelegt habe, ist je vergangen, ohne dass nicht mindestens Alright oder Pumping on your stereo gelaufen wäre. Die Tanzfläche war dabei immer voll und die Gesichter der Leute freudestrahlend. Kein Wunder bei soviel Witz und beschwingter Energie!

Und nun ist das Ende da – nach 17 Jahren (scheiße bin ich alt). Aber glücklicherweise gehen die Jungs nicht ganz! Sänger Gaz Coombes und Schlagzeuger Danny Goffey machen gemeinsam weiter und haben als The Hot Rats ein neues Projekt begonnen und ihre Lieblingshits aufgenommen. Rausgekommen ist mayner Maynung nach das beste Cover Album aller Zeiten (sorry Nouvelle Vague, sorry Paul Anka)!

Ist natürlich totale Geschmacksache, ich mag halt wenn’s treibt und rumst und tanzbar ist. Und das haben The Hot Rats supergrasstastisch hinbekommen. Übrigens ist das nicht nur mir aufgefallen, Boss Orange hat die Hot Rats Version von „drive my car“

für einen Werbespot verwendet. Fürs finanzielle Auskommen der Herrschaften dürfte also weiterhin gesorgt sein.

Ich freu mich – the pumping goes on…

and on and on and on

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My Number 1 „Cover“-Girl

Manic Mayas Ausbruch über die Coverband, zu der Chloe sie einst schleppte, ist ja längst Schnee von gestern, die Liebe zu gelungen Coverversionen echter Künstler ist jedoch so groß wie eh und je. Ganze Playlists von seltsamen Neuinterpretationen laufen in meine Gemäuern und es macht einen riesen Spaß Besucher raten zu lassen, WER hier WAS von WEM covert.

Das neueste Lustobjekt in dieser Reihe entdeckten meine Besucherin Prissy und ich letzten Freitag auf meiner liebsten Berliner Partyreihe namens Whip it Good im Magnet. Zwei Floors feinster Indie-Musik und zur Einstimmung kickt einen immer ein Livegig direkt in die Party. Wie gut das funktioniert, kann auch Chloe bestätigen, sie jagte nach einem solchen Starter hier schon meinen alten Schulfreund Raconteur über die Tanzfläche, bis sie selbst von einem Faun beinahe erlegt wurde. Auch dieses Mal hat Whip it nicht enttäuscht, auch wenn die Ereignisse weithin auf die Musik-Rezeption beschränkt blieben.

Die bezaubernde New Yorkerin Lissy Trullie verzweifelte zwar beinahe an schwer kontrollierbaren Rückkopplungen, legte aber ansonsten mit ihrer fabelhaften unverwechselbaren Stimmfarbe ein wunderbares Konzert hin. Und dann schenkte sie uns auch noch dieses Hot Chip-Cover, das – mit Prissys Worten – dem Lied noch einmal eine völlig neue Dimension verleiht:

You´re my number 1 guy

Sitzt mir jetzt ungelogen seit einer ganzen Woche im Ohr – und ich steh‘ immer noch drauf.

Danke Lissy!

P.S.: Ganz fantastisch und ein bisschen zum neidisch Werden ist auch das hier, wer möchte nicht mal mit Adam aufm Klo singen:

Philosophierende Elefanten !

Chaos-Chloe fühlt sich stets „Kaputt, aber glücklich“. So auch am Sonntag auf der Rückfahrt nach dem SpreeSee-Gipfeltreffen in Stuttgart gen See. Je näher ich mich mit dem Leihauto (der Blog-Eintrag zur Agonie meines Kampfpolos folgt noch) dem Schwabenmeer zubewegte, desto intensiver lockten die österreichischen Radiowellen mit FM4-Klängen. Und plötzlich vernahm ich ein paar lustige Zeilen, die mich vorerst an den gemeinsamen Abend mit Maya als DJ Crew unter einem eigentlich unsäglichen Publikum erinnerten:

die bar ist scheiße
das bier ist warm
die musik ist schlecht
und jedes mädchen hat en freund im arm

Stopp! Die Musik war natürlich nicht schlecht – Schnapszahl-Charly legte ja auf. Wenn die Musik schlecht wird, hüpft die kleine Maya sonst mit den Füßen trotzig aufstampfend durch den Club und schreit: „Die haben was gegen Musik!“ So passiert im Rodeo und nie vergessen, meine Liebe! Aber jeder Abend hat seine Wendungen und auch dieses Lied wartet mit einer historischen Überraschung auf:

doch dort drüben steht ein alter mann
wie nicht abgeholt seit über hundert jahren
wir kommen ins gespräch
ich frag ihn wie er heißt
noch bevor er antwortet
weiß ich es bereits

denn das ist wittgenstein
das alte haus
er meint er müsse auch
mal wieder vor die haustür raus

das war die nacht
in der mir wittgenstein sagte,
dass die welt so nicht existiert
das war die nacht
in der mich wittgenstein fragte
nach meiner lebensphilosophie
sag hab ich die?

Chloe, selber eine große Philosophin durch und durch, lauschte entzückt dieser lustigen Mischung aus Chanson und Indie. Wer bei Elefanten immer noch an den bescheuerten Ottifant denkt, kann abdanken! Mit der Entdeckung von „Kommando Elefant“ sind Rüsseltiere ab sofort Revoluzzer rockend rot:

 

Auf das hier in Versatzstücken zitierte Stück „Wittgenstein“ hätten Maya & Chloe sicher schon zum Grundstudium getanzt. Jedenfalls werde ich auf der nächsten Party am See – mit oder ohne Philosoph – den Abgesang auspacken, wenn ich der Friedrichshafener Szene ob der provinziellen Kontraktionen kopfschüttelnd gegenüberstehe:

ich glaube kaum
fühl mich so leer
ich fühle mich nicht leicht
ich fühl mich auch nicht schwer

ich glaube
nein
ich glaube kaum
ich bin nicht licht
ich bin auch nicht raum

Tja, Maya. Es kann ja nicht jeder Peter „Licht“ sein? Aber kennst Du einen Peter Raum? Den letzten Reim versteh ich kaum…