Spanferkel à la Halal

Chloe befindet sich auf ihrer großen Haddsch von Spree gen See. Bevor ich mich jedoch nach sechsmonatiger Abstinenz direkt nach Oberschwaben begebe, akklimatisiere ich mich noch ein paar Tage bei meinen Eltern in Schwaben. Die „physiologische Anpassung“ läuft bei meinen Eltern unter dem Begriff „Mästung“. Als mein Vater mich sah, forderte er meine Schwester doch tatsächlich entsetzt auf:

Besorg aus Deinem Büro eine Paketschnur. Wir müssen Deine Schwester an einen Küchenstuhl festbinden und erstmal ordentlich mit Nahrung vollstopfen!

Wenigstens bei diesem latenten Bulimiker-Vorwurf habe ich inzwischen gelernt, einfach wegzuhören. Denn eine Frau im Kulturkreis meiner Eltern – bei der Massenkinderhaltung einer Großfamilie fällt nicht viel Fleisch ab! – ist erst dann eine Frau, wenn sie kaum mehr durch den Türrahmen passt. Während ich meinem Über-Ex Torben bei einem Body Mass Index von 19,4 zu fett war, kann ich für meine Eltern nie fett genug sein. Das nenne ich unabdingbare Liebe. Wer braucht da schon einen Mann mit einer narzisstischen Störung?

Kaum hatte ich meine Stiefel ausgezogen, schmetterte mir meine Mutter einen Teller nach dem anderen auf den Tisch. Neben all dem Fleisch – Chloe muss kurz anmerken, dass sie immer ein Faible für Armeleuteessen hatte – erspähte ich lüstern die Perle unter den Pitas: Brennnessel!!!

Brennnesseln sind mir lieber als Kaviar !

Meine Eltern hatten als Flughafen-Anrainer die Kerosin freie Zeit genutzt und extra für mich auf dem Land wild wachsende Brennnesseln gesammelt. Ha! Das hat noch keine Öko-Imbissstube im Prenzlauer Berg gesehen. Meine Eltern sind retro-öko in der Diaspora! Erquickt ob meines mampfenden Anblicks fragten sie mich jedoch, was ich zu meinem großen Fest am See den Gästen eigentlich servieren werde… und ich lief rot an und gab zu: Spanferkel!

Nun muss ich etwas ausholen: Chloe reist an den See, um ihren 30. Geburtstag nachzufeiern (obwohl sie ja schon längst 30ig ist, wie treue SpreeSee-Leser wissen). Irgendwann fällt es auf, wenn man immer 29 wird. Daher komme ich dieses Jahr nicht um das Fest zum Sturz der 2 zugunsten der 3 herum. Meine Freunde vor Ort sind so herzzerreißend und helfen mir mit der Organisation. Natürlich wird es ein Grillfest am Ufer des Schwabenmeers geben. In meiner Abwesenheit diskutierten Tim und Kino-Woody über die extravagante Showeinlage: ein Spanferkel!

Das Schwein wird von Tim extra in Dornbirn (Österreich) abgeholt!

Ich finde die Idee ja auch toll. Aber meine muslimisch angehauchte Erziehung lässt mich beim Wort „Schwein“ immer noch etwas zusammenzucken, zumal meine Mutter nicht einmal Marzipanschweine im Haushalt duldet!

Chloe überlegte noch, ob sie Tim nicht doch ein Lamm am Spieß vorschlagen sollte. Aber als sie sich an den Geschmack etlicher albanischer Hochzeiten im Grünen erinnern musste, konnte sie das kulinarisch nicht vertreten. Auch hätte mir Maya sicherlich heftig auf den Fuß getreten. Lamm – das geht nicht!

Chloe am Telefon: „Hm… Ich bin ja der Profi in Doppelmoral. Wir können einfach so tun, als wäre das kein Schwein. Wir stellen ein Schild auf, auf dem steht: Frischer Fisch vom Bodensee. Keiner darf bloß das Wort Schwein in den Mund nehmen!“

Tim besänftigend: „Für Dich mach ich das Schwein auch Halal, Chloe!“

Heute griff Tim die Idee mit dem Schild auf und ließ mir auf Facebook diesen Text als Aufdruck zukommen.

shkoni në ferr! kjo gic është hallall

Ich stand gerade am Gepäckband und bin zusammengebrochen vor Lachen. Die restlichen Passagiere schüttelten nur den Kopf über diese iPhone-Göre in Leggins. Ich weiß echt nicht wie Tim, das Sprachwunder, das immer hinbekommt. Krallt er sich einen albanischen Staplerfahrer zum Übersetzen? Der Kerl ist so beflissen. Dafür werde ich ihn am See erstmal abknutschen.

Mit Kino-Woody hatte ich diese Woche auch schon über das Spanferkel diskutiert. Da wog es plötzlich 25 Kilo, während es einen Tag zuvor laut Tims Aussage 20 Kilo auf den Rippen hatte. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Entweder sind die Jungs Meister der Schweinüberschätzung oder das Schwein wird von einem albanischen Metzger gemästet.

Jedenfalls freue ich mich jetzt schon auf mein Ziel. Muckie wird mir bestimmt auch einen Kaaba zum Frühstück machen. Ich liebe Wallfahrten!

Google ist der neue Gott

Früher engagierte man Heiratsagenturen, um die weiße Weste des Zukünftigen zu überprüfen. Aber da auch diese vom Mitgiftjäger (siehe aktuelle Buddenbrook-Verfilmung – arme, arme Toni!) gekauft werden können, sollte man derartige Detektivarbeit selbst in die Hand nehmen.

