Der Pralinator

Obwohl Maya und Chloe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Bier hegen, ehren wir heute natürlich dennoch den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots im Jahr 1516.

Pünktlich zum Tag des Bieres hat der größte Innovator unter den Konditoren, Seppi Reck aus Tettnang (Chloes Ode auf den Meister findet Ihr hier), eine neue Pralinensorte kredenzt! Maya und Chloe stehen ja voll auf die Hopfenkügele und sind nun gespannt, was sich hinter den „Bierlinen“ verbirgt. Nächste Woche werde ich direkt vor Ort die neue Sorte verkosten. @Seppi: Rechne am Freitag mit mir ! Falls ich Dich nicht in der Backstube erwische, versuche ich es im Bäumle 😉 Ach, die guten alten Zeiten!

Der Trend geht zur Zweitpraline: Bierlinen & Hopfenkügele für die Mädels!

Nun wird es aber Zeit, dass ich endlich noch etwas viel wichtigeres nachhole: Die musikalische Wiederentdeckung des „Bobbo Dylano“ aus Upper Swabia. So wurde Seppi damals in seinen wilden Jahren als Sänger von seinen Freunden genannt. Bevor ich mich vom See gen Übersee verabschiedete, warf mir Seppi eine CD mit seinen Liedern in den Briefkasten ein. Nun habe ich es endlich geschafft, ein Lied auf YouTube hochzuladen. Macht Euch selbst ein Bild von der Musik aus dem Album „Gleichgültigkeit“. Seegrass-Schwabenmeerironie… Schmacht! Die Mädels Maya & Chloe fahren voll drauf ab. Oder Maya?

See-Fashion

Diese Woche wunderten sich Maya und Chloe über einen Suchbegriff:

Männer Style Tettnang

Was bezweckte diese Suchanfrage & warum landete man auf unseren Blog? Wir sind doch eigentlich eher der Expertenblog für kleine Frauen.

Ist das ein Mann, der an den See zieht und sich vorher den Hinterlandstyle aneignen will, um nicht zu sehr aufzufallen? Oder habe ich da was verpasst und Tettnang ist ein ganz heißes Pflaster für Trendsetter? Vielleicht können mir meine Seemänner ja beim Rätseln weiterhelfen…

Chloe, der Beobachterin, konnten die Trends doch nicht entgangen sein? Jedenfalls durchstöberte ich nun meine komplette See-Festplatte und fand tatsächlich ein paar aufregende Styles und Erinnerungen. In meinem ersten Jahr am See fuhr ich morgens um 2 Uhr in meinem Polo durch den Suizid-Nebel und plötzlich stand ein Mann in einem weißen Anzug mit grünen Punkten vor mir. Völlig surreal. Ich glaubte, das nur geträumt zu haben. Aber am nächsten Tag sah ich eine ganze Kolonie! Die Narrenzunft in Aktion!

Hopfendoldenstyle bald in Berlin Mitte?

Wahrscheinlich ist die Berliner Mitte einfach auf der Suche nach neuen nihilistischen Gewändern, um sich von der Großstadtmasse abzuheben: Masken für die Narren statt Hornbrillen…

Outlaws am See

Was ist bloß los? Plötzlich rufen mich Freunde und Familie an und fragen, ob es mir gut geht. Amokläufer hätten gestern in Downtown Tettnang, nahe meiner alten Wohnung, umhergeschossen.

Drei Jugendliche aus Tettnang haben am Mittwoch gegen 20 Uhr aus einem fahrenden Auto mit einem Luftgewehr auf Passanten geschossen. Schon gegen 23 Uhr schnappte sie die Polizei, nachdem Zeugen das Kennzeichen des Tatfahrzeugs abgelesen hatten. Der Staatsanwalt ist eingeschaltet.

Keine Panik! Chloe champiert doch direkt am See, bis zur Überfahrt gen Übersee. Wenn, dann kann sie nur noch aus einem fahrenden Motorboot heraus erschossen werden.

Wie es zu solchen Taten in der oberschwäbischen Idylle nur kommen mag? Auch noch gerade jetzt, wo doch ganz groß diese Woche der SWR in seiner Serie Landesschau Baden-Württemberg jeden Abend nette Berichte zu „Tettnang – ein toller Ort zum Leben und Arbeiten“ ausstrahlt? Ich vermute, dass die Jugendlichen dank der positiven Fernsehbeiträge eine große Migrationswelle befürchten.

