Teil II: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Ich kann es einfach nicht fassen, die Welt ist fies und gemein! Diebstahl ist echt reudig. Vor allem wenn man nicht die Chance bekommt, zurückzustehlen, so wie ich kürzlich. Soll man nun mit Brustbeutel oder Rucksack tanzen gehen oder die Habseligkeiten in Strumpf bzw. wenn möglich Dekolleté vor Langfingern verstecken?

Und dann diese mangelnde Hilfsbereitschaft der Behörden! Ein Skandal.

Aber: selbst ist die Frau! Um nicht untätig herumzusitzen und uns selbst als wehrhafte Bürgerinnen zu fühlen, flyerten wir, wie Chloe angekündigt hatte, also heftig dort, wo das gute Telefon zuletzt ein Lebenszeichen von sich gab. Immer wissend, ein mieser Verbrecher treibt hier ganz in der unmittelbaren Nähe sein Unwesen.

Anschließend fuhr die stark mitgenommene und übernächtigte Chloe nach Hause und kündigte verschiedene Maßnahmen an, sich vor neuen Schicksalschlägen zu schützen. Darunter ein erneuter Umzug, weg aus der bösen großen Stadt, eine alternative Ausgehausrüstung mit billigem Partyhandy, Bargeld und Ausweiskopie, sowie Schlüsseldeponie oder aber die völlige Besitzlosigkeit…ich hoffe sehr, der Schlaf wird eine mildernde Wirkung auf diese Überreaktion haben.

Ich schleppte meinen grippigen Körper zum Tatort – Clärchens Ballhaus – schließlich kehren Übeltäter gerne dorthin zurück. Auf jeden Fall wollte ich noch einmal die öffentlichen Mülleimer in der Umgebung checken und einige der Flyer anbringen, was ich auch tat. Allerdings nicht im Elster-freundlichen Etablissement selbst, die aalglatten livrierten Kellner ließen auch mich eiskalt abblitzen. (Chloe vermutet inzwischen eine Mittäterschaft des Personals, durchaus eine realitätsnahe These, kenne ich zumindest aus ehemaligen Jobs im Einzelhandel, da war das gang und gäbe.

Beim Aufhängen machte ich eine schockierende Entdeckung, offensichtlich scheint die Auguststraße ein beliebter Ort für Beutezüge zu sein, denn auch andere suchten hier mit Flugblättern nach Diebesgut:

Auch andere Opfer von gemeinen Dieben vertrauen nicht auf die Ermittlungen der Polizei!

Kopfschüttelnd trat ich den Heimweg an und wurde jäh durchs Handyklingeln beim Nachsinnen über weitere Schritte gestört: Charly hatte die frohe Nachricht erhalten, dass irgendwer, irgendeinen Teil der vermissten Dinge gefunden hatte. Ja! Charly. In einer fulminanten Telefonkette ging die Botschaft des Fundes durch Deutschland. (Polizist an Chloes Schwester, die uns beim Ausüben der Selbstjustiz nicht erreicht, dann Charly auf diversen Kanälen um Mithilfe bittet über mich zurück zu Chloe, die zum Zeitpunkt maynes Anrufes dann auch schon Bescheid wusste, puh).

Kurzfristig flammte große Hoffnung auf – in Tegel sei am Flughafen ein Beutel mit Inhalt gefunden worden. „Strike!“ dachte ich und überlegte nur: was trieb den Täter denn zum nördlichen Flughafen, nachdem das Handy an einen Friedrichshainer Dealer verkloppt worden war und ist der mit der ganzen Handtasche unterwegs gewesen? Das hatten wir bei unserer Ermittlungsarbeit nicht bedacht, dass das Diebesgut ausgeschlachtet würde wie ein gestohlener Wagen.

Hier in der Gegend treibt sich ein Verbrecher herum...

Da schlugen wir uns am Ortungspunkt durch verwahrloste Hinterhöfe, hüfthohe Brennnesseln, guckten in jede zugängliche Mülltonne und verschufen uns Zugang zu den video-überwachten Treppenhäusern der bereits gentrifizierten Anrainer, immer mit dem ekelhaften Gefühl in der Magengrube, dass das Schwein hier irgendwo stecken musste! Und nun wurde das Diebesgut in Tegel gefunden???

Inzwischen schrumpfte der erfreuliche Fund  leider in einen etwas kleineren Glücksgriff, nicht die Tasche, sondern nur ein Teil des Inhaltes, den Chloe als Geldbeutel verwendet, ist aufgetaucht. Informationen über die Umstände des Fundes sind selbstverständlich wieder spärlich. Was tun die Polizisten eigentlich den ganzen Tag?

Chloe Brockovich schläft nun erst einmal den Schlaf der Beklauten um morgen in bester Kohlhaas-Manier einmal mehr das Heft in die Hand zu nehmen: Sie fordert die Herausgabe der Überwachungsbänder des Flughafens, um den Dieb dingfest zu machen. Auf skeptische Einwürfe maynerseits entgegnet sie resolut:

Ich möchte doch nur ein Verbrechen aufklären!

Ich wünsche ihr dabei natürlich sehr viel Glück, bin gespannt ob und wo weitere Teile  des entwendeten Hab und Guts auftauchen und wäre echt gerne dabei, wenn der Übeltäter von der Erynnie gestellt und gerichtet wird…

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Teil I: Chloe und Maya auf Verbrecherjagd!

