Make Up-Figürchen gegen Testosteron-Zwerge

Chloe gibt derzeit am Lech das Schneewittchen. In extrem testosterongeschwängerter Atmosphäre räumt sie als einzige Frau unter lauter IT-Zwergen auf. Da hat man es als Dame nicht so leicht. Weil sich ein direkter Vergleich der Penisgrößen am Besprechungstisch verbietet, geht es verbal in der männlichen Kollegenschaft hoch her. Hierarchiegerangel, Machtfantasien und permanentes Sexgeprotze sind an der Tagesordnung, die Anwesenheit der neuen Kollegin scheint entweder noch nicht durchgedrungen zu sein oder das ganze noch zu befeuern. Was ich mir da dann am Telefon und am Wochenende anhören kann, würde ohne weiteres 2-3 soziologische Fallstudien ausfüllen, Klagen wegen sexueller Belästigung begründen und Gender-Studies-Kurse zum Jaulen bringen.

Zu allem Übel sind die Kolleginnen der anderen Abteilungen noch ein wenig zurückhaltend, der armen Chloe fehlt eine verbündete Geschlechtsgenossin am Arbeitsplatz. Ein Glück nur, dass es die Phalanx der Mitbewohnerinnen in Süd und Nord-Ost gibt, wir peppeln die tapfere erwerbsorientierte Pionierin mit Frauengesprächen auf. Vom Liebesroman bis zum Kochrezept, vom Frauenarzt bis zum Änderungsschneider, von der Quote bis zur Quaste wird dann alles schön rosarot durchdekliniert.

Doch was, wenn Chloe einen kleinen Östrogenkick für zwischendurch braucht?

Zum Glück haben sich die Leute aus dem Haus Chanel eine sehr hübsche Kampagne für ihre dekorative Kosmetik einfallen lassen, dieses Video ist sooooooo süüüüüüüüß, das ist ein ideales Schutzschild für mayne Chloe hinter den Sieben Bücherbergen bei den IT-Zwergen:

Sex is cleaner with a packaged wiener…

…habe ich gerade aus der schönen Sammlung 161 Condom Sayings gefischt.

Aus gegebenem Anlass. Denn – lustiger Einstieg aber ernstes Thema – Chloe und ich haben mit Schrecken bemerkt, dass sich im Freundeskreis und bei uns selbst eine gewisse Müdigkeit breit gemacht hat, was Safer Sex betrifft. Irgendwie ist das Thema Aids so ein bisschen in den Hintergrund gerückt, es stirbt nicht mehr dauernd eine berühmte Persönlichkeit daran oder zumindest hört man es nicht mehr ständig in den Nachrichten, wie wir es aus unserer Kindheit und Jugend gewöhnt waren. Die Filme darüber sind nicht mehr so präsent (werden denn eigentlich noch welche gemacht?) und nicht zuletzt ist dank der Medikamente das Leiden und die äußerliche Stigmatisierung von Aids-Kranken weniger sichtbar geworden, was ja schön ist, aber eben auch gefährlich.

Denn plötzlich argumentieren Freundinnen wieder mit „Ich weiß doch in welchen Kreisen ich mich bewege“ oder „Ich passe auf“ – Sätze von denen wir doch eigentlich mit 12 bereits wussten, dass sie schwachsinnig sind. Da ist das Bekenntnis „Ich habe Aids…“ aus dem Mund von Markus Kavka (und den anderen Bekennern) doch hoffentlich ein heilsamer Schock:

Vergiss Aids nicht

Vergiss Aids nicht

Wirklich gute Kampagne, oder ? Schlägt den ollen Spot von damals mit Ingolf Lück und Hella von Sinnen („Tiiiinaa – wat kosten die Kondome?„) an Intensität doch um Längen.

Chloe und Maya haben auf jeden Fall beschlossen sich und dem Freundeskreis auch wieder ein bisschen stärker auf die Finger zu klopfen. Lasst uns doch unserem Alter und unserer Intelligenz entsprechend verhalten, sprich:

Sex muss safe sein, sonst findet er nicht statt.