Wieso also nicht die Verbindungen nach ganz oben anzapfen? Google ist der neue Gott! Er sieht alles und er erhört täglich unsere Suchbitten. Im Gegensatz zum Voodoo-Zauber benötigt man nicht einmal ein paar Haare oder sonstige menschliche Überreste des Opfers. Vor- und Nachname reichen, um in die psychologischen Tiefen des Anschauungsobjektes zu gelangen.

Der gläserne Macho 2.0: Meine gute Seefreundin Muckie hat erst letztes Wochenende einen heißen Latino kennen gelernt. Frau hat ja so ihre Vorurteile… Herr Heißblut betonte gleich mehrmals, dass er nicht einer dieser Draufgänger und Schürzenjäger sei. Muckie, ein Profi im investigativen Singleprofilerismus, investierte nach dem Date nur zehn Minuten in eine gelungene Recherchearbeit und war sofort eines Besseren belehrt! In einem spanischen Zeitungsartikel (Gott spricht alle Sprachen bzw. Google übersetzt sie für seine Jünger…) gab Mr. Right an, dass „Frauen, Alkohol & Fußball“ zu seinen Hobbys zählen. Klingt das nicht vertrauenswürdig?

Gut, man soll nie vorschnell urteilen. Wie bei richtigen Heiratsagenturen müssen im zweiten Schritt Familie und Freunde angezapft werden. Die vom potentiellen Vater Deiner Kinder unter Google recherchierten Netzwerkprofile werden daher als „Freunde geadded“, um an weitere private Informationen zu gelangen. Was Muckie auf Facebook vorfand, entlarvte den Gentleman nun restlos als Gigolo: Kommentare von One-Night-Stands, Zickereien von Exfreundinnen und Reportagen von Kumpels zu Trinkgelagen…

Langsam, man soll nichts glauben, was man nicht mit eigenen Augen gesehen hat! Um so dümmer, wenn Freunde einen auf Partyfotos „taggen“. Klar, in unserem Alter hat jeder eine Geschichte. Aber muss man das so offen im Netz dokumentieren? Bei der Beweislage kann Mr. Latino nun nur noch vor seiner internetabstinenten Mutter den unschuldigen Sohn spielen. Bei der modernen Muckie ist er raus!

Auch Chloe musste schon mehrmals zuschauen, wie ihre aktuellen Dates rumknutschend auf Fotos getagged wurden. Wir sind ja alle kein Kind von Traurigkeit, aber zeig mir Deine Freunde und ich sag Dir, wer Du bist! Meine Freunde würden nicht im Traum daran denken, meine Zukunft im Netz durch denunzierende Fotos zu zerstören. Ferner bin ich zum Glück eine Karikatur und kann höchstens zweidimensional bei Eskapaden ertappt werden. Wer das dokumentieren will, muss erstmal zeichnen lernen. Hoffentlich kommt mein MoMa auf keine dumme Ideen…

Aber auf was Männer sonst kommen ist unmöglich. In letzter Zeit werde ich vermehrt von mir völlig unbekannten Web-Machos angebaggert. Egal ob berufliche Netzwerke wie XING oder private wie Facebook: Das Internet ist zum reinsten Kuhhandel verkommen. Neulich wollte mich so ein Typ als „Freund adden“. Statt den Vorfall zu ignorieren, antwortete ich patzig: „Why should I know you?“ Die Antwort kam prompt:

myspaceanmache3
In Zukunft ignoriere ich wieder alles. Und das mit dem Googeln hat mir Maya auch verboten. Sonst lande ich wieder beim Über-Ex. Und Ego-Googeln war noch nie mein Ding. Ganz im Sinne: Je mehr Suchergebnisse es im Netz zu meinem Namen gibt, desto wichtiger bin ich. Oder realer? Bin ich erst, wenn ich googelbar bin? Ich muss schon zugeben, dass ich es unheimlich finde, wenn ich ein Date google und kein einziges Suchergebnis zu dem Namen finde. Als würde man eine inexistente Persönlichkeit treffen. Einen Namen, dem Google noch kein Gesicht gegeben hat.

Und wenn schon nicht über Dich geschrieben wird, dann mach selber auf Dich aufmerksam, indem du Artikel auf Wikipedia stellst. In jedem von uns steckt Google! Oder pflege bei Personensuchmaschinen wie yasni.de und 123people.de dein Netzgesicht. Hier erfährst Du auch, wie oft pro Woche nach Dir gesucht wird! Abonniere einfach eine Newsletter. Aber vorher bitte noch ein paar private Daten freigeben.

Nach mir wird gesucht? Aber klar doch! Das Googeln nach Freunden ist ja in diversen Kreisen zum reinsten Gesellschaftsspiel verkommen. Man legt falsche Profile an, added sich, kommentiert mit dem Ergebnis auf dem Bildschirm das fettleibige Profilfoto, den Job, die neue Freundin des Verflossenen, des Erzfeindes, der schlechten Bettgeschichte etc. Besser als jedes Abi-Nachtreffen!