Ob Brechts Unterwelt, Döblins Franz Biberkopf oder Kästners „Emil und die Detektive“ – ich hatte immer einen Faible für die Schattenseiten Berlins. In der Fiktion versteht sich. Aber bei Chloe ist ja die Realität sowieso wie ein nie endend wollender Film… Deshalb werde ich nun schon zum zweiten Mal Opfer eines Betrugs.

Beim ersten Mal handelte es sich um den massierenden Hochstapler Borello. Mir war zum Glück außer etwas Gänsehaut nicht viel passiert. Nach meinem Blogeintrag landeten aber mehrere Mädchen über den Suchbegriff „Borello Ansbacher Straße“ auf SpreeSee. Sie schilderten mir, dass ihnen exakt das gleiche bzw. Borello widerfahren war (sogar die Nummer mit den tanzenden iPhone-Apps hat er jedesmal gebracht!). Ein Mädchen ist leider „weiter gegangen“. Ich hatte natürlich direkt nach meinem Blogeintrag WG gesucht alarmiert. Aber nun erstatte ich endgültig Anzeige bei der Polizei. Ich sehe mich in der Pflicht, diesem Wicht keine weiteren Opfer zuzuspielen! Seit dem 10. Mai 2010 warte ich jedoch auf Antwort von der Polizei. Dabei hatte ich ordnungsgemäß das schicke Onlineformular auf der Internetwache ausgefüllt und die Bearbeitungsnummer fünf Mal auf positiven Eingang hin geprüft. Bisher nix gehört. Heute will mich jemand zurückrufen.

Die gestrige Konfrontation mit den Berliner Schurken überstand ich leider nicht schadensfrei! Am Dienstag fand Tanguera Chloes Debüt im Clärchens Ballhaus statt. Direkt am Eingang fragte ich nach einer Garderobe. Es gäbe keine, antwortete man mir. Da hatte ich schon ein schlechtes Gefühl. Wie Maya weyß, lasse ich meine Wertsachen und vor allem ideellen Begleiter ungern irgendwo herrenlos stehen. Mein Tanzpartner maynte jedoch, dass ich das ruhig alles unterm Tisch stellen kann, da passiert nix. Als ich dem jähen Tangotreiben ein Ende bereiten wollte, war plötzlich meine komplette Handtasche verschwunden. Der Kellner zuckte nur lächelnd seine Schultern:

Dienstags kommt das eigentlich so gut wie nie vor. Eher samstags. Machen Sie sich da bloß keine Hoffnungen, die ist für immer weg! Da man für diese Milonga keinen Eintritt bezahlen muss, kann Hinz und Kunz hier ein und ausgehen.

Klare Ansage! Die übervorsichtige Chloe, die immer Angst vor den Mädchenbanden in Neukölln und Kreuzberg hat, wurde also in Mitte beraubt.

Ob fehlender Monatskarte und Bargeld lief ich die ganze Strecke von Mitte nach Kreuzberg zu Fuß nach Hause. Im Morgengrauen riss ich meine Mitbewohnerin aus dem Schlaf. Mein Schlüssel war och wech! Sofort sperrte ich alle Karten und rief natürlich die 110 an. Kommentar des Polizisten: „Handtasche? Nee, da können wir nix machen. Melden Sie das online oder gehen Sie morgen zu ihrer zuständigen Bezirksdirektion.“ Online? Dachte ich mir, nee, das hat schon beim ersten Mal nicht geklappt. Ich recherchierte die Öffnungszeiten und nahm mir vor, in aller Herrgottsfrüh Strafanzeige zu erstatten.

Parallel kam mir noch eine andere Idee… Ich rief mich selber an. Freizeichen! Keiner hob ab. Hm, dachte ich mir, dann kann ich doch mein Handy über meinen Netzbetreiber orten! Und siehe da, nach nur zwei Minuten poppte folgende Karte auf:

Handyortung: Finde den Dieb !

Mir klopfte das Herz und ward schlecht. Da sitzt also der Verbrecher mit allen meinen persönlichen Sachen in seiner Wohnung und ist zu dumm oder high, das Handy auszuschalten? Und die Polizei hilft mir nicht! Welch Ohnmacht.

Mit aufgequollenen Lidern tauchte ich ca. vier Stunden später bei der Polizei auf. Ich erwartete ein volles Wartezimmer und war völlig überrascht, dass eigentlich keiner da war. So kam ich schnell dran und konnte meinen Fall schildern.

Der furchtbar junge Polizist notierte alles brav auf einen Zettel. Als ich von der Handyortung erzählte, riss er sich aus seiner Lethargie und witterte eine spannende Verbrecherjagd: „Das ist toll! Wir haben schon mal jemanden so auf frischer Tat ertappt. Aber dabei handelte es sich um einen Taxisender. Die Polizisten haben das Gerät zu dritt geortet und eingekreist. Mensch, ist Ihr Handy noch an?“ Chloe genervt, da die kompetenten Kollegen bei der 110 das ja nicht in Betracht gezogen hatten: „Nein, die Karte ist natürlich inzwischen wie alles andere gesperrt!“ Der Polizist unermüdlich: „Dann entsperren Sie wieder! Ich gebe Ihnen die Telefonnummer von den Kollegen in Friedrichshain. Wenn man das Handy immer noch orten kann, dann können wir die stellen!“

Nun musste ich aber zuerst schwarz zum Arbeitsort meiner Mitbewohnerin fahren, um wieder an einen Schlüssel zu kommen bzw. in die Wohnung zu gelangen. Ohne Rechner (O-Ton Polizist: „Bei der Polizei kann man nicht online gehen!“) kam ich nicht an meine Daten…

Zur Sicherheit rief ich zu Hause als erstes bei den Kollegen in Friedrichshain an. Inzwischen war es schon 12.12 Uhr. Der nächste Spruch schockierte mich:

Kein Eintrag auf ihren Namen bzw. die Bearbeitungsnummer, die Sie gerade durchgegeben haben!