Wie bescheuert ist es denn, wenn wir – die im Verhüten von Schwangerschaften derart pingelig sind – im Verhüten tödlicher Krankheiten nachlässig werden?

So – nach dem lustigen Einstieg und dem Zeigefinger folgt nun der lustige Ausstieg mit Zeigefinger. Wie ich bereits bei den MTV EMAs bemerkt habe, gibt es ja zum Glück noch ein paar mehr kreative Köpfe, die sich mit dem Thema offensiv beschäftigen und nebenher auch noch diverse Datingprobleme ansprechen, die uns ebenfalls bekannt sind:

Was gibt es besseres zur Aufklärung, als Puppentheater? Schon Kinder lernen schließlich beim Kasperle und dem Krokodil Gut und Böse zu unterscheiden.

Und natürlich hoffen wir auch besonders, dass das Personal und die Besucher von Chloes Mega Marker safe bleiben und legen dies auch den Internet-Usern, die über die Suche „Flatrate Bordell“ zu uns kommen ans Herz. In Großpackungen werden Gummis ja auch billiger, ob Haribo oder Durex.

MTV EMA USA LOL

Ich schimpfe ja immer gerne auf MTV, weil sie keine Musik mehr spielen und stattdessen lieber am laufenden Band die absurdesten Reality-Formate senden unterbrochen von der noch absurderen Werbung. Zum Glück gibt es das Internet und tape.tv (siehe Zerstreuungs-Link).

Für eines ist der ehemalige Musiksender aber immer noch gut: Für Live-Shows und Preisverleihungen. Da sitzt selbst Maya wieder vor der Glotze und singt beseelt:

I want my MTV

So auch gestern, als es um die EMA – die Europe Music Awards – ging, die diesmal in der Geburtsstadt der Popmusik stattfanden – in Liverpool. Britisch war da ansonsten allerdings recht wenig. Als hätte MTV geahnt, dass einen Tag nach der Wahl in den USA ein neues Zeitalter der Europäisch-Amerikanischen Freundschaft anbrechen würde, waren sowohl Host Katy Perry (in bezaubernden Pinup-Outfits und Bühnenbildern) als auch die Betreuer der on-stage VIP-Lounge  30 Seconds to Mars (mit Jared Leto, dessen Nirvana-Gedächtnis-Klamotte schrie: „ich wäre soooo gerne wie Kurt Cobain“) aus Obama-Land. Nicht nur sie, sondern auch die vielen amerikanischen Musiker betonten ausnahmslos erstmal, wie glücklich sie über den Ausgang der US-Wahlen seien, die EMAs kamen mir deshalb zeitweise wie eine musikalische Wahlparty vor, aber was solls, ich habe mich ja schließlich auch gefreut.

Zurück zur Musik: Ein paar Briten durften in Liverpool schließlich doch auftreten, zum Beispiel die gealterten Jungs von Take That, die das 15-jährige Jubiläum symbolisierten, traten sie doch schon bei den ersten EMAs auf. Sie waren diesmal ziemlich am Anfang dran und brachten mich unfreiwillig zum Lachen. Der Titel, na ja, nicht gerade ein Knaller, die Gesangsqualität war bei Boybands eigentlich eh schon immer Nebensache, nur damals konnten sie sich das noch leisten, weil sie ganz lecker aussahen und sich durch außergewöhnliche Kostüme und schweißtreibende Tanzeinlagen hervortaten.

Und hier sind wir beim Problem von Boybands über 30: Die lassen sich nicht mehr von Produzenten und Drillmeistern zu sexy Outfits und spektakulären Gruppenchoreografien verdonnern. Bei Take That war das gestern allerdings ein schwieriges Thema, denn offensichtlich wissen die nicht so richtig, was sie mit ihrem Körper machen sollen, wenn nicht jede Bewegung vorher geübt wurde:

Was macht denn Mark Owen da? Sieht aus als würde er ein imaginäres Gegenüber abwatschen…

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Schön verstörend

Wir haben hier so oft über schlechte und seltsame Werbung gesprochen, dass es jetzt mal wieder Zeit wird etwas zu loben – aber natürlich ist das überhaupt der schlechteste aller Gründe für den Post des Videos.

