Augenschmäuschen

Hedi Slimane versteht was von schmalen Bürschchen, das wissen wir schon seit er für Dior Homme unglaublich schöne Mode entworfen (das war im letzten Jahrzehnt) und den Männern damit die Magersucht nahegelegt hat. Selbst King Karl höchstpersönlich unterzog sich einer strengen Diät, nur um in diese wunderbaren exxxxxxtraslim geschnittenen Hemden und Anzüge zu passen.

Für das Magazin V Man hat Slimane einen bestechend schlichten und einfach zauberhaften Film gedreht. In meinen Augen eine  Hommage an verrückte Drummer und natürlich dünne aber äußerst wohlgeformte Boys.

Im Alltag wissen wir Frauen ja Männer mit was auf den Rippen zu schätzen, denn dass wir uns gegen den Diätenwahn erfolgreich zur Wehr setzen, können wir wohl kaum genießen, wenn das Bubi gegenüber nur einen Salat nimmt…

Nur gucken, nicht anfassen also.

Ist in diesem Fall auch besser:  Der Tänzer ist erst 16 Jahre alt!

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Angies neue Kleider

Maya maynt: Der Wahlkampf beginnt! Schon der zweite Kanzlerin-Artikel in Folge.

Ich nähere mich aber vorsichtig auf einer ganz leichten Pop-Ebene, die trotzdem gaaaanz viel kulturwissenschaftliches Potential hat, in Sachen Mode, performing gender, Politik und Kunst…

Bei meiner Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk entdeckte ich kürzlich ein schönes Spielzeug für Erwachsene:

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"Niemand soll mehr sagen, dass unsere Kanzlerin schlecht angezogen wäre! Zum Wahljahr 2009 präsentieren wir deshalb das ANGIE DRESSBOOK"

Onkel & Onkel, die das Produkt vertreiben, nennen sich selbst „Berliner Independent-Verlag für visuellen Rock’n’Roll“, das finde ich natürlich als rotzige Selbstbeschreibung schon an sich fantastisch und offensichtlich trifft nicht nur der Claim meinen Geschmack, sondern auch Shop und Produkte haben mich sofort überzeugt wie Jack White an den Drums oder Hopfenkügele von Seppi.

Persönlich fand ich das Angie Dress Book großartig und sah vor meinen inneren Auge schon die Wahlkanadierin eifrig mit der Schere hantieren und der Kanzlerin endlich einen stilvollen Powerlook zu verpassen. Raus aus der traurigen weiblichen Blazer-Uniform, raus aus der Decolleté-Falle. Überhaupt halte ich das für ein hervorragendes Konzept: Warum nicht einfach die Entscheidung dem Volk anheimlegen? Künftig wären Kleidungsfragen bei Merkel, genauso wie bei den Herren in der politischen Riege kein Läster-Thema mehr. Modisches Mitbestimmungsrecht, der Souverän nimmt direkt Einfluss darauf, wie sich das Land in der Welt präsentiert – wenn das nicht mal eine radikal basisdemokratische Idee ist!

Euphorisch verkündete ich meine neueste Entdeckung am Telefon Charly und Chloe. Am anderen Ende der Leitung herrscht in beiden Fällen zaghafte Stille bis ablehnendes „Ach“, das Verständnis war gleich null. Die zögerliche Haltung brachte mich aber keineswegs von meinem Plan ab, mit diesem perfekten Geschenk für Freude zu sorgen und so blaffte ich in den Hörer

Ihr werdet schon sehen! Die Wahlkanadierin wird es toll finden, wie kann sich euch nur die Genialitiät dieses Spielzeugs nicht erschließen. Die Kanzlerin zum Ausschneiden und -staffieren, als Papierpüppchen, so wie früher und endlich tatsächlich dem Wählerwillen unterworfen…

Allerdings machten mir mein knapper Reisezeitplan und die Fashion Week einen gehörigen Strich durch die Geschenkerechnung.  Auf dem Weg zum Bahnhof noch schnell ins Kulturkaufhaus gehüpft um das Objekt der Begierde zu erstehen, blickte ich auf einen von jeder Ironie bereinigten Modebüchertisch – für die vielen Mode-Touristen, die die Hauptstadt anlässlich zahlloser Messen überschwemmten, waren nur noch edle Coffeetablebooks ausgelegt, von denen jedes einzelne mehr wiegt, als eine Frau mit den gängigen Modelmaßen. Sehr schick, sehr schön, sehr ernst und gar nichts mehr zum Spielen.