Es könnte aber auch sein, dass sie ob des nahenden Herbstes sowie Nebels einfach vor Langeweile mal kurz durchgedreht sind. Bloß keine Panik! Wir sind gerade noch an einem zweiten Columbine vorbeigeschrammt. Jetzt nur nicht über-psychologisieren… vor allem da doch einiges zusammenkommt: gerade dieses Wochenende findet auch noch des Tettnangers liebstes Fest statt. Wollen wir hoffen, dass auf dem Bähnlesfescht nun nicht das SEK aufmarschieren muss, damit sich der Flohmarktgast auf der Suche nach einer kugelsicheren Weste sicher fühlt.

Männer haben doch ein Rad ab!

Wie Maya bereits richtig erkannt hat, muss Chloe sich

wegen ihres kulturfernen Aufenthaltsortes dauernd in Sport und Kulturreisen flüchten.

Auf meiner letzten Kulturreise in Wien war ich auf das uns neue Wort „Reparatur-Seidl“ gestoßen. Maya ist ja stets entzückt über die Erweiterung des Wortschatzes. Nun bin ich beim Sport, denn den übt hier am See wirklich jeder Einwohner aus, auf ein neues absurdes Wort gestoßen. Ich vermute jedoch, dass Maya der folgende Begriff ob ihrer sportlichen Kinderstube – die anscheinend NULL gefruchtet hat – bereits geläufig ist… mir blieb es „leider“ fern, meine Eltern jemals in Fahrradtrikots sehen zu müssen.

Kurz zum Gespräch mit dem Radler Nero – auch bekannt als Chauffeur und Bouillon-Koch:

Chloe: Alles okay bei Dir? Du schaust so traurig.
Nero lethargisch: Ich habe einen Nippelbruch.
Chloe entsetzt: Was bedeutet das jetzt?
Nero: Ich kann vorerst nicht mehr trainieren.
Chloe: So schlimm? Musst Du ins Krankenhaus?
Nero: Nicht ich! Mein Fahrrad hat einen Nippelbruch und muss nun in die Werkstatt!
Chloe: Sag’s doch gleich!

Meine – eine von vielen ! – Sportbildungslücke googelte ich heimlich auf der Toilette nach. Aber siehe da: Kein Eintrag zu „Nippelbruch auf Wikipedia! Also muss ich das auch nicht kennen…

Eine Woche später kaufte mein schlechtes Gewissen Nero, den ich inzwischen mit meinen Bakterien aus Barcelona angesteckt hatte, in der Schloss-Apotheke „Tettnanger Brustkaramellen“ gegen seinen starken Husten.

tettnanger-brustkaramellen

Chloe: Ich habe Dir etwas mitgebracht!
Nero packt aus: Brustkaramellen?? Meinst Du das jetzt wegen des Nippelbruchs?

Wer mich so auf den Arm nimmt, der soll dieses Wochenende ruhig den letzten Platz beim Garda Bike Festival fahren! Chloe chlaubt kein Mitleid zu haben…

Hat jemand Seppi gesehen?

Chloe hat’s verpasst! Chloe hat’s einfach verschlafen. Der Raclette-Abend mit der Lekkar-Lakers-Landsmannschaft lag ihr noch in den Knochen… Statt die Kiste anzumachen, kroch sie einfach mit nem Buch in die Kiste. Gestern müsste Seppi – den Chloe schon längst in höchsten Tönen gelobt hat! – das Wort zu Baden-Württemberg gehalten haben. Und Chloe & Maya haben es verpasst. Die treuesten Hopfenkügele-Fans. Welch Schande !

Dabei hat mich Seppi erst letzte Woche im Bäumle angehauen und wollte meinen Nachnamen wissen („vom See“ ist doch nicht so kompliziert!), damit er mir endlich seine Platten in den Briefkasten schmeißen kann. Mach das, Seppi! Ich lade die Songs auf unsere Seite. Versprochen!

Bis dahin bin ich noch auf der Suche nach einem Live-Mitschnitt der Wohnzimmer-Konferenz…

seppi-webcam

Lichtmüll auf Landstraßen

Ich merke schon, dass Mayas Kontakt zur Außenwelt sich vermehrt in Berliner Kaufhäusern abspielt. Im August regte sie sich schon über Lebkuchen auf. Im September fotografierte sie Mode-Mäuschen in der Galerie Lafayette. Letzte Woche trieb dann eine harmlose Weihnachtsaktionsfläche die kleine November-Blues-Leidende in den Manic-Maya-Modus. Ich amüsierte mich köstlich über ihre Übertreibungen im Hinblick auf Adventskalender. Da Chloe auf dem Land keine Kaufhäuser kennt, kommt sie auch erst gar nicht in die Versuchung, neueste Abarten des Kommerz zu sehen. Als Kind der Straße bin ich hingegen anderen optischen Gefahren ausgesetzt. Nur einen Tag nachdem ich Mayas Artikel las, geriet ich selbst in den Choleric-Chloe-Modus! Warum zum Teufel muss man sein ganzes Haus derart aufpimpen?