Chloe ist selbst mal so einem googleuellen Kreis auf die Schliche gekommen. Wer mich unter XING direkt unter dem Namen „Chloe vom See“ sucht und auf meiner Seite landet, der wollte nur an meine Daten! Ich konnte mir schon denken, dass das wohl eine aktuelle Flamme meines Über-Ex sein muss, die sich über die Existenz dieser Verrückten, die so lange mit dem Freak zusammen war, versichern musste. Ich machte mir einen Spaß daraus und schrieb der Profiljägerin. Gut, etwas Risiko ist bei so einer virtuellen Attacke immer dabei. Jedoch hatte ich Recht! Und die knudellige Studentin rief noch an dem Tag schockiert bei meinem Über-Ex an und fragte ihn, woher ich wüsste, dass sie auf meiner Seite war.

Mich schockierte indes, dass die meisten Netzanwender immer noch so naiv sind. Glaubt Ihr denn im Ernst, dass Euch Facebook völlig umsonst Massen an Speicher für Eure Urlaubsfotos zur Verfügung stellt? Nichts ist umsonst. Eure virtuellen Spuren sind nachhaltiger als die reellen im Sand. Google macht uns unsterblich!

Apropos, gibt es eigentlich auch einen Friedhof für tote Profile? Verwandte pflegen Deinen virtuellen Onlineauftritt für Dich weiter. Freunde können Dich aus aller Welt am Grabstein besuchen, Kommentare hinterlegen, zu Weihnachten gratulieren. Diese Idee sollte ich mir patentieren lassen… wie wäre es mit dem Namen „Corpsebook“?
Ich backe jetzt auf alle Fälle einen ganz realen Kuchen für die Geburtstagsparty meiner ganz realen Freundin Karin. Auf der Party werden bestimmt wieder Fotos geschossen, damit sie auf Facebook landen. Soll doch Mr. Latino ruhig vor Augen geführt werden, welch klasse Frau er da verpasst hat! Und liebe Muckie, ich pflege stets den Spruch:

Ich suche nicht, ich werde gefunden!

Der Richtige wird eines Tages bestimmt mit einem echten großen Blumenstrauß vor Deiner Tür stehen. Und dann verlässt Du Dich wieder ganz mündig aufs Gefühl und nicht auf Google.

Bewildered in Berlin

Maya maynte schon am Telefon, dass sie keine Ahnung hat, was sie nach meiner Ankunft zur frühsten Morgenstund mit mir anfangen soll. Keine Angst, ich werde mich einfach sofort ins Bett legen und schlafen. Was Du hingegen am liebsten morgens machst, das weiß ich doch schon lange… Du bekommst den Blues. Ich erinnere Dich gern an den Bodensee Blues bei mir um Vier: „Ich kenn seine Stimme, aber ihn kenn ich nicht!“

1. Good Morning Blues – Leadbelly

Zum Frühstück singen wir ein Loblied auf unsere kleinen Alter Egos! Als Experten-Blog für kleine Frauen ist das ja wohl Pflichtprogramm.

2. Maya – Susheela Raman
3. Sie ist klein – Johnny Liebling
4. Chloe – Ragazza
5. Tiny Girls – Rumpus

Bei einer Chai-Latte in Mitte philosophieren die beiden Mädels darüber, warum sie immer nur Freaks anziehen.

6. Psycho Girls & Psycow Boys – Solal

Um nicht vom Standard abzuweichen, wird zudem auch kurz der Über-Ex angerissen bzw. verrissen.

7. Edit – Regina Spektor

Ein passendes Lied zu Charly muss hingegen auch sein! Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich dafür 99 Cent bei iTunes habe liegen lassen…

8. Sie liebt den DJ (Single Mix) – Michael Wendler

Und wenn Jos Lars auf ein Glas Wein vor Moliere dazu stößt, ist viel Reden Programm! Wir drei quatschen so schnell und so viel, bis der Kellner uns wieder rügt.

9. Abersowasvon – Dendemann
10. Windmühlen – Wisdom & Slime
11. Piraten – Binder & Krieglstein

Wenn wir weit nach Mitternacht mit tief ins Gesicht gezogenen Baretts gen Mayas Heim gehen, fällt uns die Schönheit ihrer Straße auf.

12. In unserer Straße – Roland Kaiser

Tja, Roland Kaiser… auch wenn in „unserer Straße ist die halbe Welt zu Haus / Und alle dürfen hier in Glück und Frieden leben“, einen wollen wir hier nicht dulden: Don’t walk down my Street…

13. Down My Street – Pacha Massive

Maya, anbei noch ein schönes Stück ganz Deinem autofreien Naturell entsprechend. Aber bitte lass uns nicht all zu viel Laufen… ich spring gerne in die Bahn, auch mit Umsteigen!

14. Großstadtinfantrie – Kurt Gerron

Dreißig!

15. Chloe – The Happy Birthday Singers

Party mache ich mit Maya immer noch am liebsten. Und für den Auftakt suche ich mir das passende Gute-Laune-Lied aus alten Zeiten heraus.

16. Saturday Night – Whigfield

Tanzen ist unser beider Vorname!

17. Let’s dance to Joy Division – The Wombats

Aber schon drängen sich die Typen zwischen uns…

18. Let Me Touch – Boom Pam

Während Maya mal wieder sämtliche Drinks aus ihren kleinen Händen fallen, bleibt Single Chloe trotz bzw. ob Alkoholpegel abstinent.

19. To drunk to fuck – Nouvelle Vague

Die „Morgens danach“…

20. Hey Eugene – Pink Martini
21. City Promises – Malia

Etwas reiseuntauglich muss ich mich aber am Sonntag dann doch gen Süden aufmachen. Natürlich wieder im Auto. Alle die mich kennen, werden nun lachen, da sie wissen, welch nette Beziehung ich zu Verkehrspolizisten pflege…

22. Officer – Kate Earl

Ein bisschen scheine ich mein Landleben inzwischen doch zu schätzen. Daher beende ich diese Reise mit einem schönen Country Song.