Es gibt ganz andere und sehr viel bessere Anlässe.

1. Ein Trailer für ein Buch kommt mir schon grundsätzlich exotisch vor, obwohl ich gleichzeitig denke, warum wird das eigentlich nicht viel öfter gemacht? (Die Antwort ist mir natürlich selber klar: Geld. Bedauern muss trotzdem gestattet sein). Deshalb muss die Erscheinung schon an sich gewürdigt werden.

2. Christian Krachts Bücher begleiten Chloe und mich schon seit Beginn des Studiums, wir lieben sie sehr.

3. Dieses Video spricht für sich selbst, tanzt auf dem Schwebebalken zwischen Kitsch und Tiefe, trägt wahnsinnig dick auf ohne albern zu werden, verstört mich effektiv und erfüllt seinen Zweck – ich will jetzt dieses Buch lesen!

Little Kid is watching you!

Da mich das Fieber gestern niederstreckte, musste ich zum ersten Mal einen Krankheitstag einreichen. Das kratze irgendwie stark an meinem Ego. Aber in meinem Hals auch. Und erst die furchtbaren Kopf- und Gliederschmerzen. Ich erlag also völlig meinem Körper. Meine glasigen Augen konnten gerade noch auf dem iPhone eine Rezension zu Christian Krachts neuem Roman überfliegen, bevor sie mir weitere Leseversuche nur von Innen erlaubten: beim Träumen. Wie sehr uns die moderne Technik beeinflusst, merkte ich an den skurrilen Traumsequenzen, die ich wie auf einem Touchscreen plötzlich von rechts nach links verschob. Wieder wach erinnerte ich mich an eine Hausarbeit, die ich weiland zu Kafkas Kinobesuchen, die wiederum stark seine Erzähltechnik beeinflussten, verfasst hatte. Aber bevor ich mit mir selber zu philosophieren anfing, schlief ich wieder ein.

Um knapp vor 18 Uhr – immer noch im Schlafanzug – unternahm ich dann den skurrilen Versuch (wohl dem nahen dreißigsten Geburtstag entrinnend), Teenager zu spielen. Wie das geht? Man zappt sich einmal durch das Fernsehprogramm hindurch und isst nebenher ungesunde Sachen (gut, in meinem Schrank fand sich gerade mal eine Prinzenrolle – aber ich bildete mir ein, drei Tüten Chips in mich reinzustopfen).

Nach zehn Minuten grenzenlosem TV-Konsum war ich jedoch wie paralysiert! Was ist in den letzten Jahren, in denen ich für dieses soziale System schuftete, passiert!?! Scheiß auf die Finanzkrise in Amerika, die stecke ich seit meinem gestrigen Erlebnis locker weg. Weiterlesen

Wer bist DU, der täglich nach uns sucht!

Neben all den skurillen Suchbegriffen, taucht auch wirklich jeden Tag einer auf, der uns täglich mit „spreesee“ sucht. Wer bist Du? Wir fühlen uns wirklich geschmeichelt. Aber sollen wir Dir nicht mal erklären, wie man Favoriten im Internet Explorer einrichtet? Oder wie man einen RSS-Feed abonniert? Melde Dich und ich schicke unserem größten Fan gerne einen Screenshot.

Außerdem möchte ich Euch auf keinen Fall die restlichen Suchbegriffe für heute vorenthalten!! Wahnsinn, dass Menschen nach Gründen suchen, warum sie froh sein sollten, eine Frau zu sein. Noch krasser, dass sie dann auf uns landen. Muss wohl am Alkohol liegen…

OOOOOOOhhhhhh! Beim Verlinken habe ich gerade unsere erste Google-Werbung entdeckt!! Was soll das denn! Und dann auch noch so ein Schmu zur „Partnerwiederzusammenführung“ vom Schweizer Institut für Parapsychologie und Metaphysik! Maya maynt, dass sie voll dagegen ist und vorher von Google gefragt werden will. Aua, mein Ohr! Es reicht… Bitte motz im Kommentar weiter. Keine Ahnung, ob wir ausreichend geschützt sind… Keine Ahnung, warum irgendwelche Leute was in unsere Seite „reinmetzgern“ können. Mitten in Deinen Artikel. Chloe legt gleich den Telefonhörer auf und geht nach Hause.

