Wahlkampf auf amerikanisch

Die Weltherrschaft der USA ist ungebrochen – zumindest in maynem Freundeskreis. Denn jedesmal, wenn der Präsidentschaftswahlkampf wieder losgeht, kann der Regisseur über kaum etwas anderes sprechen.

Eine neue Bekannte lobte ihn neulich: „Ich kann es kaum glauben, wir sind schon eine Stunde zusammen in dieser Bar und du hast  noch kein Wort über Obama gesagt…“. Damit war der Wahlkampf-Waffenstillstand natürlich vorbei und es ging wieder los.

Als könnten wir alle in den USA wählen, bekommen wir Obamas Verdienste eingehämmert. Gegenargumente, wie die gescheiterte Guantanamo-Schließung werden einfach beiseite gewischt. Das verlorene erste TV-Duell? Taktik! Und alles was ich zum Thema  sage, wird mit dem Totschlag-Argument: „Komm schon Maya, du warst damals eh für HILLARY!“ entkräftet.

Schade ist nur, dass wir über Wahlkampf im eigenen Land – auf welcher Ebene auch immer – selten mit soviel Spaß und Engagement diskutieren, obwohl wir hier ja als Wähler tatsächlich Adressaten sind. Klar sprechen wir darüber, aber es ist kein den gesamten Alltag durchdringendes Thema und wegen der Zurückhaltung der Kulturschaffenden ist Wahlkampf in Deutschland viel weniger interessant. Einerseits sind wir als gut gebildete Staatsbürger natürlich froh, dass es bei uns um Programme  und nicht so  sehr um Performance in den Medien geht. Andererseits kann es nicht schaden, wenn Politik unterhaltsam ist  und Aufmerksamkeit erregt, denn irgendwie muss man die Leute ja auch in die Wahlkabine kriegen.

Wer macht also bei uns den Clint Eastwood und quatscht mit nem Stuhl? Wer ist unsere Scarlett Johansson und bekennt sich öffentlich, berührend und verständlich zu seiner Wahlentscheidung?

Und wer verbreitet bei uns soviel Spaß und gute Laune, wenn es um Frauenrechte geht, wie diese Ladys?

„You Don’t Own Me“ PSA -Official from You Don’t Own Me on Vimeo.

Selbstverständlich ist es eher kitschig als pragmatisch, aber vermutlich auch sehr viel wirksamer als ein trockenes Thesenpapier.

Beratungsresistent?

Dio mio – da hat die Meisterin der Schulungsunterlagen Chloe vom See sich solche Mühe gegeben, den Menschen eine verantwortungsvolle Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook beizubringen, ein Vorhaben, das offensichtlich eine Marktlücke getroffen hat, wie die vielen eingehenden Suchen „Facebook Höhepunkte abschalten“ etc. beweisen. Und dann das, ausgerechnet die Machthaber dieser Welt geben sich die Blöße:

Silvio auf Fakebook

Silvio auf "Fakebook", eine hervorragende Idee des Süddeutsche Magazin

Wer derart frei mit seinen Ausschweifungen umgeht, der muss sich doch nicht wundern, wenn die Ehefrau die Scheidung einreicht. Chloe, ich schlage vor, du schließt noch mal schnell einen Beratervertrag mit Berlusconi ab, hilfst ihm bei der Einstellung seiner Privatsphäre und der Kategorisierung seiner Gespielinnen und dann ab nach Teheran um dem Ahmadinedschad die Leviten zu lesen, was das Veröffentlichen peinlicher Testergebnisse angeht.

OoooBAaaMAaania

Bei Spreesee haben wir die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten ja wirklich aufrichtig herbeigesehnt und begrüßt. Doch diese Obamania, die heute herrscht, geht mir dann doch auf die Nerven. Die Art und Weise mit der (ausländische) Politiker und Päpste in Deutschland gerne mal wie Popstars empfangen werden, finde ich wirklich befremdlich.

Ich verstehe auch nicht, warum und vor allem nicht WIE sich öffentlich-rechtliche Fernsehsender heute nahezu den ganzen Tag mit Obamas Besuch in Europa beschäftigen. Gerade konnte ich verfolgen, dass die ARD-Berichterstatter vom NATO-Gipfel in Baden-Baden dabei so wichtige Sachen erörtern, wie die Frage ob Obama nun sein vom Protokoll eingeplantes Powernapping in der Ruhephase von 17 – 19 Uhr verkürzen muss, weil er zu lange irgendwelche Hände gedrückt hat. Das ist natürlich ein hochpolitisches Thema von brisanter Bedeutung!

Was geht es mich an ob und wie lange Barack Obama Bubu macht? Oder fällt das wirklich unter den Bildungsauftrag?