23. Luna’s Song – Solal

Leaving the Lake

Das Zusammenstellen von Mixtapes ist bisher ein stark von Maya okkupiertes Fachgebiet. Dennoch fühle auch ich mich mittlerweile dazu inspiriert, unsere glorreichen Zusammentreffen musikalisch zu untermalen. Sehr bedacht stellte ich daher die folgenden Mixtapes zusammen. Mayas kritische Musiköhrlein immer im Nacken…

Chloe, die Chansoniere vom See, trällert zu Beginn natürlich einen lockeren Bossa.

1. Bodensee Bossa – Charles Davis

In Gedenken an den Sommer sowie Mayas Besuch erklingen die zuckersüßesten Schlager in ihren Ohren.

2. Lustige Tage am Bodensee – Roland Steinel
3. Das Mädchen vom Bodensee – Gotthilf Fischer und die Fischer-Chöre

Leicht betrübt muss Chloe jedoch doch einen melancholischen Ton ansetzen. Trotz all der Schlager, Sonnenunter- und Seespaziergänge tat sich keinerlei Sommerromanze auf. Simone White beschreibt dieses Leid in ihren Lyrics so herrlich schön.

4. I didn’t have any summer romance – Simone White

Nun gut, dieses Lied hatte sich Chloe bereits vor einem Monat für das Mixtape herausgesucht. Maya, mein schlechtes Gewissen, steht quasi mit erhobenem Zeigefinger vor mir. Ich scheine da wohl etwas unter den Teppich kehren zu wollen. Zumindest in Gewässernähe – dem hiesigen Morast – scheint es doch ein paar Verehrer zu geben, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Oder zumindest leise meinen Namen ausrufen…

5. Chloe (Song of the Swamp) – Louis Armstrong

Ich hingegen mime weiterhin die starke Frau. Endlich emanzipiert nach dem Über-Ex genieße ich das neue gewonnene Selbstbewusstsein.

6. Ich bin eine Frau, die weiß was sie will – Fritzi Massary
7. Because – Madita
8. Go With The Flow – Remi Nicole

Eine gewisse Unzufriedenheit lässt sich aber nicht unterdrücken. Zwiespalt rebelliert in meinen Ohren.

9. Something Is Not Right With Me – Cold War Kids
10. Ich muss gar nix – Großstadtgeflüster

Das Gefühl nach Aufbruch wird immer stärker.

11. Das Zelt – Jeans Team
12. Leave – Katie Todd Band

Und so steige ich also nachts um 22 Uhr an einem berühmten Südstaatenplatz in das Auto meiner fremden Mitfahrgelegenheit ein.

13. Strangers In a Car – Marc Cohn

Die somnambule Autofahrt zieht sich dösend hin. Zum Schluss überwiegt die Vorfreude auf die Großstadt.

14. Autobahn 66 (Radio Edit) – Primal Scream
15. Landflucht – Lee Buddah
16. Im Norden ist der Süden am schönsten – Die Türen

Kaum dringe ich in die Stadt ein, überkommt mich schon wieder die Lust, einen Schlager anzuklingen! Warum nur einen, wenn ich gleich einen ganzen Bilderbogen haben kann…

17. Berlin, Berlin – Harald Juhnke
18. Berliner Bilderbogen – Paul Graetz

Gründe, die gegen Bier sprechen!

Neulich, während eines Anrufs von ihrem Besuch auf einem Filmfestival, gab Chloe mir den Auftrag doch einmal zu Papier zu bringen, weshalb ich ihr durch wiederholte Hasstiraden gegen Regisseure, gespeist mit Anekdoten aus meinem Praktikum bei einem Filmfestival, vom näheren Verkehr mit dieser Zunft abrate. Wahrscheinlich waren einige gutaussehende Exemplare vor Ort und sie wunderte sich sehr über meine Abneigung.

Draft-Vorschlag war: 10 Gründe, die gegen Regisseure sprechen!

Nun – eventuell werde ich das irgendwann noch tun, aber eigentlich habe ich gar nichts gegen Regisseure, mit einem Vertreter dieses Berufsstandes bin ich sogar befreundet, ich schimpfe halt nur gern auf exaltierte Künschtler und dachte, nach dem Über-Ex sollte Chloe mal auf ein weniger störrisches Pferdchen setzen…

Andererseits habe ich erst kürzlich gelobt, mich keinesfalls mehr einzumischen (um weiteres Chaos zu vermeiden) und außerdem gibt es aktuell brennendere Themen, gegen die man sein kann…

Gerade hat mir ein – ansonsten sehr netter – Jemand folgendes Video zukommen lassen. Mit dem Betreff

Bier doch reine Männersache?!

und dem Vermerk

Hi,
was nen Glück für Guinness, dass es eh vorzugsweise von Männern
konsumiert worden ist… 😉
Viel Spaß beim Lachen & Fluchen,
Cheers

Wow – mein postfeministischer Stolz ist mehr als nur leicht verletzt. Trotz Vorwarnung durch den Absender- ich habe versucht es vielleicht doch lustig zu finden – NEIN – das hat nicht geklappt. Ich finds dreist und nicht auf eine gute Art!