Mein Polizist in Kreuzberg hat wohl bisher seine schriftlichen Notizen nicht ins System eingetragen! Darüber war auch der Kollege in Friedrichshain entrüstet.

Nun sitze ich hier. Habe meine SIM-Karte wieder entsperrt. Leider scheint das Telefon inzwischen aus zu sein. Soll ich jetzt doch wieder sperren? Ich will verdammt noch mal HILFE!

Der einzige Mensch, der mir jetzt zur Seite steht ist wie immer Maya. Wir drucken nun Flugblätter aus und verteilen die in der Umgebung des georteten Handys. Vielleicht finden wir auch vor Ort zumindest meine Ausweise und meinen Hausschlüssel. Am liebsten würde ich jede einzelne Wohnung persönlich betreten und dem Verbrechen den Hals umdrehen. Ich habe aber meiner Mitbewohnerin versprochen, mich nicht in Gefahr zu bringen.

Das mit dem Tango lasse ich nun zumindest für eine Weile.

Teil III: Tanguera Chloe und die Männer

Ob Mayas Maultaschen musste ich meine Erzählung kurz abbrechen. Nun zurück zum Griechen. Zwei Tage bevor der Tango-Intensivworkshop anfangen sollte, schrieb er mir noch eine ellenlange E-Mail zu den „geschichtsträchtigen Hallen von Clärchens Ballhaus”. Mit dem Kommentar “übermotiviert” klickte ich die Mail einfach weg. Ja nicht mit einer Antwort auch noch Zeichen von Interesse zeigen.

Nach meiner durchzechten Nacht tauchte ich total verkatert aber pünktlich zum Kurs auf. Chloe chann in diesem Zustand ganz schön ungeduldig und zickig sein. Jeder Satztropfen auf ihren überstrapazierten Nerven macht aus der Frau vom See schnell eine Choleric Chloe. Der Grieche tat mir jetzt schon Leid und ich hoffte für ihn, dass er über Nacht dem Kloster der Trappisten beigetreten war. Aber von Schweigen war keine Rede! Kaum saß der Kerl neben mir, kam schon der erste Vorwurf: „Ist es nicht schön hier? Ich habe Dir ja Bilder vom Spiegelsaal in meiner letzten Email geschickt. Hast Du meine Email nicht gelesen?“

Chloe – zweiter Vorname „Delete“ – ignorierte die Bemerkung einfach und nickte nur mit dem blauen Kopf. Ich sprang vom Stuhl auf und sah ob dieser schnellen Bewegung nur noch Sterne vor mir. Bevor ich mich fangen konnte, hatte mich der Grieche schon fest im Griff und wir marschierten über die Tanzfläche. Zum Glück revoltierte zumindest nicht mein Magen. Es wäre doch all zu lustig gewesen, hätte ich mich beim Tanzen übergeben.

Qualvoll war es so oder so. Die nächsten drei Stunden sollten mir richtig in die Knie gehen. Bzw. voll auf die Kniescheiben. Sirtaki Moves beim Tango sind nicht nur unsexy, sondern auch schwer gefährlich.

Die O-beinigen Kniebeugen meines griechischen Gegenübers führten konstant zu Kollisionen. Da ich erst zwei Tage zuvor klettern war (mit einem coolen „oben ohne“ Kletterpartner, den ich danach nie wieder angerufen habe) und dabei meine Knie an der Kletterwand aufgerieben hatte, bildeten sich nun fette Hämatome um meine Kniescheiben.

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so froh darüber sein könnte, wenn mir jemand beim Tanzen einfach nur auf die Füße tritt. Aber jeder Fußtritt entlastete meine Knie. Schlimmer als der physische Schmerz war jedoch der ästhetische. Das wankende Boot vor mir war so rhythmisch wie ein Rhinozeros. Es rollte einfach auf mich zu und ich war stets darum bemüht auszuweichen oder wegzudrücken. Genervt schrie ich: „Mach doch mal langsamer, aber dafür richtig!“ Mein Tanzlehrer lachte sich krank als Zeuge meiner zickigen Ausbrüche. Als ich nach einer Kniescheibenattacke mal wieder bösartig die Augen rollte, fragte mein Tanzlehrer nun aber besorgt, ob bei mir alles in Ordnung sei. Ich knirschte ein „Ja“ heraus. Kurz vor einem cholerischen Wutausbruch meinerseits – das Rhythmus-Genie hatte gerade schmachtend bemerkt, was das für eine schöne Musik sei – gab es zum Glück eine Pause. Ich hyperventilierte erstmal auf der Toilette. Contenance, Chloe! Meinem Tanzlehrer flüsterte ich noch entschuldigend ins Ohr, dass ich total verkatert sei.