weihnachtsbeleuchtung

In realiter kommt das schwäbische Häusle noch imposanter herüber (leider musste ich diese Aufnahme mal wieder wie beim Mega-Marker aus dem Auto heraus schießen). Auf der Vorderseite des Einfamiliendomizils verbergen sich noch weitere Kunstfiguren und Krippen in extravagantem Glühbirnenkleid. Wie passt bloß diese Stromverschwendungsmentalität zu den Millionen von Photovoltanikanlagen, die die öko-subventionierten Häuslebauer auf ihre Dächer stellen?

Nun gut, vielleicht wollen diese Bewohner mit dem Gorleben-Sondermüll-Happening lediglich ihre Kinder beruhigen: Der Weihnachtsmann kommt auch bis ans Ende der Welt mit seinem Schlitten angeflogen. Er kann dieses Leuchtsignal doch gar nicht übersehen! Stellt schon mal Milch und Kekse an den Kamin…

Rudolph the Red-Nosed Reindeer scheint inzwischen bekannter als Knecht Rupprecht. Über die Amerikanisierung in und um Deutschlands Stuben herum hat sich Maya ja bereits in ihrem Anti-Anti-Halloween-Beitrag geäußert. Aber ich muss nun doch noch was loswerden:

baumle-partynacht

Ist das die provinzielle Globalisierung einer USA-Ghetto-Disco/House/Black/Latino-Braut? Wie kann man nur – neben dem wohl ernsthaft positiv gemeinten Spruch „All mixed up“ –  mit so einem Plakat werben! Und gibt es dafür tatsächlich ein Publikum? Wahrscheinlich ist der hiesige Begriff „Seehase“ lediglich eine sehr freie Übersetzung von „Playboy Bunny“. In solchen Momenten wünsche ich mir immer, dass Alice Schwarzer mit einer Spraydose gewappnet an mir vorbeirennt und der blonden Männerphantasie die Hörner aufsetzt. Aber das wird wohl immer ein Tagtraum bleiben. Seit Maya und Chloe Herrinnen der Blogstatistik sind, wissen sie, dass zu dieser Jahreszeit auch mal gerne nach

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gesucht wird. Hallo? Wisst Ihr überhaupt, wie schmerzhaft eine Blasenentzündung ist? Legt Euch doch und Eure Prostata in die Kälte. Mal schauen, wie erotisch Ihr die Nachuntersuchung „emp“findet!

Aber zurück zur Weihnachtsbeleuchtung. Inzwischen kann ich mich davor nicht einmal mehr in meiner eigenen Dachgeschosswohnung schützen. Gestern wurde ich auf dem Weg zur Dusche von zwei Männern auf einem Hubwagen überrascht, die mir direkt in die Augen schauen konnten. Die Jungs mussten die für die kleine Stadt völlig überdimensionierte Tanne mit Glühbirnen einkleiden. Ein anderer Feuerwehrtrupp war mit der festlichen Leuchtdekoration zwischen den Straßenlaternen beschäftigt. Und ich damit, mir schnell ein T-Shirt überzuziehen…

Sinfonie für den fliegenden Seewal

Man erlebt nicht jeden Tag die Welturaufführung eines Musikstücks. Vor allem nicht direkt vor der eigenen Graf Zeppelin Haus-Tür. So geschehen am 08.11.08.

Chloe, ein großer Anhänger der klassischen Musik, lässt sich hier unten am See eh fast kein Klassikkonzert entgehen. Sie nutzt jede Möglichkeit, Noten live zu erleben. Jedes Frühjahr schillert der Lenz passend zur herrlichen Apfelblüte in den schönsten Bodenseefestival-Klangfarben. Der Zauber der Bregenzer Festspiele wurde nun gar in einem James Bond verewigt. Chloe hat auch dieses Spektakel diese Saison mit eigenen Augen gesehen.

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Die Bewegungen des ausdruckstarken Fauré Quartett Violoncellos zu Schuberts Forellenquintett sprachen nicht nur die Ohren an. Selbst meine drei männlichen Begleiter waren von dem adonischen Künstler stark angetan. Einer meinte gar, dass das Violoncello einem Hugo Boss Modell glich. Ja, die kleinen feinen Konzerte im Rittersaal des Barockschlosses Tettnangs sind nicht zu verachten. Beim besagten Konzert wurden wir mal wieder von der Kartenabreißerin freudig mit dem Spruch begrüßt:

Schön, so junges Publikum im Haus zu haben!