Zur Wahl

Ganz nüchtern betrachtet wird es höchste Zeit, dass wir unserem MoMa zum dritten Platz beim Rückblende Wettbewerb 2008 gratulieren! MoMa for President! Ah, nee, Obama natürlich (laut Vokaltheorie ein fantastisches Paar: mOmA & ObAmA)! Mit seiner Karikatur – und nicht mit SpreeSees – ging MoMa ins Rennen. Auch noch in Farbe! Das wollen wir auch…

Lieber MoMa, wann bekommen Maya und ich einen neuen Anstrich? Wir wünschen uns schon lange einen zweidimensionalen Gefühlsausbruch als „Choleric Chloe“ & „Manic Maya“. Wir wissen Deine Arbeit seit Jahren zu schätzen. Immerhin belieferst Du unsere Heimat mit Deinen politischen Spitzen! Chloes Nachbar Robert ist gar Dein größter Fan. Einmal hat er sich sogar bis morgens um Fünf alle „Hilmar der Hauptstadtreporter„-Folgen auf einmal auf welt.de reingezogen. Tja, mit Süchtigen ist nicht zu spaßen. Und kannst Du Dir nun vorstellen, wie schrecklich Robbys Entzugserscheinungen sind, seit Die Welt Deinen Hauptstadtreporter einfach so abgesetzt hat !!!

Boah, und was sehe ich da?

Auf den dritten Platz gelangte der Kölner Heiko Sakurai, WELT ONLINE-Lesern als Schöpfer von „Hilmar der Hauptstadtreporter“ bekannt.

Jetzt streuen die auch noch Salz in unsere Wunden. Den Schöpfer einfach geköpft und nun noch schnell zum Karikaturenpreis gratuliert.

Aber noch eine Erkenntnis übermannte Maya & Chloe gestern bei ihren nächtlichen Update-Telefonaten: Wenn wir die Wahl hätten, dann würden wir wohl auch lieber Laktose als Alkohol frei leben. Zum Glück hat sich bei MoMa also die bessere Hälfte des Genpools durchgeschlagen. Gratulation nochmals! Zum Preis und zum lustigen Leben eben!

Scherzo Scipito – Witzischkeit kennt keine (Geschmacks)Grenzen

Dass die Italiener eine Menge Spaß verstehen war eigentlich schon länger klar, spätestens seit sie den singenden Polit-Entertainer Berlusconi ein drittes Mal zum Chef ihrer Regierung machten. Doch jetzt regt sich selbst in der Heimat der sonnigen Gemüter die schlecht gelaunte Political Correctness.

Dabei – was ist denn groß passiert?  Onkel Silvio, der alte Papagallo und Tollpatsch, hat am neuen US-Präsidenten Obama Eigenschaften gelobt, die er an sich selbst auch schätzt und als Indikator für den politischen Erfolg sieht:

Giovane, bello, bronzato – Jung, schön, gut gebräunt

Wie nett! Was soll denn da die ganze Aufregung? Wer wird sich denn für diesen lahmen Scherz entschuldigen wollen?

Aus dem Heimatland der Machos kommend, hat er natürlich die übliche Taktik drauf, mit der immer alle Proteste glattgebügelt werden: „Wer hier nicht lacht ist humorlos.“

Ich glaube ja nicht an den Scherz. Meine Interpretation ist, dass Berlusconi einfach nur einen alternativen Beitrag zum Thema „Sprachregelung“ geben wollte. Ein Punkt der neben Schmidt & Pocher auch Chloe und Maya schon länger umtreibt. Während die Herren aus dem Ersten sich aber in ihrer Sendung am 6.11.08 auf so sichere Quellen wie den kenianischen Ministerpräsidenten Odinga berufen konnten, sind wir nur auf die eigene Sensibilität angewiesen.

Zur Erinnerung, in der Folge von „Knut beats Kindler“ führten wir folgende Diskussion:

Chloe: Afrikanisch? Dass ich nicht doppelt lache! Wir hatten sogar neulich einen echten Maximal Pigmentierten hier unten bei uns am See, der vorzüglich die Rezepte seiner Ahnen nachgekocht.

Maya: “Maximal Pigmentiert”
– was bitte ist das für ein abscheuliches Neusprech? Political Correctness muss doch nicht bis zur ästhetischen Sprachvergewaltigung gehen. Ich glaube nicht, dass sich das in irgendeiner Form durchsetzen wird.

Schwarz, farbig, Afroamerikaner, maximal pigmentiert, gut gebräunt – eins so gut wie das andere, oder nicht? Unter dem Nacktscanner sehen sowieso alle gleich aus.

(Ja Chloe, ich weiß, das schreit nach einem Poll, aber ich bin noch immer dagegen)

Keine Angst vor Wahlmaschinen…

…in Amerika beißen die nicht – höchstens in Ohio, aber sicher nicht in Amerika!

Homer ein Demokrat! Wer hätte das gedacht? Vielleicht war Obama ja persönlich in Springfield?

Mann – ist das aufregend! Man kann ja soviel Anteil an der amerikanischen Festkultur haben, wie man will, aber im Moment fühlt sichs an als wäre es auch unsere Präsidentschaftswahl, im Radio geht es den ganzen Tag um nichts anderes und ich bin auch schon ganz mitgerissen.

Hoffentlich schaffen die anderen Wähler es besser als das Oberhaupt unserer Lieblings-All-American-family…