Dabei bin ich doch sonst so hart gesotten und vergöttere Formate, die andere am liebsten an Amnesty International melden würden (siehe Zerstreuungs-Link-Abteilung). Diese Form von Schenkelklopfer Humor aus der männlichen Chauvi-Ecke erreicht mein Komikzentrum einfach nicht und ich bin froh darüber.

Wie gut, dass ich mir vom „Zauberkraut Hopfen“ niemals die Sinne vernebeln ließ (Hopfen-Kügele und -Brand zählen nicht, offenbar werden bei deren Herstellung die verdummenden Stoffe vorher vernichtet). So werde ich nicht gemein mit Menschen oder ähnlichen Wesen, die durch derlei Werbung angesprochen werden und werden sollen.

Ein bisschen freue ich mich dann aber doch, dass ich damit mal wieder einen Stoff gefunden habe, der perfekt zu all unseren Spreesee-Lieblingsthemen passt:

  • Bier bzw. Hopfen – Chloe, jetzt aber mal im Ernst, man kann DAS nicht trinken: „I would never share one with you“ vorher nicht und nach Kenntnis dieser Werbung noch viel weniger
  • Pornografie – nun gut, Kafka oder jeder andere Biertrinker auf der Welt können sich meinetwegen sowohl die Hopfenbrühe als auch die heißen Filmchen und Bildchen reinziehen, nur ich möchte das nicht sehen müssen!!! Und auf gar keinen Fall möchte ich, dass der Körper einer Geschlechtsgenossin auf den Gehalt, die Funktion und die Verfügbarkeit einer Bierflasche reduziert wird – nicht vor meinen Augen!
  • kleine Größen – bei vorliegenden Material bezieht sich der Größendiskurs allerdings weniger auf Körper (wobei – wer weiß schon, welche physischen Mankos die Werbefilmmacher ausgleichen müssen???) als vielmehr auf Geschmack und Verstand…

Zwei Auberginen hatten mein Leben in der Hand!

Manche Sachen muss man erstmal verdauen, bevor man daraus einen Blog-Eintrag macht. Langsam habe ich den Schock überwunden… Heute vor genau einer Woche passierte mir nach der Arbeit etwas unheimliches. Ich kam etwas früher als sonst, so gegen 19 Uhr, zu Hause an und war zwar genervt, aber völlig übermotiviert was meine Nahrungsaufnahme anging. Zwei makellose Auberginen sollten meiner Antipasti-Lust zum Opfer werden. Ich heizte den Ofen auf 200 Grad und schob das Gemüse hinein. Ob der langen Gardauer gewährte ich mir eine kuschelige Leseposition im Bett. Der Tag hatte mich doch ganz schön geschlaucht und die Nacht davor hatte ich zudem höchstens für drei Stunden Schlaf gefunden. Das rächte sich nun perfide. Ich muss nach der ersten Zeile bereits eingeschlafen sein.

Mir träumte plötzlich nach all der langen Trennungszeit vom Über-Ex. Er stand mit einem Ring vor mir und hielt um meine Hand an. Völlig absurd! Dennoch schien die Chloe im Traum höchst erfreut über den Antrag. Endlich war nach all dem Schmerz und den unsäglichen Männergeschichten während ihrer Singlezeit ihr persönliches latent erhofftes Happy End zum Greifen nahe. Der Ring steckte bereits auf meinem Finger, als ich wie von einer Pfanne auf den Kopf geschlagen, patzte: „Nein! Das geht jetzt doch gar nicht mehr!“ In dem Moment erwachte ich auch. Ein kurzer Blick auf die Uhr gegenüber versetzte mir den nächsten Schlag: Es war bereits zwei Uhr nachts!! Ich hatte mehr als sechs Stunden durchgeschlafen.

„Die Auberginen!“ schrie nun mein klarer Verstand am Unbewusstsein vorbei. Vor meinen Augen sah ich schon Stichflammen in der Küche. Zur Sicherheit schlug ich mir noch auf die Wangen, um zu testen, ob ich nicht schon erstickt und taub sei. Ich lebte. Mit erhöhtem Pulsschlag begab ich mich daher rasend in die Küche und öffnete vorsichtig die Ofentür. Vor mir saßen zufrieden zwei pralle Auberginen in der Backform. Erst als ich eine anhob, bemerkte ich, dass sie lediglich nichts mehr wog. In den sechs Stunden muss der komplette Inhalt verdampft sein. Viel heiße Luft um nichts. Nur der Duft begleitete mich noch drei Tage lang in der Wohnung.

Angst macht mir die Tatsache, dass mir so etwas passieren konnte. Wahrscheinlich ist es das Alter. Immerhin sind es nur noch ein paar Wochen bis zu meinem 30. Geburtstag. Oder ist es der Job? Oder die Trennung? Man könnte fast Angst vor sich selber bekommen… uaaah! Ein Graus.

Die gedörrten Auberginen. Eine ist interessehalber von mir seziert worden.

Die gedörrten Auberginen. Eine ist interessehalber von mir seziert worden.

Uncanny eggplant !

Uncanny eggplant !