Bei den Getränken wartete mein persönlicher Folterkörper auf mich. Prompt fragte er, was ich denn da dem Tanzlehrer ins Ohr geflüstert hätte. Außerdem sähe ich wirklich nicht gut aus. „Warst Du etwa gestern Abend aus?“, fragte er vorwurfsvoll. Ich hatte auf dieses ganze Verhör echt keinen Bock und brachte die Mega-Notlüge: „Ich habe Menstruationsschmerzen.“ Von da an ließ er mich peinlich berührt nun einigermaßen in Ruhe.

Meine Stimmung nach der Pause wurde jedoch nicht besser. Mein Rausch ließ nach und meine Wahrnehmung verschärfte sich leider. Plötzlich bemerkte ich all diese Tanzpärchen um mich herum, die sich sehnsuchtsvoll mit den Augen die Klamotten vom Leib rissen. Dabei ist es beim Tango streng verboten sich in die Augen zu schauen. Oder sich gar zu küssen (pfui)! War das eine Paartherapie in der ich gelandet war? Tanzen gegen die Trennung!

Und plötzlich sollten sich alle im Kreis aufstellen. Der Führende hinter die Folgende. Ich ahnte Furchtbares! Der Tanzlehrer wollte unsere Haltung mit einer Übung verbessern. Bevor ich mich wehren konnte, drückte der Grieche meine Hüften schon gen Boden! Ha! Ich konnte mich gar nicht daran erinnern, wann ein Mann zum letzten Mal meine Hüften angefasst hatte. Fuck! Maya hatte mich zwar gewarnt, aber ich hatte das mit dem „Körperlichen“ beim Tango echt unterschätzt!!! Die Rückrunde stand an und die Frauen sollten bei den Männern Hüfte und Rippen strecken. Mein Schrecken stand mir diesbezüglich wohl im Gesicht geschrieben. Mein Tanzlehrer sprang für mich ein, da das körperliche Verhältnis (David gegen Goliath) nicht stimmte. Ich spreche den Mann hiermit nachträglich heilig!

Beim letzten Tanz gab der Tanguero-Zorba-Mann alles. Meine Hand kam mir in seiner wie ein weißes Taschentuch vor, das er nach einer Flasche Ouzo glücklich hin und her wedelte. Ooooooopa ! Super – nach drei Stunden Tanz war ich zwar ausgenüchtert, dafür war meine Schulter nun komplett verkatert. Ich bedankte mich und verabschiedete mich gen Bahn. Aber weil ich so klein und gebrechlich bin, musste mich mein Tanzpartner natürlich zu meiner Haltestation begleiten. Hier offenbarte ich ihm dann auch, dass er mir zu groß für einen festen Tanzpartner sei. Er nahm es mit Fassung.

Der nächste und letzte Tag sollte von Ochos bestimmt sein.

Typische Merkmale des Tanzes sind neben dem engen Kreuzen der Beine („Kreuz“ oder „Cruzada“) die so genannten „Achten“ bzw. „Ochos“, die vor allem von den Frauen getanzt werden. Dabei beschreiben die Füße der Tänzerin – wie der Name sagt – auf dem Boden eine Acht. Diese Acht kann in Vorwärts- wie Rückwärtsrichtung getanzt werden; mehrere Ochos hintereinander sind durchaus üblich. Während die Frau solche – natürlich geführten – Ochos tanzt, begleitet der Mann sie in der Regel mit einfachen seitwärts gerichteten Schritten.

Ich musste mir nun von meinem Tanzadonis anhören, dass wenn ich nicht so arg auf meine Figur achten würde, das mit den Ochos sicherlich besser klappen würde. Hallo??? Ich war nur darum bemüht, bei der Torsion auf meine Bandscheiben zu achten! Bisher hatte ich mich wirklich arg zusammengerissen. Aber nun kannte ich auch kein Pardon mehr! Als der vom Tanzolymp gestürzte nun Rückwärts-Ochos zu improvisieren versuchte, stellte ich mich stur.

Chloe: „Ich tanze nur, was ich gelernt habe. Sonst schleichen sich Fehler ein. Und sich Gewohnheiten abzugewöhnen ist schwieriger als Neues zu lernen!“

Grieche: „Ach, das klingt ja so intelligent. Sag bloß, Du hast studiert?“

Chloe schnippisch: „Ja!“

Grieche beeindruckt: „Ach, wirklich?“

Chloe sich dumm stellend: „Nein, natürlich nicht.“

In der Pause gab es dann die große Aussprache.

Grieche: „Ich habe das Gefühl, dass Du mich nicht magst. Du läufst immer mindestens 2 Meter vor mir her und tust so, als würdest Du mich nicht kennen. Du bist immer so, so…“

Chloe: „Forsch!“

Grieche: „Ähm, ja. So wollte ich das jetzt nicht ausdrücken, aber das Wort trifft es wirklich gut.“

Chloe: „Ich bin zu allen so. Das ist meine Art. Nimm das bloß nicht persönlich. Ich danke Dir auch, dass Du mich erträgst. Ich weiß, dass ich keine leichte Frau für nen Tanzkurs bin. Danke, dass Du das mit mir durchmachst.“

Zum Abschluss begleitet er mich wieder zur Bahn. Da ich dieses Mal aber meinen Freunden zu einer Ausstellung nachfolgte, musste ich zu einer anderen Station. Das verwirrte ihn. Vielleicht glaubte er auch, dass ich das mit den Freunden nur erfunden hatte, um ihn loszuwerden. Wer so forsch ist wie Chloe, kann ja keine Freunde haben. Er verabschiedete sich mit der Floskel „Du weißt ja, man sieht sich immer zwei Mal im Leben.“ Für mich klang das fast wie eine Drohung. Vor allem, da wir uns doch schon drei Mal im Leben gesehen hatten. Und das kann auch mal einfach reichen!