Was zu beweisen war, musste nun leider Vermutung bleiben. Angie verbannt, ganz ohne neue Kleider.

Aaangela oh Angela

ging es mir durch den Kopf und plötzlich mit dem Jarvis Cocker Song im Ohr tröstete ich mich. Wer möchte schon mit der Kanzlerin spielen? Jarvis – der inzwischen übrigens auch neue Kleider hat, er zeichnete sich schon `95 durch einen Stil aus, den Franz Ferdinand erst eine Dekade später entwickelten (schmaler Anzug, clean, smart und einfach heiß aussehen) und ist nun beim intellektuellen Clochard-Look angekommen – dieser Jarvis also möchte nicht mit Angie spielen, denn eine Verwendung seines Songs für den Wahlkampf hat er sich schon mal vorab verbeten.  Pech für Angie! Mit dem Lied hätte man mich zwar auch nicht überzeugt, aber Sympathiepunkte wären schon drin gewesen.

Ich frage mich nur, ob es eigentlich überhaupt viel Musik im deutschen Wahlkampf gibt. Mir wäre das bisher noch nicht aufgefallen. Früher mal – als sich auch noch Schriftsteller und andere eingemischt haben, da gab es natürlich auch mal den ein oder anderen Musiker, der Stellung bezogen hat, aber heute? Mir fällt keiner ein. Eigentlich wäre das doch ein spannendes Thema, da muss ich noch mal genauer nachforschen…

Völlig unerwartete „Enthüllungen“ über King Karl

Seit ich auf SpreeSee die neue Schublade „Dinge die die Welt nicht braucht“ gezimmert habe, kann ich mich kaum retten vor Sachen, die geradezu danach schreien, in diese gestopft zu werden.

Aktuellster Fall:

Ein ehemaliger Mitarbeiter Karl Lagerfelds hat ein so genanntes Enthüllungsbuch über seinen früheren Chef geschrieben.

Der besonders kreative Titel lautet Karl Lagerfeld und ich: 15 Jahre an der Seite des Modezaren

Ich gebe zu es nicht gelesen zu haben und vielleicht fällt mein abschlägiges Urteil ja vorschnell aus, aber – cher Monsieur Arnaud Maillard – soll das nun ein Skandal oder eine Enthüllung oder auch nur eine Nachricht sein, dass Lagerfeld ein egozentrischer Narziss ist? Das wusste nun wirklich auch schon Tante Helga aus Castrop-Rauxel, schließlich enthüllt der ganz und gar nicht öffentlichkeitsscheue Designer bei jedem seiner Auftritte und Interviews seinen Narzissmus selbst und wirkt  dabei auf mich ehrlich gesagt ziemlich amüsant.

Wenn schon die Live-Selbstdarstellung für die Erkenntnis nicht genügt haben sollte, um den Narzissmus endgültig zu diagnostizieren, dann hilft das hier hoffentlich:

Was soll man denn bitte sonst von einem Mann halten, der einen Teddy-Bären nach seinem eigenen Antlitz gestaltet und diesen für 1000, in Worten eintausend, Euro anbietet?

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Auch die Aussage, dass Lagerfeld als Chef äußerst undankbar sei, die Mitarbeiter zum Beispiel für die H&M-Kollektion schuften ließ, ohne sie an den enormen Gewinnen paritätisch zu beteiligen, lockt doch wohl kaum jemanden hinterm Ofen vor. Ich jedenfalls hatte bereits nach dem Spiegel-Interview mit dem Enthüllungsschreiberling genug und halte sein Buch für ziemlich überflüssig!

Sportschuhe sind keine Schuhe!

Wer wie Chloe den schwarzen Gürtel für Qualität inne hat, der weiß auch dieselbigen zu organisieren! Ihre Accessoires sind daher alle prozessorientiert nach dem First in – Last out-Verfahren (FILO) im Flur angesiedelt. Für den normalen Anwender wie folgt zu merken:

Tret ich herein, leg ich zuerst ab. Tret ich heraus, leg ich zuletzt an.