Auf dem Hopfenpfad

Maya und ich waren im Hinblick auf unsere Trinkgewohnheiten die untypischsten Studenten, die eine alternative Traditionsuni wie die unsrige je gesehen hat. Ob am Flussufer oder auf den von der Fachschaft organisierten Feten: Wir verabscheuten Bier! Auch wenn wir extrem pleite waren, griffen wir niemals auf das 1,50 Deutschmark günstige Suffgetränk zurück. Die grünen bis zuteil braunen Flaschen fassten wir höchsten an, um uns um 2 Uhr nachts vom gesammelten Pfand der herrenlosen Rothäuser einen Sekt zu finanzieren. Für den Schön- gab es lieber einen Himbeergeist. Auf die Freundschaft einen Gin und für den Filmriss Absinth. Da mir nach meinem Studienfachwechsel das Bafög gestrichen wurde, opferte sich Maya für unsere teure Trinksucht auf und besorgte sich gar einen Nebenjob an einer Cocktailbar. Nass bzw. feuchtfröhlich ging es hinter der Theke her. Bevor Sex and the City den Cosmopolitan bis nach Europa brachten, konnte Maya diesen bereits ohne eine Wimper zu zucken mixen. Die feine Maya mit ihrer Körpergröße von 1,53 m hielt ihren zwangsneurotischen Chef sowie die schwäbischen Trinkgeldknauser immerhin drei Monate lang aus, bis sie ob ihres grobmotorischen Gläserverschleißes – die Trendwende vom zierlichen Martinitrichter zum grobschlächtigen Caipi-Glas verkrafteten ihre kleinen Hände einfach nicht – gefeuert wurde. Ein paar Tage später rächten wir uns damit, dass wir, während der Barbesitzer die Theke für eine neue Kiste Limetten verließ, alle Tische und Stühle umstellten. Dieser enorme Eingriff in sein Ordnungssystem verursachte einen derartig cholerischen Ausbruch, dass dabei leider der verschreckte Pudel eines Gastes einen Herzinfarkt erlitt. Den Kern der Geschichte – unsere Missetat – konnten Maya und ich bei der Zeugenbefragung vor Ort trotz schlechten Gewissens nicht zugeben. Der Rechtsfall machte meine Mitbewohnerin, die sich gerade im zweiten Staatsexamen befand und das Herrchen vertrat, kurzzeitig sehr berühmt.

Mit dem Bild des toten Tieres vor Augen mussten wir uns nun erst recht benebeln. Mein Dispokredit ließ aber inzwischen keinerlei Spielraum für Rauschmittel zu. In solchen Fällen hilft nur noch die Familie. So lud ich meinen Bruder, der es zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Studium und dank stundenlanger Bildschirmstrahlung zu etwas gebracht hatte, auf eine Studentenfete ein. Im Schlepptau hatte er ein paar Gestalten der Stuttgarter Szene dabei. Mich interessierte natürlich viel mehr das Büchergeld, um das ich ihn gebeten hatte. Auf den großen Bruder war zum Glück immer Verlass. Während wir uns bei Kopfnüssen und Zopfziehen vergaßen, geschah hinter unserem Rücken Unerhörtes! Zu Madonnas „Like a Prayer“ schwang Charly, ein Freund meines Bruders, Maya, meine Freundin, plötzlich in die Luft. Das hatte in meiner Welt nicht zu passieren! Deshalb erinnerte ich meinen Bruder daran, dass es Zeit zu gehen war. Maya, die der ganzen Sache nicht viel Bedeutung zusprach, tanzte glückselig alleine weiter. Nach einem Pernot schien sie den Zwischenfall schon ganz vergessen zu haben. Meine Weltordnung war wieder zurechtgerückt: Bruder- & Schwester-Freunde sollten weiterhin sortenrein bleiben! Charly hielt sich jedoch nicht an meinen Masterplan. Nur zehn Stunden später, während ich noch meinen Rausch ausschlief, klingelte das Telefon. Er sei völlig vom Blitz getroffen und benötige unbedingt die Nummer dieser schillernden Frau von der gestrigen Party. Ich bockte natürlich weiterhin. Seine Hartnäckigkeit beeindruckte mich aber doch. So gab ich ihm eine Chance, sich mir erstmal vorzustellen. Beruf, Beziehungsvergangenheiten und Biertrinkgewohnheiten überzeugten mich vorerst nicht. Irgendwann fragte ich ihn dann, woher er denn eigentlich meinen Bruder kenne. Sie hätten beide schon zusammen aufgelegt. Ich war auch schon kurz vorm Auflegen. Aha, auch noch DJ! Schlimmer Finger! Doch dann schrie mein Unbewusstsein, dass Maya Musik mag und ich meinen Kontrollzwang endlich mal ablegen sollte. Nun gut, bevor ich Mayas Nummer weitergab, erbat ich zumindest ihre Genehmigung. Für Fortfolgendes war ich nicht mehr verantwortlich. Die Liebe geht ihre eigenen Wege.

Maya: StoppStoppStopp – hier darf ich mich einmal kurz in Chloes gesteigerten Textausfluss einschalten! Man verzeihe mir das Korrekturrot, aber man muss sich ja irgendwie bemerkbar machen. Vielen Dank für diese hübschen Erinnerungen an vergangene „Feier“tage, aber von Trinksucht kann nun wirklich nicht die Rede sein, außerdem kann ich mich zwar sehr wohl ans Tischerücken erinnern, aber dass dem Schabernack eine Anstellung vorangegangen sein soll? Verbuchen wir es mal unter künstlerischer Freiheit.

Und dann bedanke ich mich natürlich noch ganz herzlich für deinen subjektiven Eintrag in der Chronik einer großen Liebe!