Teil II: Tanguera Chloe und die Männer

Über meine Tanzpartnerbörse fand ich also tatsächlich noch einen potentiellen Kandidaten: Einen Griechen-Lulatsch. Ob meiner Not sah ich großzügig über die Migrationshintergrunds-Ressentiments hinweg. Ferner hatte sich auch mein Tanzlehrer für mich eingesetzt und einen gesetzten Mitte Vierziger namens Jürgen für mich aufgetrieben. So kam es, dass ich an einem Abend beide testete. Nach der ersten Stunde mit dem Griechen verabschiedete ich mich auf eine Runde um den Block und kehrte schnell wieder ins Tanzstudio zurück, um mit Jürgen die Rolle der Folgenden auszuprobieren. Das mit Jürgen war ein Volltreffer! Er tanzt eigentlich schon Mittelstufe, hat aber ein Jahr lang ausgesetzt und möchte nochmals von Anfang an anfangen. Sehr gute Bedingungen für mich. Der Kerl weiß was und vor allem wohin er will! Und mir war sofort klar, dass ich sonst nix von dem will. Eine rein sportlich platonische Angelegenheit.

Nun hatte ich aber dem Griechen schon zum Intensiv-Wochenendkurs zugesagt. Da musste ich jetzt durch. Zur Einstimmung lud mich meine Freundin Nisa freitags zur Tango-Show des Quinteto Angel in der Philharmonie ein. Für Gesang sorgte Sergio Gobi. Völlig elektrisiert von dessen übertriebener Gestik meinte ich zu Nisa: “So nen Mann brauch ich! Leidenschaft pur. Lecker, lecker, lecker.“ Beim Showtanz riss Constantin Rüger seiner Partnerin Judith Preuss ausversehen den Rock runter. Man sah die hautfarbene Buxe hervorblitzen. Für meinen Wochenendkurs beschloss ich somit, nur in Hosen zu tanzen. Man weiß ja nie…

Obwohl ich am nächsten Tag früh morgens um 8 Uhr Besuch erwartete sowie den Tango-Kurs zu meistern hatte, begleitete ich Nisa doch noch zu einer Abschluss-Feier eines Freundes. Aus „auf nur auf eine Cola“ wurde ob des freien Kontingents (welcher Schwabe kann da widerstehen!) plötzlich ein hochprozentiger Abend. Die abschüssige Location und der kauzige Barkeeper versetzten mich zurück in die Unterwelt eines Brechtschen Stücks. Berlin schmeckte mir plötzlich ganz fein. Darauf gab es den guten alten Hendrick’s Gin. Der Barkeeper führte mich gar an eine ganz neue Sorte Gin ran. Wer hätte gedacht, dass es in Dijon neben Senf derart vorzügliches gebraut wird?

Eine neue Gin-Sünde für Chloe !

Ich schwebte im Gin-Himmel. Aber die Hölle ist immer näher als man denkt: Ein Kerl neben mir versuchte mich den ganzen Abend mit Anekdoten rumzubekommen.

Kerl: „Ich war schon mal auf der Antarktis.“

Chloe besserwisserisch: „Ja, is klar! Ich stand auch schon kurz davor, als ich am Arsch der Welt in Ushuaia war. Jedoch fehlten mir einfach die letzten 5000 Euro für die Fähre gen Antarktis!“

Kerl: „Nein, im Ernst. Ich arbeite ein Jahr lang als Schiffsarzt. Ich war immer so besoffen, dass der Kapitän, der selbst stets einen sitzen hatte, auf mich zukam und meinte, ich solle doch zumindest den Whiskey in eine Cola-Flasche schütten. Die Passagiere beschwerten sich schon, dass der Arzt immer nach Alkohol riecht.“

Als er mir noch seine mieseste One-Night-Stand-Nummer erzählte – er wachte morgens auf und ward ausgeraubt – ging ich genervt auf Toilette. Auf der Damentoilette wurde jedoch munter gekokst, so musste ich auf die der Herren ausweichen. Um wenigstens eine Stunde Schlaf zu bekommen, machte ich mich auf dem Weg nach Hause. Kurz vor Ankunft beobachte ich ein Paar, das recht angetrunken aus dem Taxi stieg. Der Taxifahrer rief dem Typen noch keck hinterher: „Viel Erfolg!“ Die Berliner Schnauze hat was! Dem Mädel wünschte ich nur, dass sie hoffentlich im Besitz eines iPhones war. Am nächsten Morgen muss die sich in ihrem Zustand sicherlich erstmal zurechtgoogeln, wo sie da gelandet ist. Wie wäre es eigentlich mit einer App für Berliner Hinterhöfe? Ich stehe selbst jedes Mal völlig kafkaesk vor all diesen Türen und weiß nicht, welche mich wieder in die Zivilisation führt.