Tja, der Rest der Köpfe im Saal ist meist grau. Da fühlt sich Chloe mit ihren drei Dekaden noch ganz grün hinter den Ohren. Aber Frechheit verlernt man wohl auch im Alter nicht. Gerade als sich das harmonische Fauré Quartett auf der Bühne platzierte und die Instrumente stimmte, schlich ein älterer Mann auf quietschenden Sohlen direkt nach Vorne und fotografierte die Musiker mit seinem Apparat. Der Veranstalter war ganz erbost und scheuchte den Kerl am Arm reißend weg.

Nun könnt Ihr Leser Euch wohl denken, wie der Abend im Graf Zeppelin Haus anfing. Genau dieser ältere Mann lief wieder vor an die Bühne und fotografierte das Stadtorchester Friedrichshafen. Krasser Klassik-Stalker! In dem großen Saal fiel das aber sonst keinem auf. Ich grinste innerlich. Mal schauen, ob ich noch die Identität dieses Hobby-Fotografen ausmachen kann… Die erste Reihe wurde hingegen brav vorgestellt. Lokalprominenz wie Oberbürgermeister, Pfarrer und was weiß ich sonst wurden mit Namen zitiert und mussten wie bei Wetten Dass… kurz aufstehen und den Saal winkend begrüßen. Die vielen Reden und Dankessprüche dauerten fast länger an als die ganze 30-minütige Sinfonie! Immerhin erfuhr ich Erstaunliches.

Bei der Zeppelin Sinfonie handelte es sich um ein Auftragswerk der Zeppelin Stiftung zur Feier des 100-jährigen Bestehen. Die Entstehungsgeschichte der Zeppelin Stiftung war mir trotz des Gedenksteins aus meiner Jugend, der die geografische Mitte zwischen Mayas und meinem Elternhaus bildete, nicht bekannt. Maya, Du bist sicherlich auch des Öfteren auf dieses Denkmal gestiegen (eine Deiner liebsten Posen!).

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Zur Historie anbei noch ein Text:

[…] der Absturz des Zeppelin LZ 4 in Echterdingen bei Stuttgart im August 1908. Das Luftschiff, das sich auf Fahrt von Friedrichshafen nach Mainz befand, wurde nach einer Notlandung bei Echterdingen von einer Sturmböe erfasst und zerschellte an einem Baum. Das Aus für den Luftschiffbau bedeutete das nicht. Ganz im Gegenteil. Die Luft-Touren des Zeppelin seit 1900 hatten die Bevölkerung begeistert, so kam es zu spontanen Sympathiebekundungen und gewaltiger Spendierfreude.

Hundert Jahre später steht also der charmante Dirigent David Gilson auf der Bühne und mahnt das Publikum dazu an, zwischen den Sätzen doch bitte nicht zu klatschen. Das sind sozusagen die Pausen in der Sinfonie. Süß. Stark fand ich hingen in der Tat den zweiten Satz „Maschinen“. Wie den Südkurier-Redakteur erinnerte auch mich die Umsetzung des Komponisten Thomas Doss an Fritz Langs Metropolis. Doss vermochte es gekonnt aus der Retrospektive ein Werk zu schaffen, das den Umbruch und die Auseinandersetzung mit der Moderne der damaligen Zeit gekonnt ins 21. Jahrhundert transferiert. Leider ist aber unser Zeitgeist so von Beamern und Power Point geprägt, dass das musikalische Werk natürlich auf einer überdimensionalen Leinwand mit Bildern und Filmen untermalt werden musste.

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Gilson versprach zwar, dass das keinesfalls vom Hörgenuss ablenkt, aber ich konnte am Schluss nur noch mit geschlossenen Augen der Komposition einigermaßen folgen. Hinter mir waren alle damit beschäftigt laut die angeschriebenen Sätze oder den Hänger in der Präsentation zu kommentieren. Es ist eine Crux mit der Technik. Entertainment geht wohl stets vor puristischer Rezeption. Immerhin versetzte Gilson dem Abend ein glorreiches Ende. Mit zwei Sätzen ward alles Essentielle gesagt:

Erwarten Sie nicht, dass ich als Zugabe den Zeppelin Marsch spiele!!!

Thomas, das Werk ist kolossal. Wir machen Dich weltberühmt!