Warum bin ich aber jetzt so vom Weg abgekommen? Zurück zum Hopfen. Mit der Liebe fängt es wieder an bzw. mit dem Ende derselbigen. Nachdem sich mein Über-Ex getrennt hatte, stand ich plötzlich völlig aufgelöst vor Mayas Wohnung in Berlin. Trotz all der Trauer muss ich in meiner Verzweiflung dennoch an ein Mitbringsel gedacht haben. Bei meinem Bäcker, der in meiner Erinnerung zu dieser Zeit noch keinen Namen für mich besaß, kaufte ich wohl neben der belegten Seele für die Zugfahrt eine Pralinenschachtel für Maya. Eigentlich erstand ich den Süßkram nur, da eine kitschige Goldprägung eines lokalen Barockschlosses zu sehen war und mir in der Eile auch nichts besseres einfiel. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich damals zu Hause nicht eine einzige Flasche Wein oder sonstige Spirituosen vorrätig hatte. Seit ich in der Wirtschaft tätig war, hatte ich schon seit Wochen keine Wirtschaft mehr von innen gesehen, geschweige denn ein Gläschen getrunken. Der Job ließ kaum einen Freiraum zum Nippen.

Beim Schluchzen und Teeschlürfen in Mayas Reich erinnerte ich mich wieder an die Schokolade. Sie öffnete begeistert die Schachtel. Innen lag ein Zettel von „Dr. Locher“, der Herr bei dem das Hopfenbitter für die „Hopfenkügele“ gebrannt wird. Hopfenkügele? Wir beiden bierphoben Frauen waren entsetzt über diese in unseren Augen Kastration von Kakaobohnen. In Ermangelung anderer Glückshormon verursachender Stoffe sowie ob des wohligen Geruchs der Kügele, unternahmen wir dennoch einen Versuch bzw. eine Praline in den Mund. Was fürderhin geschah, hätte nicht einmal der genial dekadente Joris-Karl Huysmans – „Im übrigen entsprach seiner Ansicht nach jeder Likör im Geschmack dem Ton eines Instruments“ [Gegen den Strich, Stuttgart: 1992, S. 76] – mit seiner Mundorgel hören können! In unseren Ohren war das Leslie Feist, die ihre Stimme live im Admiralspalast loopt…

Ich musste Maya noch etliche Hopfenbomber nach Berlin schicken, bevor sie bei ihrem letzten sowie ersten Besuch bei mir, den Schöpfer dieser Köstlichkeit kennen lernen durfte. Er war über seinen größten Fan derart entzückt, dass Maya gleich eine ganze Schachtel ohne Angabe ihrer Adresse – wie von ihren Gewinnspielen gewohnt – geschenkt bekam. Ob dieser unverhofften Freundlichkeit war Maya noch den ganzen Tag völlig benommen. Ich hoffe nur, dass sie sich inzwischen wie versprochen mit einer Postkarte aus Kreuzberg bei der Bäckereigattin, einem wahren Berlin-Fan, bedankt hat.

Maya: Seppi rules! Hopfenkügele sind einfach das Beste was die Pralinenwelt je gesehen hat. Hopfenkügele – ganz umsonst einfach so – vom Schöpfer persönlich – ich war sooo glücklich, so begeistert, ich bin es noch!

Anfangs führten wir diese plötzliche Verfallenheit zum Hopfen auf die fest-cremige Konsistenz der Pralinenfüllung zurück. Diese Theorie wurde jedoch mit der zwischenzeitlichen Entdeckung des Hopfengeistes, den wir ebenfalls in die Liste unserer geistigen Getränke aufgenommen haben, widerlegt. Wenn Maya und Chloe mit ihrem Verstand nicht weiterkommen, dann schauen sie immer in ihre Glasgoogel! An allem ist also nur diese Formel Schuld:

8-Prenylnaringenin

8-Prenylnaringenin

OH, OH, HO ?!? Da gefällt mir die folgende Erklärung doch sehr viel mehr:

Kritiker der Phytotherapie behaupten gerne, dass pflanzliche Präparate keine nachweisbare bzw. eine zu geringe therapeutische Wirkung haben. Der Hopfen (Humulus lupulus L.) beweist das Gegenteil: Schon beim Ernten des Hopfens sind Wirkungen auszumachen, die zum Teil so stark sind, dass es bei Hopfenpflücker sogar zu einer – in Deutschland anerkannten – Berufskrankheit kommen kann: Die „Hopfenpflückerkrankheit“ bricht nur während des Erntens aus. Die Hopfenpflückerinnen – es waren meistens Frauen – litten an typischen Symptomen der Erkrankung wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Augenbindehautentzündung („Hopfenauge“), entzündlichen Hautrötungen und/ oder Gelenkschmerzen. Das Charakteristische dieser Krankheit war, dass die Symptome nach der Arbeit wieder verschwanden. Junge Frauen konnten außerdem während der Ernte noch Zyklusstörungen bekommen, die durch den hohen Östrogengehalt des Hopfens ausgelöst wurden. (Hopfen – mehr als nur Bierwürze).

Nachgeschaut habe ich nun zumindest in der Vergangenheit. Damals also kein Anzeichen von Bier. Dumm geschaut hat Maya, als sie mich dann am See plötzlich Bier trinken sah: „Spinnst Du! Seit wann trinkst Du BIER???“ Nun gut, an dem Abend konnte ich mich etwas tarnen, da der Wein ausgegangen war und es auf der Party nur noch Freibier gab. Maya rührte aber selbst das mit der Begründung „Du weißt doch: Von Bier wird mir immer so komisch!“ nicht an.