Später mehr. Ich muss jetzt zum Tango und Maya hat die Brühe für das Gründonnerstagsabendmahl mit Jos und Chloe schon fertig. Meinen Nachtisch habe ich bereits in meiner Handtasche blickdicht verstaut, damit mein Tanzpartner nicht auf falsche Gedanken kommt.

Teil I: Tanguera Chloe

Wie die Leidenschaft für den Tango erwachte.

Oft wird Chloe gefragt: „Warum gerade Tango?“

Einen konkreten Auslöser gab es hierfür nicht. Vielmehr diverse Verkettungen. Die Chansonniere vom See hatte zum Beispiel schon immer einen Faible für populäre jüdische Schlager aus den 20er/30er Jahren in Berlin sowie Wien. Einer ihrer größten Stars ist Curt Bois. Leider finde ich seine sprachartistische Interpretation von „Guck‘ doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“ nicht auf YouTube. Hier eine moderne Version:

Vor genau einem Jahr besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben Wien. Ich bloggte jedoch nur die lustige Anreise und schulde noch ein paar Erläuterungen zu meinem Abend im Burgtheater. Dank FM4 gewann ich ja Eintrittskarten zum „Abschieds-Kongress im Burgtheater“:

Herzstück des Kongresses bilden die Gespräche mit über 120 „Abschiedsexperten“, die in den Logen des Burgtheaters ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Meinungen zu den Themen „Abschiede auf Zeit“, „Lebewohls“, „Suche nach dem Neubeginn“ und „Aufbruch“ mit den Besuchern teilen.

Im Burgtheater empfingen uns lauter Damen im Pagenschnitt.

Was für ein Happening im Burgtheater! Ich liebe Inszenierungen.

und ich buchte ein Gespräch mit DDR. Friedl Tisseau (Wenn ich tanze, bin ich nicht von dieser Welt). Ich muss zugeben, dass ich das vor allem aufgrund der Primzahl 7 tat. Der Rest fügte sich.

Mein persönlicher Abschiedsexperte.

Auf dem Weg zu meiner Loge durchschritt ich einen Raum, in dem Tango getanzt wurde. Der ganze Abend im Burgtheater war magisch wie eine Zeitreise in ein altes Jahrhundert. Ich fühlte den mondänen Lebensstil der 20er/30er Jahre. Chloe beschritt ihre Loge und wurde von dem Setting um sie herum in Trance versetzt. Das Stimmengewirr aus all den Logen heraus erfüllte das ganze Theater und wurde selbst zur Bühne.

Abschieds-Kongress im Burgtheater.

Vor mir saß eine Weltenbürgerin, die sicherlich zur Zeit der 30er Jahre eine junge Schönheit gewesen sein muss. Madame Tisseau war auch von mir entzückt: „Sie sind ja so jung!“ bellte sie euphorisch. Nun folgte ein halbstündiger Monolog. Chloe sagte nicht einen Satz (worüber alle, die sie kennen, erstaunt sein  müssen) und hörte völlig fasziniert zu. Madame Tisseau erzählte von ihren Männern. Dem Diplomaten mit dem sie verheiratet war. Beiläufig schaute sie mich nochmals genauer an und gab mir einen Rat mit:

Sie sind hübsch. Verschwenden Sie sich nicht!

Dieser Satz durchzuckte mich derart, dass ich in der Tat jeglichen Versuchen des Wiener Wochenendes widerstehen sollte!

Nun fing Madame Tisseau vom Tango an zu schwärmen. Wie sie in anderen Sphären schwebe, wenn sie auf dem Parkett tanze. Sie legte ihre Hand auf mein Knie und schaute mich ernst an:

Madame Tisseau: „Wissen Sie, wie Sie wirklich Tango tanzen lernen?“

Chloe wird, bevor sie nur einen Satz sagen kann, unterbrochen…

Madame Tisseau: „Sie kaufen sich einen! Sie kaufen sich einen Tangotänzer! Ich leiste mir immer echte Argentinier.“

Ich musste schmunzeln und dachte sofort an Billy Wilder, der sich in den 20er-Jahren als Eintänzer im Hotel Adlon die Brötchen verdiente.

Es folgen schmerzhafte Rückblicke auf all die unzuverlässigen, unpünktlichen jedoch leidenschaftlichen Carlos und Juans. Madame Tisseau ist nicht mehr zu stoppen. Sie überschreitet ihre Zeit, wir werden zwei Mal von den Damen im türkisen Kostüm darum gebeten aufzuhören. Madam Tisseau hat sich so in Rage geredet, dass sie mich spontan an sich reißt und drückt:

Sie gefallen mir! Sie gefallen mir! Lassen Sie sich meine Nummer von den Damen geben und besuchen Sie mich!

Ich versuchte es in der Tat! Aber mir wurde die Nummer nicht rausgerückt.

Seitdem schwirrt mir Madame Tisseau im Kopf umher. Als ich letzten November in Buenos Aires war, musste ich natürlich einen Tango-Kurs

Meine erste Tangolehrstunde.

sowie eine Tango-Show besuchen.

Was für ein Tango-Theater !