Gründe, die gegen Bier sprechen!

Neulich, während eines Anrufs von ihrem Besuch auf einem Filmfestival, gab Chloe mir den Auftrag doch einmal zu Papier zu bringen, weshalb ich ihr durch wiederholte Hasstiraden gegen Regisseure, gespeist mit Anekdoten aus meinem Praktikum bei einem Filmfestival, vom näheren Verkehr mit dieser Zunft abrate. Wahrscheinlich waren einige gutaussehende Exemplare vor Ort und sie wunderte sich sehr über meine Abneigung.

Draft-Vorschlag war: 10 Gründe, die gegen Regisseure sprechen!

Nun – eventuell werde ich das irgendwann noch tun, aber eigentlich habe ich gar nichts gegen Regisseure, mit einem Vertreter dieses Berufsstandes bin ich sogar befreundet, ich schimpfe halt nur gern auf exaltierte Künschtler und dachte, nach dem Über-Ex sollte Chloe mal auf ein weniger störrisches Pferdchen setzen…

Andererseits habe ich erst kürzlich gelobt, mich keinesfalls mehr einzumischen (um weiteres Chaos zu vermeiden) und außerdem gibt es aktuell brennendere Themen, gegen die man sein kann…

Gerade hat mir ein – ansonsten sehr netter – Jemand folgendes Video zukommen lassen. Mit dem Betreff

Bier doch reine Männersache?!

und dem Vermerk

Hi,
was nen Glück für Guinness, dass es eh vorzugsweise von Männern
konsumiert worden ist… 😉
Viel Spaß beim Lachen & Fluchen,
Cheers

Wow – mein postfeministischer Stolz ist mehr als nur leicht verletzt. Trotz Vorwarnung durch den Absender- ich habe versucht es vielleicht doch lustig zu finden – NEIN – das hat nicht geklappt. Ich finds dreist und nicht auf eine gute Art!

Dabei bin ich doch sonst so hart gesotten und vergöttere Formate, die andere am liebsten an Amnesty International melden würden (siehe Zerstreuungs-Link-Abteilung). Diese Form von Schenkelklopfer Humor aus der männlichen Chauvi-Ecke erreicht mein Komikzentrum einfach nicht und ich bin froh darüber.

Wie gut, dass ich mir vom „Zauberkraut Hopfen“ niemals die Sinne vernebeln ließ (Hopfen-Kügele und -Brand zählen nicht, offenbar werden bei deren Herstellung die verdummenden Stoffe vorher vernichtet). So werde ich nicht gemein mit Menschen oder ähnlichen Wesen, die durch derlei Werbung angesprochen werden und werden sollen.

Ein bisschen freue ich mich dann aber doch, dass ich damit mal wieder einen Stoff gefunden habe, der perfekt zu all unseren Spreesee-Lieblingsthemen passt:

  • Bier bzw. Hopfen – Chloe, jetzt aber mal im Ernst, man kann DAS nicht trinken: „I would never share one with you“ vorher nicht und nach Kenntnis dieser Werbung noch viel weniger
  • Pornografie – nun gut, Kafka oder jeder andere Biertrinker auf der Welt können sich meinetwegen sowohl die Hopfenbrühe als auch die heißen Filmchen und Bildchen reinziehen, nur ich möchte das nicht sehen müssen!!! Und auf gar keinen Fall möchte ich, dass der Körper einer Geschlechtsgenossin auf den Gehalt, die Funktion und die Verfügbarkeit einer Bierflasche reduziert wird – nicht vor meinen Augen!
  • kleine Größen – bei vorliegenden Material bezieht sich der Größendiskurs allerdings weniger auf Körper (wobei – wer weiß schon, welche physischen Mankos die Werbefilmmacher ausgleichen müssen???) als vielmehr auf Geschmack und Verstand…