Und nun meine liebe Freundin, muss ich beichten! Ja, ich tausche Trauben gegen Dolden! Seit meinem Zweitstudium und diesem Landleben bin ich tatsächlich auf den Biergeschmack gekommen. Man kann sich hier doch bei all den Bockbierfesten, Platzkonzerten, Dorfhocketsen, Grillparties mit Lagerfeuer am See usw. kaum dem golden Saft entziehen. Ein Sonnenuntergang ohne Seeradler mit Frauenverschluss ist wahrlich unvorstellbar.

Maya: Ach Chloe – ich wusste es kann nicht gut sein in Orte zu ziehen, deren Einwohnerzahl weniger als 6-stellig ist!
Nun denn: schweren Herzens – ego te absolvo.
Seeradler gilt übrigens nicht als Bier, ich habe es probiert, es schmeckt ja fast gar nicht nach Bier und weder wird mir – noch werde ich im vollen Ausmaß „komisch“ davon, außerdem gibt es das Zeug sogar hier in der Bar 25, dort sind die Leute allerdings komisch, liegt aber wahrscheinlich nicht am Hopfen sondern an ganz anderen Substanzen.

Inzwischen mokiere ich mich gar als Frau schon über die furchtbaren Bier-Mixgetränke, da diese ja überhaupt nicht mehr nach Bier schmecken! So weit ist es mit mir gekommen. Und gegangen bin ich nun auch noch bzw. viel mehr gewandert!

Während Du am Sonntag wieder mal am Hopfengeist-Cocktail gewerkelt hast, schlich ich mich heimlich auf den Hopfenwandertag. Letztes Wochenende präsentierte die Schwäbische Zeitung den Tettnanger Hopfenpfad. Tettnang ist in dieser Region berühmt für seinen Aromahopfen. Auf vier Kilometern konnte man mit dem Endziel Hopfenmuseum gleich vier Bierdörfer mit insgesamt 30 Brauereien ablaufen. Zum Start des Bierathlon bekam man ein kunstvolles proBierglas in die Hand gedrückt. Bei strahlendem Sonnenschein haute der Hopfe schön auf den Detz. Den Einbruch meines Sprachzentrums konnte ich mit wilder Fotografie kompensieren. Daher kommen nach all den schönen Worten zu unserer Vergangenheit nun ein paar weniger eloquent kommentierte Fotos aus der Gegenwart.

1. Internationalität
Die unterschiedlichsten Brauereien aus aller Herren Länder, die den berühmten Aromahopfen verwenden, warteten stolz zum Einschank auf.

Internationales Bierdorf

Internationales Bierdorf


2. Regionalität
Ist mein proBierglas nicht schön? Von den Böhringer Bieren hat ich bisweilen auch noch nichts gehört. Getrunken dann ein Dunkles!

proBierglas und Braukultur

proBierglas und Braukultur

3. Zeitgeist, die Erste
Die Biermarke „WalderBräu“ versucht mit ganz perfiden Methoden die Jugend auf sich aufmerksam zu machen.

Modernes Biermarketing

Modernes Biermarketing


4. Zeitgeist, die Zwote
Nur eine halbe Stunde später begegnet mir das erste WalderBräu-Opfer. Die Dimension des Bierglases ist als Symbol für die Generation Komasaufen zu sehen. Das schöne an diesen traditionellen Festen auf dem Land ist jedoch, dass man von keinem randalierenden Jugendlichen auf die U-Bahn-Gleise geschuppst werden kann. Man landet im Extremfall in der Jauchegrube. Ferner sorgt das Familienprogramm für ausreichend Promilleabbau: Bierkrugschießen – Bull-Riding – Fotoaktion – Jonglierschule.

Wenn schon, denn schon !

Wenn schon, denn schon !


5. Zeitgeist, die Dritte
Öko-hol! Direkt vor dem Hopfen steht der zukünftige Brauer nicht nur mit seinem Namen, sondern gleich mit Gesicht und Mannschaft.

Des Hopfens Brauer

Des Hopfens Brauer

6. Cover Band Fever
Wenn die Rolling Stones noch Tourneen geben, stehen auch die Thin Mothers zwischen den Reben. Man beachte auch den Sonnenschirm mit dem Claim „Was uns die Heimat gibt!“

Die "Thin Mothers"

Die "Thin Mothers"

7. Resümee
Ich war begeistert vom Fest und könnte mich dafür hauen, dass ich die letzten Hopfenwandertage alle in meiner arroganten Art arschig ignoriert habe. Statt mit Laptops auf dem Schoß im Sankt Oberholz, ist auf dem Land von Aug zu Aug was los. Man grüßt sich und kann auch mal bei Tageslicht völlig benebelt sein, während die Großstadtneurotiker ihren Latte-Chai mit Sonnenbrillenintimschutz einsam löffeln.

Maya: Also ich weiß gar nicht was du meinst und wen du meinst – das echte Berlin – habe ich mir von einem Insider sagen lassen – soll ganz anders sein. Immer diese Übertreibungen und Klischees!

Nur die Hopfenkönigin war etwas verdutzt, als ich sie um ein Foto bat. Daher füge ich als Abschlussbild lieber den Eintrag ins Gästebuch des Hopfenmuseums, in dem ich aber eigentlich nur auf Toilette war, ein. Zum Wohl !!

Gästebucheintrag im Hopfenmuseum
Gästebucheintrag im Hopfenmuseum