Nun saß ich Mitte Februar ob der grauen Großstadttristesse in Berlin im Seeweh fest. Ich vermisste Gewässer und Gebirge. Statt mich im Weltschmerz zu laben, packte ich mich jedoch am Schopf und gedachte der anderen Träume, die ich als Chloe „vom See“ nicht verwirklichen konnte: Ein Tango-Kurs !! Berlin ist die zweitgrößte Tango-Stadt der Welt nach Buenos Aires. Also ab aufs Parkett!

Ich bloggte ja bereits meine Suche nach dem Tango-Grundschritt sowie die Suche nach einem Tango-Partner. Nun wird daraus eine Serie…

Chloe auf Tanzpartnerbörsen

Gestern schob ich ja noch Panik vor der ersten Tango-Tanzstunde.

Dies schien alle um mich herum köstlich zu amüsieren. Moma maynte am Telefon ich soll das mit dem im Dunkeln tanzen lassen. Das sei doch höchstens süß und nicht peinlich. Kino-Woody schrieb mir gleich folgende Mail:

nachtrag, frage hinsichtlich schuhe und tanzpartner hat sich geklärt. was machen die blauen schuhe so nah an den roten? ich sagte doch sinnlicher tanz. kommt nich von ungefähr aus dem puffviertel in buenos aires. tanzschritte im dunkeln üben, eine idee, die nur dir einfallen kann. super!! hab mich köstlich amüsiert. bin auf die textliche verarbeitung der ersten tanzstunde gespannt. deine blogeinträge sind meine tv-serien für’s hirn. nochmal lg kino-woody

„TV-Serien für`s Hirn“! Geht’s noch? Wisst Ihr überhaupt, was ich jedes Mal durchstehen muss?? Naja, Kino-Woody, ich will Dich nicht enttäuschen….

Ich tauchte gestern wie vereinbart in der Tanzschule auf und suchte aufgeregt das Erkennungszeichen im Saal ab: eine rote Tanzschuhtasche. Sofort sah ich auch den größten Nerd der Welt mit einem peinlichen roten Beutel in der Ecke sitzen. Der Kerl strahlte mich an. Ich versteckte hastig mein Erkennungszeichen, die blaue Tasche, hinter meinem Rücken. Nein, nein, ich kann nicht so schmerzbefreit sein, dass ich mir diesen Typen antue! Irgendwo hört es mal auf, Chloe! Außerdem scheint der sich für seine 33 Jahre echt schlecht gehalten zu haben. So viel graues Haar. Unschlüssig, wie ich mich jetzt verhalten soll, blieb ich erstmal auf meinem Stuhl sitzen. Nein, dachte ich mir, den spreche ich niemals an, vorher sterbe ich! Oh Tanzgott, lass das nicht Herr Meiser sein! Bitte lass einen anderen sexy Latino hier vom Himmel fallen. Bitte, sofort!

Wer hätte es gedacht! Meine atheistischen Stoßgebete wurden erhört. Plötzlich stand ein Mann vor mir und meinte: „Du musst Chloe sein!“. Woher wusste der das bloß? Ich hatte doch meine Tasche extra versteckt. Maya maynte am nächsten Tag, dass der wohl alle Frauen in diesem Tanzstudio kennt und mich somit sofort als Neuling gerochen hat. Herr Meiser sah zumindest erträglich aus. Keine Schönheit, aber zumindest ein Mann, den ich ohne Kneifzange anfassen kann. Super! Bei dem heißen Tanz muss ich mich ja auch nicht verlieben müssen… Der Nerd in der Ecke schaute traurig weg, als ich mit meinem Herrn Meiser die Tanzfläche beschritt.

Herr Meiser tanzt seit einem Jahr. Das wusste ich dann sehr zu schätzen. Der Kerl konnte mich schon ganz gut führen. Nur seine Pädagogen-Ader nervte. Andauernd versuchte er mich mit Tanz-Anekdoten abzulenken, damit ich etwas lockerer und entspannter werde. Die Geschichten waren jedoch so lahm, dass ich lediglich aus dem Rhythmus kam. Daher wollte er mich als nächstes dazu überreden, dass ich mit geschlossenen Augen tanzen soll, um meine Aufregung zu verlieren. Hallo? Geschlossene Augen? Klar! Das ist fast so entspannend wie eine Massage in Boxershorts… aaaaaah!

Mitten drin kam der Tanzlehrer auf die grandiose Idee, dass wir die Tanzpartner tauschen sollen. Ich bekam einen 55-jährigen Papa Schlumpf in die Hand gedrückt. Der war nicht nur kleiner als ich, der machte auch winzige Schritte. Keine Chance für mich, auch nur irgendwie zu folgen! Dann gab er zu, dass das seine allererste Tanzstunde in seinem Leben sei und er wegen seiner Frau und eines Argentinien-Infostandes auf einer Touristik-Messe diesen Kurs anfange. Boah! Mir wurde plötzlich bewusst, wie wichtig die Rolle des Mannes beim Tanzen ist! Kein Wunder, dass die Damen der 20er früher ordentlich Geld für den Eintänzer löhnten. Billy Wilder ist übrigens einer der berühmtesten!

Zum Schluss wurde das Licht gedimmt und wir tanzten noch drei Tangos. Herr Meiser wagte es, mich an meine Grenzen des Anfängers zu führen und testete fortgeschrittene Schritte. Ich gab mich dem Tango hin und plötzlich hatte ich Blut geleckt: Das ist es, wofür ich eigentlich geschaffen wurde! Ich will nie wieder etwas anderes machen!