Ferner ist mein offenes FILO-Regalsystem ganz nach den Leitfäden des visuellen Managements gestaltet. Auf einen Blick erschließt sich der Garderoben-Projektmanagerin – nachdem sie zur Sicherheit noch ihr Weather-Pixie zu Rate gezogen hat – die Match-Plantechnik. Ob Handschuh, Regenschirm, Gürtel, Handtasche oder Schuhe: alles kann blitzschnell der Damenoberbekleidung zugeordnet werden. Die Reduzierung der Durchlaufzeiten ist höchstes Prozessziel! Dadurch schaffe ich mir mehr Freiräume für Telefonate, Make up und Leibesübungen. Zum Glück kann ich meine 5 S auch morgens um 5 im Schlaf sowie anderen betäubten Zuständen aufsagen:

Seiri (Sortieren: Jahreszeit ferne Handschuhe werden eingemottet)
Seiton (Systematisieren: Schuhe werden nach Absatzhöhe und Farbe abgelegt)
Seisō (Säubern: Das Regal wird stets um alte Saisonmodelle und -farben bereinigt)
Seiketsu (Standardisieren: Handtaschen immer mit der Öffnung nach vorne aufstellen)
Shitsuke (Selbstdisziplin (engl.: MONK): Erhaltung der Ordnung, Sauberkeit und Einhaltung der Standards)

Wenn nun ein Mann zum ersten Mal die Wohnung dieser Total Quality Woman betritt,

könnte er von Chloes bis zur Perfektion angewandten Kaizen-Methoden schon etwas verunsichert sein. Um meine Dates nicht weiter zu irritieren, habe ich daher vorerst von einem Kanban-System im Schuhregal abgesehen. [Anmerkungen des Über-Schuhs: Zu gerne würde ich bei jedem Kauf eines neuen Paar Schuhe die Mindestabsatzhöhe ermitteln, um eine Just-in-Time-Besohlung in Auftrag zu geben].

Zwangsneurotische Abgründe beiseite… wieder zum Wesentlichen: in puncto Handtaschen wissen männliche SpreeSee-Leser bereits, wie sie Maya manisch und mich cholerisch werden lassen. Aufpassen, Jungs! Nun wieder Notizblock und Stift zum Thema No Gos beim ersten Date zücken. Einen wahren Trampel erkennt man am folgenden Satz:

Du hast aber viele Schuhe!

ICH habe keinen Schuhtick! Männer können einfach nicht zählen. Das ist alles. Laut meiner für Chloe typischen 5-Sekunden-Recherche besitzt eine Frau im Durchschnitt knapp 14 Paar Schuhe. Da liege ich sogar drunter!
Denn, nun an alle Männer, hier der wesentliche Tipp zur Schuhrechnung des Fußwerks: Sneaker sind keine Schuhe, Kletterlatschen sind keine Schuhe, Wanderstiefel sind keine Schuhe, Adiletten sind keine Schuhe, FlipFlops sind keine Schuhe, Gummistiefel sind keine Schuhe und meine Joggingschuhe erst recht nicht!

Warum? Weil der Kauf dieser Schuhe mit keinem Glückshormon oder hysterischem Schrei verbunden ist. Weil der Kauf dieser Schuhe uns in den Rande des Wahnsinn treibt. Weil: „Iiiiiihhhhh, das ist so hässlich, das kann ich niemals tragen!!!“ Am Samstag durchlief ich ganz München mit meiner lieben Freundin und bekannten SpreeSee-Chefkommentatorin nach einem beschissenen Paar Indoor-Sportschuhen. Zwei Kriterien waren lediglich zu beachten: helle Sohle und Funktion. Ich konnte mich dennoch nicht überwinden, über die altbackene Optik hinwegzuschauen. Und jeder Versuch gewisser Brands, ihren Hallenschuhen etwas Pepp zu verleihen, war einfach nicht Ernst zu nehmen:

sportschuh

Ja, wir Frauen geben gerne mal 300 Euro für einen Hauch von Leder aus. Aber bei 125 Euro für nen Sportschuh, den ich gerade mal zwei Stunden in der Woche hinter vier geschlossen Turnhallenmauern trage, weicht die Kaufsucht der Nüchternheit. Ja, liebe Männer: Wo die Rationalität anfängt, hört der Schuh auf, Schuh zu sein !

Am Schluss kaufte ich nix. Schob das Problem auf bzw. warte immer noch auf Mayas Hilfe!! Du kannst mich doch nicht so fahrlässig hässlich meine Sportdates… äh Matches antreten lassen! Wo bleibt Dein Mode-Altruismus??