Als ich mich dann erwartungsvoll nach dem nächsten Treffen von Herrn Meiser verabschiedete, meinte dieser nur trocken: „Melde Dich, wenn Du durch den Anfängerkurs durch bist. Ab Ostern habe ich wieder Zeit.“

Hallo? Nein! Der kann mich doch nicht so hängen lassen… Wie soll ich denn nun einen Tanzpartner aus dem Schuh zaubern??? Verzweifelt rannte ich sofort nach Hause und loggte mich im Netz an. Chloe registrierte sich auf diversen Tanzpartnerbörsen. Sogar gegen Geld! Was ist bloß los?

„Ich bin vom Tangofieber infiziert“, schrie ich mittags Maya in meiner Verzweiflung an. Maya kriegt sich seitdem nicht mehr ein.

Chloe fassungslos: „Dieser Herr Meiser… Der spinnt doch! Der kann mich nicht so eiskalt fallen lassen! Aber ehrlich gesagt, macht der auch den Eindruck eines Heiratsschwindlers! Davon hatten wir es doch gerade noch!“

Maya wie aus einer Kanone: „Klar – der hat halt gesehen, dass bei Dir nix zu holen ist und wartet nun, bis Du einen Job hast. Brüüüüülllll !“

Immerhin half Maya mir, mein Profil etwas kecker zu gestalten, damit sich vielleicht doch noch ein Mann erbarmt. Acht Männer schrieb ich an – keine Antwort! Obwohl die eingeloggt waren – das sah ich doch. Was noch? Sicherlich lade ich kein Bild von mir im Bikini hoch. Maya bekommt einen Lachkrampf. Bietet mir aber erneut ihre Hilfe an und wir durchstöbern noch mehr Profile… Aber was soll man von solchen Sätzen halten?

Tanzbär sucht Bärenweibchen für den Bodyflirt auf der Tanzfläche

Bei dem schönen Wetter gingen wir dann in „Mein Haus am See“. Dort checkte ich alle paar Minuten meine Mails. Nix! Rein gar nix. 62 Männer hatten sich mein Profil angeschaut, aber keiner will mich… was ist los?

Maya bricht zusammen vor lachen ob des ganzen Dramas und resümiert:

Herrlich. Ich, die seit zehn Jahren in einer Beziehung bin, liebe dieses Entertainment!

Hilfe, ich suche den Tango-Grundschritt!

Chloe erfüllt sich in Berlin einen ihrer größten Träume. Sie fängt mit dem Tango an! Auf einer der etlichen Tango-Tanzschulen-Seiten in Berlin durchforstete sie daher erstmal die Tanzpartnertauschbörse. Ich weiß, ich wollte ja eigentlich ne Weile alle Männer der Welt meiden (bei meiner Kletterpartnerin ist mir das auch gelungen!), aber beim Tanz? Da muss ich an den Mann ran… Fuck!

Ein Herr Meiser erbarmte sich. Als ich ihn fragte, was er denn beruflich mache, konnte ich das „Oh, Gott!!“ gar nicht mehr stoppen, das entsetzt aus meinem Mund schoss. Ein Sozialpädagoge !! Aber ich will mich ja auch nicht verlieben, sondern lediglich das Tanzbein schwingen! Also sagte ich für Mittwoch zur ersten Stunde zu.

Chloe, die nur mit einem Koffer gen Berlin reiste, hatte plötzlich ein ganz anderes Problem!

Ich brauche Tanzschuhe, Maya!

Gestern kaufte ich bei strahlendem Frühlingssonnenschein ein Paar ein. Maya hat immer die besten Einkaufstipps. Als ich ihr gerade danken wollte und ihre Nummer in meinem Telefon anwählte, stand sie zufällig direkt vor mir und sagte keck:

Wenn Du einfach so Menschen auf der Straße triffst, die Du kennst, dann bist Du in der fremden Stadt angekommen!

Ich zeigte ihr sofort das günstig erstandene hochhackige Paar. Der Plan war nun, dass ich am Dienstag erstmal heimlich mit meiner Freundin Carla übe. So saßen wir gestern noch entspannt am Weltfrauentag im Café. Ich hatte viel Frauenbesuch vom See.

Als ich gerade vor der Yellow Lounge zum Klassischen Konzert anstand (eine Stunde in der Kälte!!), kam eine ernüchternde Email rein. Herr Meiser hat eine Terminkollision! Er kann am Mittwoch doch nicht und er könne mir nicht einmal einen neuen Termin vorschlagen. Ha! Das war ne klare Absage. Forever!

Heute gab es also keinen Intensivkurs mit Carla. Und nun kam vor einer Stunde der schlimme Anruf rein: Herr Meiser kann heute doch. Ihm ist die Dienstags-Tanzpartnerin abgesprungen. Ob ich könne?

Ich sagte ob der Schuhe zu! Ich wollte diese unbedingt ausführen. Erst als ich auflegte, fiel mir wieder ein, dass ich nicht einmal mehr den Grundschritt beherrsche.

Nun sitze ich hier ganz verzweifelt im Dunkeln in meiner Einraumwohnung und google YouTube Tanzvideos! Warum im Dunkeln? Damit die Nachbarn von gegenüber natürlich nicht sehen wie ich hier die Schritte übe…. Eine Visualisierung habe ich auch schon gefunden… Was machen denn die blauen Füße so nah an den roten????